Die Sprache der Anderen, 26

„Ich finde es gut, wenn du dich unsicher zeigst.“
„Wirklich? Du weißt, wohin das führt.“
„Nee, wohin denn?“
„Wenn ich zuviel frage, wirst du mich irgendwann nicht mehr für voll nehmen.“
„So ein Quatsch! Wie kommst du darauf, dass Fragen was mit Unsicherheit zu tun hat? Du zeigst, dass du neugierig bist, statt einfach einen Standpunkt zu markieren. Nur einen Punkt… wie ein Diskuswerfer ohne Diskus, der zufrieden damit ist, sich immer nur im Kreis zu drehen…“
„Aber du weißt, wo du mich findest. Ich muss klar für dich sein. Sonst begehrst du mich nicht.“
„Was soll das denn jetzt? Als ob es darum ginge!“
„Oh doch. Auch. Du und deine Harmoniesucht. Und wie du das Verirren in Kauf nimmst. Wie du, was du kannst und weißt immer wieder relativierst, fast zwanghaft. Stell’ dir einfach vor, ich würde das genauso machen. Würdest du dann noch mit mir ficken wollen mich dann noch begehren?“
„Das ist unfair! So wie du es darstellst, will wohl niemand so sein!“
„Lenk’ nicht ab! Würdest du?“

27 Gedanken zu „Die Sprache der Anderen, 26

  1. fragen in aller öffentlichkeit stellen aus meiner erfahrung heraus meist nur die „besten“ leute.
    ( das war vor allem in meiner schulzeit so & einmal von moderator:innen/ interviewer:innen o.ä. abgesehen)
    die etwas genügsameren ( aber auch ideologisch angepassten ) scheinen „nur“ lernen oder z.b. referieren oder sich gar nur durchsetzen zu wollen.

    ( mag sein, dass ich da gravierende vorurteile hab )

    ich persönlich finde soweit eher leute schwächelnd ( irgendwie komplexbeladen ), die keine fragen stellen.

    neugier und interesse sollte man sich so lange es möglich ist bewahren.
    naja.

    • p.s. weil ich leicht schon abdriftete – ich finde in meinem privaten umfeld eigentlich leute bedauerlicherweise dumm, arrogant und schwächelnd, die mir ohne fragen in themenbereichen begegnen, in denen ich mir irgendwie sicher bin, ein wenig mehr durchblick zu haben als jene.
      ( in privater, mündlicher und – meist dann – einer zweier-kommunikation lässt sich manches besser auseinandernehmen als im netz finde ich, wo ich eigentlich fast nur grobe allgemeinplatz-diskussionen ohne nennenswerte tiefgängerei kenne – gut, das kann auch des öfteren durchaus interessant sein, nix gegen netz-diskussionen )

      wenn mich allerdings jemand die banalsten sachen noch fragen muss, dann törnt mich das schon ab – also da kann ich dann auch nix mehr attraktiv finden ( trotzdem verlier ich da keinen grundrespekt )

      mannmannmann jetzt fang ich schon an den thread hier vollzutexten.
      hups, sorry.

    • Macht nix, sind eh fast alle draußen heute, wie es scheint ; )
      Was den fehlenden Tiefgang von Netz-Diskussionen angeht, da würde ich widersprechen: es gibt so einige Weblogs, unter anderem dieses hier, wo manchmal sehr ernst gemeinte Gespräche geführt werden. Mich beschäftigen manche Fragen und Aussagen von Gästen auch noch Tage später, ich trage sie auch in mein offline-Leben, und da bin ich gewiss nicht die Einzige..

    • @lobster Ja, ganz richtig, Fragen müssen sein. (Ich frage mich im Augenblick zum Beispiel jetzt in aller Öffentlichkeit, warum ich dies hier schreibe, statt weiter zu arbeiten.) Ich denke auch, wer Fragen stellt, ist den Antworten näher als die, die alles nur als gutabgehangenes Wissen aus toten Medien ziehen. Faktenwissen ist zwar quizshowgeeignet und auch besonders bei Männern anzutreffen, immer aber auch ein wenig leblos, weil es nicht im Dialog, Trialog, Quattrolog und so weiter entstanden ist, es also keine Möglichkeit gab, aus Fehlern und Mißverständnissen zu lernen. Faktenwissern sollte man übrigens immer die Frage stellen, was diese Fakten denn bedeuten – nicht selten erntet man einen bösen Blick oder die Antwort, das sei eben so und stünde dort und dort. (Und jetzt, keine Frage, zurück an die Arbeit!)

    • @phyllis ja gut so sehe ich das schon auch – manchmal kommentieren in threads leute erstaunliche sachen, die überdenkenswert sind ( für mich vor allem wenn es in philosophische bereiche reingeht ), klar, sonst wäre ich auch nicht interessehalber dabei – nö, ich dachte an diskussionen wo geschmack gegen geschmack steht und dann vielleicht von ästhetik im allgemeinen ( DER ästhetik ) geredet wird oder so ( so etwas finde ich grundsätzlich albern, weil sich über geschmack halt nicht streiten lässt )

      ( & @ nws / missverständnisse, die sich z.b. aus divergierenden terminologischen konnationsfeldern heraus ergeben können – also ich werde in nächster zeit mal versuchen meinen persönlichen bewusstseinsbegriff zu fassen – bilde mir ein, weil ich da mittlerweile etwas draussen bin, dass es alleine zum wort selbstbewusstsein verschiedene beschreibungs- oder darstellungsformen gibt – naja, muss jetzt kochen, bekomm gleich besuch )

    • @lobster Natürlich sind Worte nicht eindeutig, deswegen macht man ja weitere Worte um sie, um sich zu verständigen. Sonst würde es ja reichen, wenn man sich nur Rumpfsätze zugrunzen würde. Von Ästhetik im allgemeinen läßt sich tatsächlich schlecht reden, wenn damit Geschmack und Neigung gemeint ist. Ästhetik im besonderen ist aber schon der Rede wert, finde ich, da ich zum Beispiel so gut wie alles im Leben auch ästhetisch beurteile, und zwar umfänglich. Meine theoretischen Kenntnisse der Materie (durchs Studium) stören mich dabei übrigens überhaupt nicht, das spielt keine Rolle. Hinter die Kulissen zu schauen muß also nicht automatisch den Zauber kaputtmachen. Also neugierig bleiben, Leute, und nun zurück!!! an die Arbeit. Manno!

  2. Eine listige Ölspur ist das. Rutschig. Sehr, sehr rutschig.
    Meine Frage: Wer spricht die letzte Frage?
    Ich kann mich nicht entscheiden.

  3. „Oh doch. Auch. Du und deine Harmoniesucht. Und wie du das Verirren in Kauf nimmst. Wie du, was du kannst und weißt immer wieder relativierst, fast zwanghaft. Stell’ dir einfach vor, ich würde das genauso machen. Würdest du mich dann noch begehren?“

    die antwort müsste lauten, nein, aber du mich und genau aus dem grund, weil ich es anders mache als du.

    this is my oracle day, yes.

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