Wir alle hier haben diesen nucleus. Bei manchen sieht er aus wie eine Feuerstelle. Eine Praxis oder ein See. Ein Urwald. Andere haben Netze. Es gibt Paläste und Nester, Ashrams und private kleine Vorführräume; er kann jede denkbare Gestalt annehmen.
Es ist eine Kunst, solch einen nucleus zu bauen und zu füllen – man trifft harte Entscheidungen. Es darf nur einen geben und er muss eher kompakt sein als groß. Damit sich möglichst nur Essenzen dort verbinden. Selbst wenn diese erst dabei sind, welche zu werden. Wenn der nucleus zu stark anschwillt, wird er beliebig, füttert man ihn zu oft mit geliehenen Stoffen, wird er beliebig, überlässt man ihn allzu lang fremden Blicken, wird er ebenfalls beliebig: er braucht wirklich größte Aufmerksamkeit, um eigen zu sein.
Verdammt selten kommt es vor, dass sich diese Dinger einander nähern – so vieles muss stimmen oder auf die richtige Weise falsch sein. Wenn es aber geschieht, entsteht eine Konstellation. Da rückt etwas in die Nähe, das auf eine Weise vertraut genug ist, die Befangenheit zu nehmen und gleichzeitig fremd genug, eine Unruhe zu wecken. Sie, die Unruhe, ist das Gebot, nicht auf den eigenen Kissen einzupennen.
Das Geniale an solchen Konstellationen: sie vergewissern, ohne schlaff zu machen. Es ist mit ihnen wie mit dem Duft von frischem Brot, der durch ein offen stehendes Fenster herein zieht: er macht die Lust, er sagt, da draußen wird gebacken, ersetzt aber nicht den eigenen Ofen.
Manchmal braucht man ja einfache Bilder)
Soweit das, was sicherlich für uns alle gilt.
Lassen Sie mich einen dieser nuclei benennen, die für mich eine unwiderstehliche Anziehungskraft haben: Die Gleisbauarbeiten. Sie kennen Gleise und See: diese Orte sind keine geheimen mehr, könnte man denken. Für mich aber schon. Immer, wenn ich dort bin, habe ich diesen Eindruck einer nicht vergleichbaren Nähe.
Selbstverständlich ist das Projektion. Na und? Was anderes könnte es denn sein? Konstellationen entstehen durch Projektion; die ist erst einmal egozentrisch. Dann verwandelt sie sich. Manchmal.
Ich weise auf das Offensichtliche hin: das, was dort passiert, ist von hoher literarischer Qualität. In meinem Fall geht das oft so weit, dass es mich entwortet. Was schade ist, denn Melusine will ja andere nicht zum Verstummen bringen, nur weil sie eine feine Sprache am Leibe hat.
Das weniger offensichtliche, das, wofür man Zeit braucht drüben auf den Gleisen: wie dort alles Stoff wird. Wie sich Erlesenes und Erlebtes transformiert, wie Areale entstehen und all die unterschiedlichen Stimmen und Laute eine Gestalt bekommen. Fleisch werden. Das ist überzeugend, braucht aber seine Zeit; man muss da eine gewisse Hartnäckigkeit entwickeln. All die Spuren laden ein, ihnen zu folgen, verführen aber auch massiv dazu, eigene zu setzen. Denken Sie an das Brot.)
Wie sehr mich das anregt: Diese Struktur. Die Manifestationen. Ebenso wie das Verfahren: die Übersetzung von Innen nach Außen. Dort an den Gleisen unterwegs zu sein, schafft den seltsamsten Gegensatz zwischen intim und unpersönlich, der mir bisher im Netz begegnet ist. Danke dafür.
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