Helmut Schönauer via >>> biblio.at, Mai 2013

„Unter dem Kosmos des Zauberbergs von Thomas Mann stellt man sich oft eine morbide Gesellschaft vor, die jenseits finanzieller Sorgen in einem Sanatorium samt der Epoche zu Ende siecht.
Phyllis Kiehl greift diese seltsame Lebensweise eines Lebenssanatoriums auf und macht ganz auf Zeitgeist, indem sie das Problem des Körpergewichtskultes in ein erlesenes Sanatorium „Fettberg“ verlegt.
Das Gelände Fettberg ist hermetisch von der übrigen Welt abgeriegelt. Als sich zu Beginn eine Katze in die fette Zone verirrt, ist es für den Besitzer schier unmöglich, sie noch einmal lebend zurück zu bekommen. Aber nicht nur der Sicherheitsstandard ist enorm, auch die psycho-medizinischen Einrichtungen der Weiko-Sud Fastenklink spielen alle Stückeln. So sind Laufbänder und andere Gerätschaften mit großen digitalen Anzeigen vernetzt, dass jeder im Haus weiß, wie viel Gramm es geschlagen hat. Die meisten bewegen sich im 150-Kilo-Bereich aufwärts, gefürchtet sind die sogenannten Papier-Checks, wo die Ungetüme nur mit einem Papierkleid ausgestattet in vollen Kilos der Community vorgeführt werden.
„Fettsein ist peinlicher als Drogen“ (25) sagt eine Insassin, und in einem Beobachtungsspiel resigniert ein Klient, „wir zweifeln an uns selbst“. (39)
„In der Klinik gibt es keine Solidarität, keine Anteilnahme. Dafür aber ein schamlos geteiltes Drama den eigenen Körper betreffend, auf dessen Bühne sie alle täglich stehen.“ (75)
Als plötzlich aus einem brasilianischen Dschungelcamp der verrückte Oberarzt Tense angeworben wird, stellen sich in der Klinik die ersten Fragen.
Wer leitet überhaupt Fettberg und zu welchem Zweck? Warum wird niemand als geheilt entlassen? Wo verschwindet das ganze Geld, das für den Aufenthalt berappt werden muss?
Der neue Arzt nämlich bringt Schwung in die Bude, weil er den Patienten den Genuss des Übergewichtes und das Jammern über die eigene Befindlichkeit austreiben möchte und dabei neue Standards setzt.
Wie so oft, wenn etwas Neues zum Erfolg führt, putschen die Alten, die einen geruhsamen Lebensabend mit Schmerzen, Jammern und erotischem Geknete verbringen wollen. Während einer Modeschau für Fettler prallen die diversen Lebensmodelle hemmungslos aufeinander.
Phyllis Kiehl beschreibt in ihrem skurrilen Gesellschaftsroman den fehlgeleiteten Hunger einer ganzen Generation. Während vordergründig Körperpflege und Wellness zur Diskussion stehen, hat sich im Hintergrund längst ein medizinisches Regime eingenistet, das durchaus faschistische Züge trägt. Körperkult ohne solidarische humanistische Maßnahmen führt zwangsläufig ins Desaster, wobei das Individuum zur reinen Körper-Masse verkommt.
– Ein grotesker Sanatoriums-Roman, bei dem wie in einem modernen Zauberberg die Fragen nach Sinn, Leben und Tod gestellt werden.“

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Via >>> Iris – Bluetenblätter, 08.06.2012

„Liebe Phyllis,
welcher Ort ist denn nun der richtige für ein paar Sätze zu Ihrem Buch? Jeder vermutlich (in meinem Blog schreibe ich ja keine Rezensionen, zitiere höchstens mal und führe eine Leseliste), der Einfachheit halber also hier und jetzt:
Ich habe das Buch verschlungen, einiges hat mir besonders gut geschmeckt (so ein schöner Prolog! herrlich skurrile Ideen! gute Namen und Kulisse!), von manchem hätte ich gerne mehr gehabt (Dr. Tense, 6 Monate vergehen einfach so, da hätte ich mir ein paar Details gewünscht, was sein Arbeiten betrifft), ich bin satt geworden und nicht überfüllt (es blieb Luft, um z.B. weiter über Ebba und Sophie nachzudenken)
Sie hatten ja die zweite Ebene des Buches angesprochen, die tiefer liegende. Ohne eine solche zu entdecken, kann ich kaum ein Buch interessant genug finden, um es zuende zu lesen. Bei Fettberg ist diese Ebene vom Prolog an da, er umreißt sie im Grunde ja schon ganz – den Hunger als Antrieb, das Umhertigern auf der Suche nach Nahrung, die Gefahr, selbst verschlungen zu werden von anderen Hungrigen, der Überlebenskampf. Auch das Tier in uns, das wie alle anderen Anteile befriedigt werden will. Am Prolog gefiel mir auch das Poetische und die zauberhaft eingefangene nächtliche Stimmung. Es gibt ein paar weitere Stellen im Roman, in denen das aufleuchtet. Und immer wieder das Tier. Das tigernde, das nagende, das schlafende …
Schöne Kulisse. Der flüssige Faden, Dr. Sagos Zimmer …
Die Namen gefielen mir, treffend, aber nicht zu vordergründig …
Von Dr. Tenses Wirken hätte ich mir wie o.g. mehr Details gewünscht – egal.
Ebbas und Sophies Schicksal beschäftigte mich nachhaltig. Ich glaube, Ebba braucht ihren Athleten nicht. Sie wird sich selbst befreien. Ihr hungriger Geist wird sich nicht auf Dauer einlullen und manipulieren lassen, sie will mehr, und sie kann vor allen Dingen mehr. Und Sophie: Schade, dass ihre Kleider zu Sammlerstücken verkommen und somit ihres Sinns und Zwecks beraubt werden. Sie, die scheinbar Freiere von beiden, hat sich verkauft. (So sehe ich es.)
Hat Spaß gemacht, zu lesen und meinen eigenen Hunger mit ein paar neuen Delikatessen gefüttert. Danke!“

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Via >>> „Vorfreude“ auf Faust Kultur, 23.05.2012

„Vor ein paar Jahren erschien bei »Metronome« in Paris auf Englisch ein Büchlein, dessen Aufmachung an frühere literarische Delikatessen erinnerte – und das sich auch so anfühlte. »Fat Mountain« von Phyllis Kiehl enthielt leicht wahnwitzige Szenen aus einem ebenso absonderlichen wie phantastischen Paralleluniversum. Obwohl irgendwo zwischen Paris und London angeblich noch verlagsfrische Exemplare existieren sollen, ist das Buch in den USA wie in Europa heute eine antiquarisch gesuchte Rarität und wird erstaunlich teuer gehandelt. Aus den frühen Studien ist ein Roman geworden. Der ist jetzt im Berliner Verlag »Kulturmaschinen« auf Deutsch erschienen.

Phyllis Kiehl liebt es, mit menschlichen Seelen zu spielen, als wären sie von Käthe Kruse in die Welt geworfene Voodoo-Puppen. Soviel Mitgefühl ihr Weblog »Tainted Talents« auch verheißen mag: in »Fettberg« hat sie sich phantasievoll – und teuflisch subtil – völlig anders ausgetobt. Wenn sie Recht hat, ist die Hölle auf Erden jetzt in einer Klinik für sehr, sehr dicke Menschen untergekommen. Auch die Behandlungsmethoden sind sehr, sehr speziell. Vor allem der neue Chefarzt hat großartige Vorstellungen. Dick zu sein, so weiß er, ist nicht nur ein körperlicher Aggregatzustand.“

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Via >>> Antje Schrupp, 29.04.2012

„Bücher von Freundinnen. Heute: Ein Fette-Leute-Krimi

Bei der Frage, welche Romane ich lesen soll, spielt eine immer größere Rolle, ob ich die Autorin kenne oder ob ich jemanden kenne, die die Autorin kennt. Dank Internet kann man ja heute ziemlich viele Leute kennen, und wenn man selbst irgendwie “was mit schreiben” macht, lernt man im Lauf der Zeit bei Twitter und Facebook eine ganze Reihe von Menschen kennen, die auch “was mit schreiben” machen.
Ich glaube, ich habe in den letzten zwei Jahren nicht einen einzigen Roman gelesen, zu dem ich nicht irgendwie eine “persönliche Beziehung” hatte. Zuletzt war das “Suna” von Pia Ziefle (alias @frauziefle), ein wunderschöner Familienroman, über den ich aus Zeitmangel damals nichts gebloggt habe, aber den ich unbedingt empfehle. Es gibt eine ganze Reihe von Rezensionen, zum Beispiel die hier.
Eine andere internetbekannte Romanautorin ist Phyllis Kiehl, die ich noch nie getroffen habe, mit der ich aber aus den üblichen zufällig-unzufälligen Affinitätsgründen seit einiger Zeit auf Facebook befreundet bin, und deren Roman “Fettberg” ich grade durch habe.
Leider kann ich von der Geschichte nicht viel erzählen, weil dann wäre der Witz raus. Es ist nämlich irgendwie so was wie ein Krimi, und da muss man das Buch schon selber lesen, damit man den Plot so richtig genießen kann.
Aber vielleicht kann euch das Setting ein bisschen anfüttern: Die Geschichte spielt in einer Fasten-Klinik für extrem übergewichtige Menschen. Es geht um einen mysteriösen Direktor, um eine Freundschaft zwischen zwei sehr ungleichen “Patientinnen” und um eine dubiose Geheimgesellschaft hinter den Kulissen. Dynamik kommt in die Geschichte, als ein neuer Arzt kommt, der so seine ganz eigenen Methoden hat, um die Leute zum Abnehmen zu bringen…
Wer also einmal einen Einblick in die Gefühls- und Lebenswelt von sehr dicken Menschen bekommen möchte (mir war vieles neu) und gleichzeitig gute Literatur-Unterhaltung schätzt, bitte hier entlang: Phyllis Kiehl: Fettberg. KulturMaschinen, Berlin 2012, 16,90 Euro.“

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Via >>> La-Mamma, 02.05.2012

„die schwer übergewichtige ebba korff lässt sich in die weiko-sud aufnehmen, eine elitäre fastenklinik unter der leitung des geheimnisvollen dr.sago. ebenfalls neu in die klinik kommt dr. tense, ein neuer arzt, dessen unkonventionelle methoden ihn durchaus früher schon in schwierigkeiten gebracht haben.

zügig und auch sehr spannend treibt phyllis kiehl aus ebbas und aus einer übergeordneten perspektive die handlung voran – undurchschaubares und unheimliches geschehen wird sehr geschickt nur angedeutet, man beginnt sich auch als leser sorgen zu machen.

die dialoge zwischen ebba und ihrer in der klinik gewonnen freundin wiederum sind ganz lebensnah, und bieten trotzdem viele überlegungen über uns allen unterlaufende gesellschaftliche „ab“urteilungen.

fettberg ist viel mehr als ein thriller, es ist auch der „entwicklungroman“ ebbas, die erörterung der frage, ob man nach seinen eigenen regeln leben kann und wo die grenzen liegen. und das ganze in ausgezeichneter, schnörkelloser sprache ergibt eine sehr anregende lektüre.

schwere empfehlung!“

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Via >>> Gleisbauarbeiten, 07.4.2012

„EIN SOG IN SAGOS WELT (Über Phyllis Kiehls Roman „Fettberg“)

Es ist nicht so, wie Sie denken. Es geht hier nicht um die Missbilligung der üppigen Fettberge, die den Fetten über die Hosenbunde schwappen und um die Schenkel schlabbern. Jedenfalls geht es nicht nur darum, nicht um Ihre und meine Abwehr gegenüber den Fetten, die sich wie Berge in die Landschaft respektive unser Blickfeld drängen, in der S-Bahn ihre Körpermasse unweigerlich über den zugewiesenen Platz lappen lassen, wodurch es zu peinsamen Berührungen mit dem Fett kommt, die mit ihren platten Füßen wie Elefanten in den Porzellanladen trampeln und immer etwas anrempeln mit ihrer Hinternfülle oder ihrer Vorderwampe. Allerdings geht es um eine mögliche Reaktion der Fetten auf diese unsere Einstellung, nämlich um den Versuch sich hoch droben auf einem Berg, dem Fettberg, Ruhe zu verschaffen vor unseren ausweichenden Blicken, unserem tadelndem Räuspern und unseren unerbetenen Diät-Ratschlägen.

Phyllis Kiehl hat im Verlag der Kulturmaschinen den Roman „Fettberg“ veröffentlicht und wenn das Buch keinen Prolog hätte, sondern anfinge mit dem ersten Kapitel, das so anfängt: „Ich heiße Ebba Korff und ich bin fett. Fragen Sie nicht, wie viel ich wiege. Fragen Sie mich das nie. Besser noch, Sie kennen mich nicht: Wir wollen mit Leuten unter hundertzwanzig Kilo nichts zu tun haben.“, wenn das Buch so anfinge, dann könnten Leser:innen für einen Moment (allerdings nur für einen sehr kurzen) annehmen, sie hätten es hier mit einem der Romane zu tun, wie sie regelmäßig und ziemlich erfolgreich als sogenannte „Frauenliteratur“ auf den Markt gebracht werden, wo moderne Diät-, Mode- und Paarungsprobleme auf liebevoll-ironische Weise dargestellt und („immer ehrlich, aber mit Herz“) einer mehr oder minder realistischen Lösung („Ich bin wie ich bin.“ „Es muss nicht immer der Märchenprinz sein.“) zugeführt werden. Ein wenig krass wäre freilich die Kilo-Angabe, denn bei solcher Art aliterarischer Werke hat man es doch in der Regel höchstens mit den Dicken (weiblich bis ca. 80 kg, männlich bis ca. 110 kg) zu tun. Nicht so bei Kiehl. Hier geht es um FETTE, nicht um „kräftige Mannsbilder“ oder „Vollweiber“.

In Kiehls Roman, der in der Weiko-Sud-Klinik spielt, wo die Fetten einander beim Essen mit bösartigen Spielen quälen, bei mangelnder Gewichtsabnahme den ganzen Tag in Papierklamotten herumlaufen müssen und ein Dorn am Bettende der abendlichen Blutabnahme zur Kontrolle der Blutfettwerte dient, kommt es auch nicht zur romantischen Begegnung zwischen einer netten, aber ein wenig übergewichtigen Frau und einem liebenswerten, ein wenig pummeligen Mann, die nach einigem Hin und Her sich selbst und einander lieben lernen und dann (zum guten Schluss) sogar noch ein paar Kilo abnehmen. „Fettberg“ liest sich spritzig und spannend, doch geht es, wo Kiehl witzig und ironisch ist, keineswegs darum, billige Ratgeber-Weisheiten gefällig zu illustrieren. Was Phyllis Kiehl den Leser:innen anbietet, eignet sich eben nicht als Nebenher-Lektüre zwischen dem eingängigen Studium von Diätplänen und Horoskopen.

Und deshalb fängt der Roman auch nicht mit dem ersten Kapitel an, sondern mit einem Prolog, der die phantastische nächtliche Atmosphäre um die Weiko-Sud-Klinik einfängt, wo etwas Unheimliches vorgeht, das jenseits aller bekannten Diätvorschläge und Jojo-Effekte liegt: „Die Nacht holt Atem und nimmt ungerührt Millionen von Existenzen zu sich, doch bereits während sie ausatmen, werden die neuen geboren. Hier am Rand der Außenanlage der Weiko-Sud-Klinik, wo sich der Baumbestand lichtet, sind die Geräusche fast verstummt. Nichts regt sich.“ Die Weiko-Sud-Klinik ist ein geheimnisvoller Gegenentwurf zur Welt der Selbstoptimierungs-Mythen, in der wir leben. Eine phantastische Welt wohliger Akzeptanz des Hungers in uns, der sich nicht mehr zu verstecken braucht. Die Sympathien allerdings, die diesem Entwurf von Leser:innen entgegen gebracht werden könnten, werden auf die Probe gestellt. Alles hat seinen Preis und jede (Lebens-)Lüge muss bezahlt werden; ein ganzes Lügen-Gebäude gar – wie die Weiko-Sud-Klinik – ist teuer erkauft mit der Vertuschung von Verbrechen und Maßnahmen, die man je nach Perspektive als Schmerztherapie oder Freiheitsberaubung betrachten könnte.

Die renommierte Adipositas-Behandlungsstätte ist die Fassade nach draußen für diese „innere Welt“. In die Weiko-Sud-Klinik wird nur aufgenommen, wer die horrenden Gebühren bezahlen kann. Die Behandlungsmethoden treiben den Terror gegenüber Fettsüchtigen, so scheint es zunächst, auf die Spitze: tägliche Demütigung beim öffentlichen Wiegen, dauernde Messung und Veröffentlichung der Körperfettwerte, Fitness-Trill . Alles wird aufgeboten, aber niemand nimmt dauerhaft ab. Die Patienten hoffen darauf, zum Direktor der Klinik vorgelassen zu werden, dem legendären Dr. Sago. Doch der nimmt nur Auserwählte zur Behandlung an, die von seiner Therapie zwar schwärmen, sich jedoch nie genauer darüber auslassen, wie sie funktioniert. In dieses perfektionierte System dringt mit dem neuen Chefarzt Dr. Ariel Tense ein Störfaktor ein. Tense will den Patienten ihr Fett „auspeitschen“. Seine gekonnte Gehirnwäsche zielt darauf, ihren Selbsthass zu vergrößern, bis sie dem Fett, das „sie reitet“, den erbitterten Kampf ansagen. Der böse Geist des Dr. Tense wird die Spannungen zwischen den Patienten zum Siedepunkt und die geheime Hinterwelt der Klinik in die Krise treiben.

Kiehl arbeitet mit Andeutungen und Cliff-Hangern. Es wird den Leser:innen gelegentlich versprochen, dass sich etwas „noch zeigen“ werde. Man sollte sich aber nicht zu sehr darauf verlassen. Was hier geschildert wird, wuchert ungeniert über die Genre-Grenzen (Liebesroman, Science Fiction, Thriller) hinaus, gerade so wie die Körper der Klinikbewohner über die schickliche Kontur. Ebba, die sich nichts zutraut und sich schämt für ihre Gier und ihre Fettpolster, ist zum Beispiel keineswegs „unbemannt“. Gleich zwei Männer haben Ebba draußen, jenseits der Klinikmauern begehrt: ihr Lebensgefährte wie auch ein reicher „Athlet“, der sogar die Kosten ihres Aufenthaltes übernimmt. Dass Ebba geliebt wird, löst ganz offensichtlich ihre Probleme nicht. So negiert „Fettberg“ ganz nebenbei nicht nur diese Lieblingslüge der Ratgeber- und Schmonzesliteratur, die Frauen weis machen will, Glück finde, wer auf dem Paarbildungsmarkt erfolgreich ist. Es wird vielmehr Ebbas neue Freundin Sophie („fett und hyperaktiv“), die die Marke „Huge!“ für Übergewichtige entwirft und so selbstbewusst mit ihren überzähligen Pfunden umzugehen scheint, zum Opfer werden. Auch diese Wendung aber ist nicht endgültig. Urs, der gescheiterte Werber, erweist sich als agiler und schöner als zu erwarten gewesen wäre. Dagegen fällt der junge Fudji, der seinen großen Traum nicht aufgeben will, ein erfolgreicher Sumo-Ringer zu werden, der „Herde“ anheim. Am Ende bleibt offen, wer sich befreien kann, ob es der Verlust der Pfunde und die Anpassung an die gängigen (Erfolgs-)Normen ist, die als Happy End gelten kann oder das Gleiten in eine (Schein-)Welt, wo diese Normen aufgehoben sind.

Dr. Tense verschwindet, ein abscheuliches Verbrechen bleibt nach außen ungesühnt, Ebba versinkt in einer anderen Welt und die Verantwortlichen wirken ein wenig bekümmert. Der Roman endet mit der Initiation Ebbas in „Sagos Welt“, „befreit von der Last dessen, was unerträglich ist?“ Doch wie vor den Anfang ein Prolog gestellt ist, ist hinter das Ende ein Epilog gesetzt. Wie Sie der geheimnisvolle Anfang in die Welt der Weiko-Sud-Klinik zieht, unangemeldet wie Sie sind, so werden Sie nun wieder nach draußen geschleudert. Urs und Sophie, verschlankt und erfolgsgehärtet, treffen sich zufällig in Paris. Ihr Gespräch kreist um das, was auf dem Fettberg geschehen ist und drückt sich doch darum, es auszusprechen. Vielleicht wird Urs zurückfahren, um Ebba „da raus zu holen“. Vielleicht.

„Fettberg“ ist ein Roman, der leichtfüßig daher kommt und sein Gewicht erst nach und nach in die Waagschale wirft. Es geht im Grunde um den Widerstand gegen Mäßigkeit und Leistungsdenken, gegen die ewige Beschränkung der Lust und der Gier im Namen der Vernunft. Kann glücklich werden, wer sich dem entzieht? Und was ist der Preis, den bezahlt, wer sich dem eigenen Hunger ausliefert?“

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Christa Schyboll via >>> Lovelybooks

„Dieses Buch hat nur einen einzigen Mangel: Es ist zu kurz. Ich merkte schon nach den ersten Seiten, wie ich heimlich nach der letzten Seitenzahl schielte und Sorge hatte, ich könnte es ach zu schnell ausgelesen haben. Bedauerlich! Aber so war es. Es war hinreißend toll geschrieben.
Zum Inhalt siehe andere Rezensionen. Aber von dieser Autorin möchte ich gern noch oft und viel lesen. Soviel ich weiß, war es ihr Debütroman.“

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