TTag, Donnerstag, 14. Oktober 2010. Oje,

hab’ die Quartalsbuchhaltung vergessen, die müsste längst beim Steuerberater sein. D e n Kram nehm’ ich nicht mit nach K****! Also irrwitzig schnell jetzt, bevor der Flieger geht, das Ding noch erledigen. Mist Mist Mist schieben Sie mich ein bißchen an
ich
werd’ sonst nicht fertig und der
HechtSPRUNG ist meines Rückens Sache nicht
los jetz, Quasselstrippe!!!!!

Hat jemand ein Privatjet, zufällig?

14:23
So. Unterwegs, wenn auch noch nicht in der Luft. Ah, Luft!! Zuviel heavy jelly in letzter Zeit.

TTag, Mittwoch, 14. Oktober 2010. Vorabreisetag.

Morgen dann. Will mal wieder anonym sein, nach all dem Gläserklirren der letzten Zeit. Nichts leichter als das in K****. Bin gespannt, ja fast unruhig, ob L. sich blicken lassen wird – oder ob die seit ihrem letzten Brief vergangene Zeit ihr die Sprache zerschlagen hat. Dreieinhalb Monate ist das her, ich schaue sie an, ein Tausendfüßler auf meiner Handfläche, der das Weite sucht. Werden wir eigentlich wirklich älter?

TTag, Dienstag, 12. Oktober 2010. menno & ätsch.

>>> Diese, Melusines, Beobachtung stimmt mich miss. Weil sie so verdammt leicht zu belegen ist. Die freiwillige Selbstbeschränkung findet zuverlässig statt im Krabbenkorb. Ich würd’ ja eher Krabbelkorb sagen. Mängelberichte und Beschwichtigungsreflexe.
Menno, ich kann das nicht. Doch, kannst Du. Nein. Erst, wenn ich abgenommen, mich nachgebildet habe, erst, wenn das Kind mich nicht mehr so braucht und ich mehr an mich glaube. Zum Aufjaulen. Wenn’s denn dabei bleibt.
„Ich bin klug, ich nehme mir das“ wäre der Griff über den Korbrand. Und dieses unsichtbare „trotzdem“ hängt da immer noch hinten am Satz: „Ich nehme es mir — trotzdem.“
In einer mit Männern besetzten Runde wäre da hinten an der Stelle, wo es unsichtbar wird, immer das andere Wort: „Ich bin klüger als Du – und indem ich mir das nehme, bekommst Du es nicht — ätsch.“
Jene, mit denen ich zusammenarbeite, (und ich arbeite fast ausschließlich mit Frauen) legen indes viel Wert darauf, sich gegenseitig zu stärken, ohne sich mit Zuckerwatte einzunebeln; sie blenden ihre vermeintlichen Schwächen dabei aber nicht aus. Es gibt immer ein „Menno“ – ein Handikap, viele Handikaps, gegen die es anzustürmen und anzuschleichen gilt.

Die benennen und überwinden zu können, macht Frauen anderen Frauen gegenüber interessant. Doch sie können – meine Beobachtung – ihre Erfolge am besten genießen, wenn die anderen mitwachsen. Man will nicht allein sein da oben, will den Preis nicht bis zur Neige zahlen, hofft, es gehe auch ohne harte Bandagen: Wettbewerb ist weniger treibendes Motiv und schafft weniger Genugtuung als in Männerrunden. Ein Freund von mir, der eine Führungsposition in einem Institut innehat, berichtet, er treffe dieses speziell weibliche Muster auch in seinem Kontext an: sie zauderten. Fast alle.
Frauen wollen nicht an die Macht. Ist ihnen zu ungemütlich. Also reden sie sich den zweiten und dritten Platz schön.
Wenn sie’s doch wollen, und es gelingt – zweite Behauptung – verhalten sie sich als Alphafrauen genauso wie Männer in vergleichbaren Positionen.
Ätsch.
Ich könnte jetzt anfangen, die Typen, mit denen Melusine die männliche Seite verunspottet, mal für die weibliche zu definieren. Nur, dass Spott nicht unbedingt eines meiner Instrumente ist. Ich bedaure das gelegentlich: mein Mit-gefühl nervt mich. Vielleicht sollte ich mal ein Antimitgefühlseminar belegen und aufhören, liebevoll über die mich umgebenden Schneckenhäuser zu streicheln. Oder auf jedes ein Ausrufezeichen sprühen, für den Anfang.

TTag, Montag, 11. Oktober 2010. Eigentlich ganz einfach.

“Wir sollten leben, um glücklich zu sein und Freundschaften zu schließen” sagte ein Freund gestern, “klar, eine gewisse wirtschaftliche Sicherheit ist angenehm, aber niemand zwingt uns, die Mörderkarriere zu machen. Hielten wir es aus, wenn wir bekannter würden? Mehr unter Erwartungsdruck und Zugzwang gerieten, als wir ihn schon selbst erzeugen? Wozu der ganze Druck? Wir haben das Recht, uns zu schützen. Wir haben auch das Recht, unauffällig zu bleiben.”

23:57
Wollte kurz vor Mitternacht doch zumindest noch schnell ein eigenes Wort hinzugefügt haben:

EigenesWort.

Calling my voices

Die inneren Stimmen visualisieren: Eine von ihnen sieht ungefähr so aus. Keine von den guten. Deswegen bin ich so still momentan.

16:50
Geh’ mal ne Runde spazifizieren.

00:14
Morgen mach’ ich Streusel ohne Kuchen und esse sie roh ; )
Nacht, allerseits.

TTag, Samstag, 9. Oktober 2010.

Kommunikation wird überschätzt.

P.

12:30
Hektische Zeit gerade. Ich hab keine Ahnung, wie andere Leute das machen. Er habe gestern von Nachmittags um fünf bis Nachts um fünf durchgeredet, erzählte mir eben ein Freund. Ich selbst bin nach drei Stunden irgendwas am Stück meistens bedient: egal, was es ist.
Ab in die Sonne.
Einen schönen Tag Ihnen, liebe Leser:innen : )

TTag, Freitag, 8. Oktober 2010. Buchmesse.

“Ja, bis später!”
Rrrring … haben Sie schon mit X? Nein. Sollten Sie aber. Er ist mit Z am Stand Y, kommen Sie doch mal rum. Mach’ ich. Tschuldigung, ich hab’ Ihren Namen… – Bitte?
Ja, sicher. Nehmen Sie nur.
Nein, nein, ich zahle!
Sagen Sie das nicht, sonst geh’ ich drauf ein. Wie war noch gleich Ihr Name?
Ich hab’ keinen.
Na, wenn das so ist, nehmen Sie gleich zwei!
Grappa?
Ja.
Weiter.
Rrrring: wo treffen? Viertel nach an der Bücherinsel. Gut gut. Moment mal eben, stop, keine Tragetasche! Hasse die Dinger.
Wer liest? D e r? Und wenn schon. Bis gleich.
Ich versteh’ nix, Sie etwa? Mikro kaputt? Nee, lassen Sie nur, hört eh keiner zu. Buchmesse halt. Hier meine Karte. Warten Sie, das muss ein Fehldruck sein, auf Ihrer steht kein …
Ich hab’ keinen.
Wie. Kein Name?
Nein.
Das ist ja mal interessant. Wollen Sie nicht, kleines Interview, wir machen’s gleich hier. Jemand ohne fehlt uns noch.
Ach, ein andermal, danke. Bin in Eile.
Rrrring.
„Hallo?“