Danglin‘ in between. Sonntag, 19. Juni 2011

Letzte Woche in K****. Roman soweit fertig für’s Lektorat. Hätte mich nicht schon das Schreiben alle Fingernägel gekostet, spätestens ab dem Moment der Abgabe wären sie eh fällig gewesen. Ein Kapitel, eine Sex-Szene, schreibe ich noch. Doch für die, zumindest für die erste Fassung, muss ich mich, glaub‘ ich, betrinken, das schieb‘ ich schon die ganze Zeit vor mir her.
Schwer, sowas zu schreiben; da ist immer so viel Projektion dabei. Im Tun. Aber eben auch im Schreiben. Da fällt mir ein, was Tusker vor ein paar Tagen am Telefon sagte: „Es dauert eine ganze Weile, bis du dich durch all diese Filme durchgevögelt hast und in deinem eigenen Körper ankommst.“
Vielleicht setze ich mir laute Musik auf die Ohren; so hab‘ ich mein erstes Buch „Schummer“ geschrieben. Komisch, die Hälfte meiner Gehirnleistung besteht auch heute noch darin, mir immer wieder Bedingungen zu überlegen, die mich in einen Zustand versetzen, in dem ich gut denken und imaginieren kann. Strukturen. Rituale. Settings. Manche sind über lange Zeit einsetzbar, manche sind zwanghaft und befremdlich, andere verlieren ihre Wirksamkeit und müssen ersetzt werden. Am stabilsten sind die, die ich für Seminararbeit und das redaktionelle Schreiben für die Stiftung angelegt habe, am anfälligsten jene, die freies künstlerisches Arbeiten betreffen. Wenn der Impostor da nur einmal schlechtgelaunt auf die Pauke haut, zerschallt das gesamte Setting.
Das ist Leiden auf hohem Niveau, ich weiß, so läuft das eben.

Na, ich geh‘ jetzt mal die Szene vorbereiten. Die Aufstellung zumindest werd‘ ich auch nüchtern hinkriegen ; )

Schönen Sonntag, allerseits!

Leise tuckernd,
TT

p.s. Drüben an den Gleisen gibt’s was zu >> unterschreiben. Morgen ist Weltflüchtlingstag.

3 Gedanken zu „Danglin‘ in between. Sonntag, 19. Juni 2011

  1. Wenn’s um Streik geht, dann purzeln die Kommentare wohl nur so bäumlings rein, während ein Text über literarisches Tun nur eine mehr oder weniger runde Null ergibt? Und dabei geht’s um Sex, da waren doch sonst fast alle immer so eifrig dabei! Ich persönlich finde ja, Sex und Gewalt haben in Romanen (und auch in den meisten Filmen) nichts zu suchen, denn das muß ja im Kopf des Leser respektive der Leserin nur ausgelöst werden, da reicht schon der Hauch einer Andeutung, und schon tut sich was im Raum zwischen Text und Auge. Am besten ist, wenn Extremes garnicht erst explizit beschrieben wird, dennoch aber nicht fehlt. Bei dem Film ‚Romance XXX‘ von Catherine Breillat hatte ich etwa sofort den Eindruck, daß der Film ohne die expliziten Szenen ebenso gut wäre – Ausnahme ist nur die Traumsequenz, die ist unverzichtbar. Was will ich so verspätet damit sagen? Weniger kann mehr sein? So ungefähr. Außerdem macht Ihnen das Saufen doch einen Kater, oder habe Sie inzwischen trainiert?

    • @Norbert W. Schlinkert Die Leser:innen TT sind unberechenbar – ich weiß nie, worauf sie reagieren, und das ist auch in Ordnung, sonst käme ich womöglich noch in Gefahr, mich klammheimlich auf Lesergunst ausrichten zu wollen ; )
      Sie haben in vielen Fällen recht mit dem expliziten, klar, wir kennen das alle, wenn da nicht genug Platz gelassen wird für die Phantasie. Nun ist „Fettberg“ aber eh eine ziemlich merkwürdig saftige Geschichte, es geht um das Fleisch und wie sich’s darin wohnt und unter welchen Bedingungen, und da wäre es knickerig, den Sex außen vor zu lassen, oder die Gewalt. Also sind sie beide drin. (Aber keine Sorge, nicht als Zoom ; )

    • Klar, ich hatte den saftigen Titel außer 8 gelassen, der hört sich ja schon nach so richtig wollüstigem Sex an 😉 Ich habe da auch so eine Geschichte, wo all dies drin ist, und wenn’s so sein muß, musses so sein. Ich bin ziemlich gespannt auf Ihre saftige Geschichte, jetzt erst recht!

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