Puffärmel

»Die ist nicht mehr wie Pudding« sagt Dr. Adloff.
»Na hör mal« rufe ich, »da ist immer noch ein himmelweiter Unterschied zwischen der rechten und der linken! Fass mal da hin. Und jetzt vergleiche, die andere Seite!«
Wir sind inzwischen beim Du. Ich liege bäuchlings auf der Pritsche.
Er piekt mit dem Finger.
»Nee, richtig!«
Macht er aber nicht. Ist ein ehrenwerter Mann. Vielleicht auch leidgeprüft, heutzutage haben viele Ärzte Verfahren wegen Übergriffigkeit am Hals.
»Ich will mehr Physiotherapie«, nörgle ich, »das Schwimmen bekommt meiner Haut nicht.«
»Kriegst du« sagt er.
Bevor er Neurochirurg wurde, war er Bildhauer.
»Wo kann man denn deine Sachen mal sehen?« frage ich. »Im Netz?«
Er guckt komisch.
»Du hast es nicht so mit dem Netz, was?«
»Nö.«
»Weißt Du, dass ich heute über dich geschrieben habe auf Tainted Talents?«
Er schüttelt den Kopf: »Tatsächlich?«
»Hast du überhaupt schon mal reingekuckt?«
»Ja, gleich, als du mir den Link geschickt hattest. Aber jetzt kürzlich nicht mehr. Hab’ so wenig…«
»Ich weiß schon.«
»Ich hör’ hier bald auf und mach’ nur noch meine Sachen« sagt er.
Ein super Arzt. Ich könnte Bocksprünge machen, dass ich ihn gefunden habe.

Als ich rauskomme, bin ich so beschwingt, dass ich mir eine Baby-Doll-Bluse mit Puffärmeln kaufe, für die ich mindestens fünfzehn Jahre zu erwachsen bin.
Egal.

Eine Dame namens Charlotte Pimpernell

behauptet, Sam Kaprielovs Arbeiten entstünden in Pastelltechnik, auf deren Schicht er anschließend durch Fingerwischen Licht und Schatten durchkomponiert.
Ich mag Kaprielovs graue Welt und verfolge sein Schaffen, seit ich seinen surrealen Szenarien vor einigen Jahren in der Revolver Gallery in London begegnete. Dass sie allerdings mit den Fingern gemalt sind, möchte ich dann doch bezweifeln. (Und Charlotte Pimpernell: kann der Name echt sein?)
Guten Morgen.
Buchhaltung ist gemacht; ich bring den Packen gleich mal zur Post. Dann Seminartexte Korrektur lesen. Und ein Termin mit Dr. Adloff, er will sich meinen linken glutaeus maximus ansehen.
“Petzen Sie mal fest die Hinterbacken zusammen: die müssten jetzt hart sein. Greifen Sie sich ins Gesäß” befahl er beim letzten Mal.
“Die rechte ist hart, die linke ganz weich” seufzte ich.
“Das liegt am Nerv, der immer noch taub ist. Dadurch atro (Moment, muss nachsehen, wie man das schreibt) atrophiert der Muskel. Sie müssen schwimmen.”
“Keine Physiotherapie?”
“Alles Unfug. Schwimmen Sie.”

So viel schwimmen ist mir aber zu nass, einmal die Woche, mehr schaffe ich nicht. Nu hab’ ich zusätzlich einen Tänzer, der mich das Wort Kinese ganz neu entdecken lässt. Doch dazu ein anderes Mal.

Löschungen

Nun haben Sie Ihre Kommentare unter dem Beitrag über Netzliteratur gelöscht, @sturznest. Das ärgert mich, ich schrieb meine Antworten an Sie nämlich direkt hier auf TT (noch so was, das man nie tun soll, ohne Sicherung schreiben.)
Damit sind meine erwidernden Überlegungen nun auch futsch.
Zufrieden?
Was für eine Verschwendung unserer beider Zeit.

Technische Frage:

Ich kann keine neuen Bilder mehr einstellen, twoday sagt, ich hätte meine Kapazitäten erschöpft. Liegt daran, dass ich meine Bilddateien immer in viel zu hoher Auflösung eingestellt habe, nicht als gifs, sondern als fette jpgs.
Blöd, ja.
Shame on me.
Muss ich jetzt sämtliche Bilder hier einzeln neu formatieren, um wieder Platz zu schaffen?
Weiß jemand Rat?

Haare raufend,
Phyllis

Das Netz als Werkzeug oder Werkkiller, Fortsetzung.

Thomas Hettche in der FAZ, Alban Nikolai Herbst im Freitag und in die Dschungel, Rainald Goetz bei Harald Schmidt – zu sehen, nebst Hettches und Herbsts Texten, bei in|ad|ae|qu|at.
Das Ding mit der literarischen Qualität und ihren Entstehungsbedingungen ist mal wieder im Gespräch. Hettche sagt, große Literatur braucht Buchseiten, Netzpublikationen sind marketenderische Billigware, es gibt keine hochwertige Literatur, die im Netz entsteht. Herbst zückt sein Messer, Verleumdung sei das, online entstünden gute Texte ebenso wie Kroppzeug, und das nicht anders als zwischen Buchdeckeln. Man müsse sich eben, verdammtnochmal, auskennen. Der Buchmarkt, doch vor allem Kritiker sähen mit der Kraft, die Autoren via Blogs und literarischer Websites gewinnen, ihre Deutungshoheit schwinden und schössen sich deswegen darauf ein, sie gleich mal allesamt in den Dreck zu ziehen oder gleich ganz zu ignorieren.
Goetz sagt eher gar nichts, er balanciert einfach hektisch auf seinen Sitzhöckern und labert los. So heißt auch sein neues Buch, “Loslabern”. (Na, das Konzept scheint er gut verinnerlicht zu haben)

Ich fange mal mit einer anderen Frage an: Wie sehr betrifft uns das alles? Es ist absolut lächerlich, heutzutage zu behaupten, gute Literatur, große Themen bedürften eines bestimmten Mediums bzw Settings. Das wäre, wie wenn man sagte, Akte dürfen nur im Aktzeichenkurs gemalt werden, Stilleben nur auf Leinwand, und für Seestücke müsse man an die See fahren, mit genügend Blau auf der Palette. Oh je.
Trotzdem, obwohl es so offensichtlich scheint, erhitzen sich die Gemüter über der Frage, ob das Internet ein Ort für Literatur sein kann. Klar kann es. Ärgerlich für die Gatekeeper des Marktes ist nur, dass sich Persönlichkeiten, die sich online eine eigenständige Präsenz schaffen, nicht so leicht vereinnahmen lassen wie verlagsgebundene Autoren. Über die netzspezifischen Bedingungen, Verlinkungen, Interaktion mit Lesern und virtuellen Nachbarschaften lässt sich auch ihre Selbstpositionierung viel transparenter nachweisen. Folge: Man kann ihnen weniger von außen unterstellen, verliert als Kritiker an Einfluss. Das muss einfach der Grund sein, einer der Gründe, warum diese Diskussion so heiß geführt wird. Macht und Machtverlust.
Interessant dazu ist der Kommentarbaum in die Dschungel, besonders Gregor Keuschnig bringt da einiges auf den Punkt.

Ich muss weg. Später mehr.

– Eben noch entdeckt: Herr Aviess zum Thema.