TTag, Freitag, 8. Oktober 2010. Buchmesse.

„Ja, bis später!“
Rrrring … haben Sie schon mit X? Nein. Sollten Sie aber. Er ist mit Z am Stand Y, kommen Sie doch mal rum. Mach’ ich. Tschuldigung, ich hab‘ Ihren Namen… – Bitte?
Ja, sicher. Nehmen Sie nur.
Nein, nein, ich zahle!
Sagen Sie das nicht, sonst geh’ ich drauf ein. Wie war noch gleich Ihr Name?
Ich hab’ keinen.
Na, wenn das so ist, nehmen Sie gleich zwei!
Grappa?
Ja.
Weiter.
Rrrring: wo treffen? Viertel nach an der Bücherinsel. Gut gut. Moment mal eben, stop, keine Tragetasche! Hasse die Dinger.
Wer liest? D e r? Und wenn schon. Bis gleich.
Ich versteh’ nix, Sie etwa? Mikro kaputt? Nee, lassen Sie nur, hört eh keiner zu. Buchmesse halt. Hier meine Karte. Warten Sie, das muss ein Fehldruck sein, auf Ihrer steht kein …
Ich hab‘ keinen.
Wie. Kein Name?
Nein.
Das ist ja mal interessant. Wollen Sie nicht, kleines Interview, wir machen’s gleich hier. Jemand ohne fehlt uns noch.
Ach, ein andermal, danke. Bin in Eile.
Rrrring.
„Hallo?“

2 Gedanken zu „TTag, Freitag, 8. Oktober 2010. Buchmesse.

  1. Schön, dass Sie ihr gestriges Schweigen gebrochen haben :). Ihr Autor ohne Namen erinnert mich an die Geschichte des Odysseus und dem Zyklopen, die Paulo Coelho in ‚der Zahir‘ wiefolgt beschrieben hat: „Vor vielen Jahrhunderten beschrieb ein Dichter die lange Reise eines Mannes, Odysseus, zurück zu einer Insel namens Ithaka, wo seine Liebste ihn erwartet. Er überwindet viele Gefahren, Stürme, erliegt nicht der Verführung durch die Bequemlichkeit. Auf dieser Reise trifft er in einer Höhle ein Ungeheuer mit nur einem Auge. Das Ungeheuer fragt ihn nach seinen Namen. >Niemand<, gibt Odysseus zur Antwort. Sie kämpfen und es gelingt Odysseus, das einzige Auge des Ungeheurs mit dem Schwert zu durchbohren, und er verschließt die Höhle mit einem Felsbrocken. Als die Gefährten des Ungeheuers dessen Schreie hören, eilen sie ihm sofort zu Hilfe. Sie bemerken den Felsbrocken vor dem Eingang und fragen, wer bei ihm sei. >Niemand ! Niemand!< klagte das Ungeheuer. Da für sie alle keine Gefahr mehr besteht, gehen die Gefährten wieder weg, und Odysseus kann seinen Weg zu der Frau, die ihn erwartet, fortsetzen.“
    „Dein Name ist also Odysseus?“
    „Mein Name ist Niemand!“

    Könnten Sie aus ähnlichen Gründen auf einen Namen verzichten?

    Beste Grüße

    • Ich schwieg gestern, weil das gewöhnlich der Effekt ist, wenn ich unter vielen Sprechenden bin. Nicht sofort, aber ziemlich schnell. Ich ‚kann‘ Buchmesse eigentlich nur in Gesellschaft eloquenter Leute, die meinen Anteil mitsprechen. Was nicht allzu schwer ist – ich kenne eine Menge redefreudiger Menschen ; )

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