Dornen, verweht. Freitag, 24. Juni 2011

Während ich konzentriert schreibe, lese ich ungern anspruchsvolle Literatur nebenher: das wird schnell zu präsent und eindrucksvoll und lenkt mich ab. Schmöker sind mir in solchen Arbeitsphasen lieber. Ich hatte hier in K**** einen mit, den ich als Teenager schon mal verschlungen habe: The thorn birds / Die Dornenvögel. Das Buch ist offensichtlich schon durch viele Hände gegangen und eine Leserin hat vorne ein Foto hineingeklebt, das den Hauptdarsteller der gleichnamigen Fernsehserie zeigt. Ich weiß sogar, wer das war: meine Großmutter. Sie schwärmte für den stattlichen Priester ; )
Na, die Geschichte war fast ebenso erfolgreich und wuchtig wie das Vom Winde verweht – Ding; unnötig, sie hier wiederzugeben. Doch sie entführte mich nachts vor dem Einschlafen nach Australien. So sehr, dass ich im Traum manchmal selbst über die Koppeln ritt oder aus Meggies Kopf heraus der verklemmten Mutter meine Wut an den Kopf schleuderte. Von den Küssen des Priesters ganz zu schweigen! Und so sehr ich mich über mich selbst amüsiere und auch ein bißchen geniere beim Lesen: auf diese Abenteuerträume lass‘ ich nichts kommen. Ich würde Sie ja, geschätzte Leser:innen, gerne nach Ihrem Lieblingsschmöker fragen, befürchte aber, Sie sind zu kultiviert und lesen Pynchon zum Einschlafen.

So. Ich pack‘ mal meinen Kram zusammen.

48 Gedanken zu „Dornen, verweht. Freitag, 24. Juni 2011

    • Uff, welche Erleichterung, Katja, nu ist’s nicht mehr so schlümm!
      Das mit dem Originalversions-Alibi funktioniert, ja. Ich hab‘ auch alle Colette-Roman auf Französisch gelesen ; )

    • Ich habe diese Vampirromane verschlungen (vor Jahren, aber nicht so vielen, als dass das als Ausrede gelten würde) und zwar auf Deutsch. Ihnen muss also gar nix mehr peinlich sein, hab ich alles schon erledigt. 🙂

  1. ich glaube in der volltext gibt es so eine rubrik, die sich unwürdige lektüren, oder so ähnlich nennt. ich lese zum entspannen meinen kindern geschichten vor, z.zt. lesen wir michel aus lönneberga von astrid lindgren.

    • Liebe Weberin, ohne Astrid Lindgrens großartige Geschichten aus dem Mund meiner eigenen Mutter wäre ich ein anderer Mensch geworden.

      („Unwürdige Lektüren“? Schade, dass es den Namen schon gibt, wär‘ ne prima neue Rubrik für TT ; )

    • Noch nie von gehört, liebe Melusine, aber wenn’s ebenso Badewannen- wie Strandkorblektüre ist, wird sich das schnell ändern! (Nix mit Strandkorb in näherer Zukunft, muss erstmal wieder heim und sehen, ob die Bude noch steht ; )

  2. Apropos Pynchon: Sie wollten letzten Winter Pynchons ‚Gegen den Tag‘ lesen, so schrieben sie’s. Was ist daraus geworden? Nichts natürlich, was allein schon daran zu erkennen ist, daß sie glauben, man müsse zwingend und noch dazu ganztägig kultiviert sein, um Pynchon zum Einschlafen zu lesen. Und wenn Sie schon so fragen, ich lese ansonsten keine Schmöker (aber alte Krimis von Victor Gunn und Georges Simenon), ‚Gegen den Tag‘ war aber eine Ausnahme, die sich gelohnt hat. Sehr kurzweilig, die knapp 1600 Seiten gehen weg wie nix.

    • Wenn Sie wüssten, wie mich mein „zu lesen“-Stapel manchmal in den Wahnsinn treibt. Ich denk‘ manchmal, ich schaff‘ ihn ab und suche mir ein anderes Prinzip für meine Lektüreauswahl: sowas wie mit verbundenen Augen durch die Buchhandlung gehen und irgendwo drauf tippen…

    • Stapel sind ganz falsch, die machen nur Druck. Ich stell alle Bücher (außer wenn ich mit ihnen arbeite bzw. sie lese) ins Regal an die richtige Stelle, wo sie warten müssen, bis sie dran sind. Erst dann ist Stapellauf.

    • @Norbert W. Schlinkert Ah, aber – wo ist die? Alphabetisch, thematisch, oder konstruktiv chaotisch? Nach Verlagen? Titel oder Autor? Es soll auch Leute geben, die sortieren nach Farben (!)
      Da machen Sie schon gleich das nächste Fall auf mit Ihrer „richtigen Stelle“ im Bücherregal…

    • @Phyllis Also die Philosophie-, Fach- und Sachbücher habe ich alphabetisch nach dem Autor geordnet, so daß der unvermeidliche Adorno weit weg oben links steht, worauf dann die üblichen Verdächtigen folgen, Hegel, Horkheimer, Kant, Spinoza, Nikolaus von Kues, Novalis, um nur einige zu nennen. Allerdings hat sich hier auch Hölderlin eingenistet, der genau genommen nur teilweise in diese Ecke gehört, so wie Novalis (was soll ich machen?); die Sekundärliteratur, so vorhanden, steht direkt daneben, es sei denn, das Buch paßt wegen des Formats nicht in die zwischen den Kistentürmen befindlichen Regale – dann steht’s da wo’s paßt. Die belletristische Literatur ist ebenfalls alphabetisch aufgestellt (im linken und mittleren Kistenturm), ebenso die Reclam-Heftchen ganz oben in der Mitte bzw. links unter der Sachbuchabteilung, unterteilt in Antike und Nicht-Antike. Der Bereich Theaterwissenschaft von der Antike über Shakespeare bis zur Moderne und der Film haben eine eigene Ecke im rechten Kistenturm, eher nichtalphabetisch geordnet, was auch für die nicht in Reclam-Heftchen behandelte Antike gilt. Desweiteren findet sich ein Bereich, der das 18. und das 19. Jahrhundert teilweise abdeckt, nach Autoren aber nicht alphabetisch geordnet. Dazu kommen ebenfalls sich nicht am Alphabet orientierende Gesamtausgaben oder Gesammelte Werke von Autoren wie Joyce, Kafka, Goethe, Beckett, Achim von Arnim, Mörike, Keller, Robert Walser, Thomas Bernhard, Jean Paul, Nietzsche, Freud, Stifter und so weiter. Dazu finden sich dann noch alle verfügbaren Krimis von Victor Gunn und Georges Simenon, Kindlers Literatur Lexikon (die alte Ausgabe), eine Spezialecke mit autobiographischen Texten des 17., 18. (vor allem Karl Philipp Moritz) und 19. Jahrhunderts, oben auf haben wir die meisten aber nicht alle Reiseführer und die Kunstbildbände, sofern sich letztere nicht unten rechts neben den Comics befinden, die unten auf dem Boden unter dem Regal in Stehordnern unalphabetisch ihren Platz haben. Ich vergaß die Ecke mit Geschichtswerken hinter dem Sessel, wo sich auch noch einige Kunstbücher und Kinderbücher verstecken. Mit anderen Worten: es ist ganz leicht, ich finde jedes Buch in höchstens fünf Minuten, so daß ich jedwedes Buch, auch ein neu gekauftes, mit vollem Vertrauen in mein System an die richtige Stelle stellen kann. Probieren Sie’s mal aus, geht prima.

    • Sie haben’s doch wissen wollen! Zum Glück habe ich in meinem Leben immer mal wieder eine Menge Bücher verkauft, von denen ich wußte, daß ich sie weder noch einmal lesen noch mit ihnen arbeiten würde. Ich hasse Bibliotheken mit überflüssigen Büchern, denn die verstopfen nur die Lücken für die neuen.

      Stapeln Sie eigentlich alle Ihre Bücher oder nur die, die Sie noch lesen wollen?

    • Na na, stapeln ohne Regale, das war nur in meiner Studentinnenzeit – und auch nicht, weil ich mir keine hätte leisten können, sondern weil ich’s liebte, mit Büchern Skulpturen an der Wand hoch und entlang zu bauen. War e x t r e m unpraktisch, man konnte keines rausziehen ohne Gefahr zu laufen, dass das ganze Dink auf einen trauf fiel.
      Tat es dann auch. Mehrfach. Bin ja schwer belehrbar. Irgendwann aber bin ich dann auch zur vollregalierten Wand übergegangen. Sieht aber nicht mehr so gut aus wie vorher. Und was das System anbelangt: Alphabetisch, nach Autor:innen. Basta. Philosophie, Sekundärliteratur und Theorie sind da in der Minderheit: ich lese hauptsächlich Romane. Briefwechsel. Biographien. Und Tagebücher. Alles daneben fungiert bei mir eher wie fuel injections. Schnelle Einspritzer.

    • Mein Regal ist mitgewachsen und sieht schon allein deswegen gut aus, weil es nicht als ein Ganzes gekauft ist. Übrigens lese ich auch hauptsächlich Romane, das andere ist alles mehr oder weniger aus dem Studium und wird leider wegen Zeitmangels nur noch punktuell gebraucht, indem ich die Bücher aus dem Regal nehme und meist recht schnell die gesuchte Stelle finde, weil ich nämlich in den meisten Bücher mit Marker einiges angestrichen habe, verbunden mit Rotstiftnotizen. Das ist dann so eine Art Schlagwortregister. Diese Art des Festhaltens und Findens bewährt sich seit dreißig Jahren, auch bei Romanen, Kurzgeschichten, Biographien und so weiter und ist auch der Hauptgrund dafür, daß ich mir nur selten Bücher leihe. Viele finden es ja ungehörig, in Bücher hineinzuschreiben, ich finde es seltsam, es nicht zu tun, außer natürlich bei wertvollen Ausgaben, von denen ich aber nicht so wahnsinnig viel besitze. Wie kamen wir drauf? Ach ja, Sie wollten Pynchon lesen, irgendwann.

  3. Ich arbeite mich – immer in Phasen – durch 100 Bände Jules Verne. Und dauerte mich nicht der Platz, ich bestellte mir noch die 90+ Bände von Karl May … LG tinius

  4. Kann Ihnen nur den Wolpertinger von Herbst empfehlen. Die gebundene Ausgabe kriegen Sie
    gebraucht schon fürn Zehner. Gut, ein echtes Thema fehlt, das Buch ist ziemlich selbstbezüglich
    und dreht sich in weitgehend um sich selbst und (natürlich) den Autor. Aber für Ihre Zwecke,
    ja, ziemlich anspruchslos, lassen Sie sich mal nicht ent-, sondern verführen.

    • Liebe Edith88, bevor Sie Ihre Abneigung gegen ANH weiter hier auf TT kundtun, wär’s mir fast lieber, Sie hacken wieder auf mir rum, da hab‘ ich wenigstens was davon.
      Im Ernst. Ihr Spiel über Bande, das ja doch immer nur auf den anderen zielt, hat hier nix verloren. Kommen Sie. Geben Sie sich einen Ruck, Sie Lästermäulchen.

    • @Edith88. Ich empfehle Ihnen, Ingo Schulze zu lesen. Da haben Sie dann pro Buch mindestens ein Thema, das sogar Sie erfassen können. Inwieweit der Wolpertinger „selbstbezüglich“ sei, entzieht sich allerdings nun m e i n e m Fassungsvermögen. Beziehe sich, wollen Sie ausdrücken, das Buch allein auf sich selbst? Das wäre dann eine schlichtweg falsche Aussage. Beziehe sich das Buch – vielleicht wollen Sie d a s ausdrücken – mit Nachdruck auf mich? Auch das wäre eine falsche Aussage, da ich darin gar nicht vorkomme. Also was ist gemeint? Aber, bitte, es gibt >>>> einen Strang in Der Dschungel, und nicht ich hatte ihn eröffnet, der sich ausführlich mit diesem Roman beschäftigt, und wenn Sie, falls Sie ihn sogar gelesen und nicht nur irgendwo was abgekupfert haben sollten, weil’s Ihnen in Ihren Hämekram paßt – also wenn Sie ernstlich über den Wolpertinger diskutieren möchten, dann tun Sie das >>>> dort und nicht hier auf ganz anderem Feld. Die wenigsten hier werden wissen, wovon Sie überhaupt sprechen, so daß von Ihrer Aussage schließlich nichts als ein Gerücht übrigbleibt.
      Übrigens wurde das Buch mit dem Grimmelshausenpreis ausgezeichnet, weil, so die Begründung der Jury, es eine große Spanne der endenden alten Bundesrepublik abgebildet, thematisiert und sie in ein poetisches Zeitbild überführt habe. Wir sind uns beide darin sicher einig, daß ich allein dieses Zeitbild nicht sein kann – noch hätte ich das jemals swein wollen.

    • Im übrigen frage ich mich, was an „selbstbezüglich“ so verkehrt sein soll.
      Wie kann ein Buch überhaupt anders sein? Als bezogen auf die eigene, die des Verfassers nämlich, Wahrnehmung? Und stellt nicht jede Figur, so fremd sie auch scheinen mag, nicht immer ganz natürlich a u c h einen Bezug zur Verfasserin her? Komischer Vorwurf, Selbstbezüglichkeit. Man steht doch nicht außerhalb des eigenen Systems.

    • Déjà-vu Das hatte ich doch schon einmal gelesen:
      Ebenfalls herbsttypisch: Ein echtes Thema fehlt meines Erachtens, das Buch ist ziemlich selbstbezüglich und dreht sich in weiten Kreisen um sich selbst und den Autor. Trotzdem – ich mag es wirklich gern und werde es demnächst wohl auch noch ein drittes Mal lesen.
      (Amazon-Kritik zum Wolpertinger)

      Im Übrigen: Nehmen Sie doch das Lob und ignorieren Sie die kleinen Giftpfeile.

      (Ohne Selbst zu schreiben, da müsst man auch schon Buddha sein.)

    • Oh, das ist aber auch ein aufschlussreicher Text bei Ihnen drüben, liebe La-Mamma! Hm. Mal überlegen, was da an Kitschklassikern fehlt. Das meiste haben Ihre Kommentator:innen ja bereits ergänzt…

  5. ich oute mich mal, ich lese „deine heimlichen helfer“ von sonia choquette…in der hoffnung dass…..und als ich gerade in mein schlafzimmer ging, sah ich, dass mutter mir meine gebügelten blusen an mein kippfenster gehängt hat..sie gehört somit zu meinen irdischen helfern;-)))

    • @Shhhhh Wirklich? Ich glaube, das letzte, das ich von ihm gelesen habe, war Opus Pistorum, und danach trat erstmal ein gewisser Sättingungsgrad ein. Seinen Briefwechsel mit … hm, erinnere mich gerade nicht… las ich vor ein paar Jahren noch. Die gefielen mir.

  6. vor dem Einschlafen lese ich mit vergnuegen Raymond Chandler, im Original. Seine Weibchen sind zwar fast immer hilflos und huebsch, aber seine Prosa hat noir mit-definiert und ich schaetze Marlowe ausgesprochen.

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