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TTag, Sonntag, 19. Dezember 2010. Eingeschneigt.
Fräulein Talents hat auch ein Gespür für Schnee.
*snilp*
Gewebeprobe: was die Hyäne sagt.
Man wird erfahrener, gewiss, und entwickelt diesen Vorbehalt gegenüber Verschwendung, besonders jener von Zeit, die Penetration der Welt wird methodisch, sollen doch die Jüngeren sich im Improvisieren verhaken: man wird geschmeidig. Frauen tun’s mit Planeten, nicht mit Körpern und sie fürchten die Fülle nicht so, das Ausufernde. Behaupte ich. Es gibt viele von uns hier oben; wir haben sie gemacht, die Schicht. Bevölkert. Verkörpert. Eine dünne Glasur über der ganzen Hitze, die wir indes ständig unterhöhlen, denken Sie an die Milliarden Kaninchen, Maulwürfe und Mulle, von unseren eigenen Schächten ganz zu schweigen.
Nein, bitte nicht schweigen.
Ich mag Frauen schmal, zickig und unterkühlt, sagt Pierre, nun, das sind drei Eigenschaften, die mir gänzlich abgehen. Ich war inwendig schon immer zarter als die, als die ich erscheine, doch das zählt nicht, Männer sind Augentiere, Frauen Gebirgszüge, zeitlos, unten heiß und gebunden, oben voller Witterung, stürmend. Sie sind d a, Männer nicht so, die sind gern zugange.
Ich weiß kaum, wovon ich schreibe, nur, meine erworbenen Fertigkeiten sind mir längst lästig, was, wenn man sie unterliefe. Was, wenn man spröde wäre. Nichts erklärte. Nichts abschliffe.
Schichten. Ich verwende Sandpapier, auch den Rasierapparat, um meine Winterlippen abzuschleifen, wenn die Kälte sie allzu blättrig macht, danach eine Schicht Creme, dass sie sich nicht entzünden, am nächsten Tag sind sie wie neu. Fleisch wächst nach. Wir haben der Schichtenbildung nichts entgegenzusetzen, weder der substanziellen noch der immateriellen, im Grunde sind wir Schichtmaterial, nichts anderes, wir verfüttern unser Fleisch an die Zeit; sie ist eine Hyäne, sie frisst nur das, was bereits abgestorben ist, nur: sie spürt es früher auf, als wir selbst uns dessen vergegenwärtigen.
Ah, Genitiv. Den mochte ich schon immer.
Du wirst dich eher von mir abkehren, als ich mich dir zuwenden kann, denke ich oft, wenn ich in einen Mann blicke. Erfahrungsgemäß ist es dann umgekehrt, ich bin es, die sich abwendet: ich bevorzuge Männer, die mich nicht brauchen, Steinschläge an meinen Hängen, klacklac, claclac, cla c la c. k.
Die Sprödigkeit. Ich bin des Gewussten überdrüssig, der Schmierfette, der fertigen Packungen. Menschen als gesellschaftliches convenience food, schnell im Regal auffindbar, ein kurzes Aufblitzen von aha und Geschmack und Wohlbefinden, bevor die Verdauung einsetzt. Welcome to the gutter. Man könnte auch unverpackt, vielleicht sollten wir gelegentlich ein paar Steine fressen: convenience wird überschätzt. Die Hyäne hat das Maul voll und kann nicht sprechen, doch ich weiß, was sie sagt, und Sie wissen es auch.
TTag, Freitag, 17. Dezember 2010. Zwischen standby und Extremrotation
TTag, Mittwoch, 15. Dezember 2010. La vie en rose.
Man könnte auch schweigen. Zumindest so lange, bis man wichtigeres als den Ärger über redundante nächtliche Kommentarketten zu vermelden hat. Meine Haut spinnt auch seit ein paar Tagen wieder, hochallergisch, die Tönung meines Gesichts geht weit über eine gesunde Rosafärbung hinaus, ich seh’ aus wie ein gekochter Hummer… egal, bin eh unsichtbar zur Zeit. Erinnere mich, wie ein Hautarzt einmal zu mir sagte, als Neurodermitikerin reagieren Sie auf positiven wie negativen Stress gleichermaßen mit Schüben, gewöhnen Sie sich lieber dran. Ich hab ihn natürlich sofort gewechselt, den Arzt, aber nicht wegen der Aussage – die stimmt – sondern weil er meinte, mir Resignation dazu liefern zu müssen. Die lass’ ich nicht zu.
Sitze im Atelier, hab eine Internetradiofrequenz gefunden, auf der nur Barock läuft, damit bin ich groß geworden, in meinem Elternhaus gab’s Vivaldi, Händel und Bach zum Frühstück, das hat mich als Kind beruhigt und tut es noch.
Flöööt
Verehrte Leser:innen, der Stift ruft : )
Bis später.
13:48
Läuft besser heute mit dem Zeichnen. Muss an der Krähe liegen, die seit einer Stunde auf dem Baugerüst vor meinem Atelierfenster sitzt. Hm. Die kuckt so, als wüsste sie was.
TTag, Dienstag, 14. Dezember 2010. Transformation:
Na sonichts…
Na sowas!
(Ateliertag. Weitermachen.)
20:26
Manchmal ist das Atelier wie ein Straflager: man kloppt Steine, zerkleinert sie, schichtet sie artig auf einen Haufen, kloppt weiter, schichtet weiter, schleppt sich den Rücken krumm, kloppt, schichtet, und am Ende des Tages: ein Haufen Steine. Keine Magie. Kein einziger, verfluchter magischer Strich. “Mach dich nicht verrückt”, sagt Tusker am Telefon, “skribbel einfach weiter, das kommt schon wieder, du darfst dich nicht zu sehr unter Druck setzen.”
Ich setz’ mich doch gar nicht unter Druck, ich doch nicht, ich hab nur Blasen von der Spitzhacke.
Grrr.
Erstmal ‘n Steak braten.
00:06
Und ein Trankopfer an meine Muse (meinen Muser???) kann auch nicht schaden.
Nachtrag, 15. Dezember
Da ich keine Zeit habe (haben will), den Wust an unverständlichen Kommentare zu löschen, der sich unter diesem Beitrag während der Nacht versammelt hat, hab’ ich eben die Kommentarfunktion ausgeschaltet. Jene, die dabei unverdient mit im Off gelandet sind, werden’s mir nachsehen, hoff’ ich!
TTag, Montag, 13. Dezember 2010. All we ever wanted
heißt die neue Zeichnung. Deren erste Version ich eben zerrissen habe.
Grrr.
Mit Tippen ist nix heute, ich geh’ wieder stiften.
Herzliche Grüße,
Die Hand
TTag, Sonntag, 12. Dezember 2010. Die Gongs. Wie man sich ins beste Licht stellt, II
Fast lästiger als Jammerer sind diese Figuren, die immer in einer Wolke aus Goldstaub wandeln. Ich spreche nicht von Angebern – die kann man schnell angrinsen oder abhaken oder im Liegen auf sie herabsehen – ich spreche von richtig aufregenden Leuten, die einfach nicht mehr aufhören können, toll zu sein. Als Gegenreaktion auf die ganzen Unbilden, denen sie sich ausgesetzt fühlen, haben sie sich zu lebenden Schallkörpern entwickelt.
Ich nenne sie Gongs. Mich machen die fuschig. Sie sind immer in den irrsten Projekten, treffen die geheimsten Leute, schieben die wichtigsten Sachen an und haben immer genau die Begriffe auf Lager, die man selbst verwenden würde, wenn man (damn it!) etwas schlagfertiger wäre. Das Schlimmste ist, man fühlt sich wie der letzte Provinzler, wenn man die Brisanz dessen, was sie einem servieren, nicht wahrhaben will. Noch irritierender ist, ich versteh’ so verdammt gut, wo das herkommt mit dem Dauergeläut. Wenn Dich kein Anderer mit Gold anstreicht, musst Du’s eben selbst tun. Funktioniert auch, ich kann das aus eigener Erfahrung bestätigen. (Du musst mit Deinen Pfunden wuchern, hat schon mein Vater immer behauptet. Hat geklappt, Papa! Wenn’s auch manchmal die leiblichen sind)
Die Gongs jedenfalls stecken ständig Reviere ab. Die vergolden sie dann, und wehe, man will da nicht mit rein, dann hat man die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Die Zäpfchen der Zeit. Dafür halte ich meinen Arsch nicht hin, geschätzte Leser:innen! (Darf man “Arsch” eigentlich noch legal hinschreiben?)
Sorry, allerseits, bin gereizt. Ab morgen geht’s ins Atelier, eigene Zäpfchen machen.
TTag, Samstag, 11. Dezember 2010. Wie man sich ins beste Licht stellt, Teil I
Die Sache mit dem mehr Sein als Schein haben wir ganz gut verinnerlicht inzwischen, nicht wahr? Im Kreis meiner Freunde befindet sich kein einziger Jammerer mehr. Nicht, dass keine Gründe da wären: wir leben allesamt relativ prekär, wirtschaftlich betrachtet. Ich meine, nicht so, dass es bei uns jeden Tag nur Ja-Toast und Schmelzkäse gäbe, doch es gibt die Phasen der Vakuumverpackungen, und die sind nicht so super – Wachspapiere sind besser.
Egal. Mit Krankheiten und Verletzungen dengeln wir auch rum, manche von uns sogar heftig. Einige verticken gelegentlich ihren Hausstand bei ebay, und zwar nicht, weil sie ihren Kram satt haben, sondern weil sie nicht satt sind. Na ja. Wir haben die frischesten Gesichter und die zärtlichsten Gesten.
Wir bilden wunderbare Paare. Im Ernst. Und wenn wir am Stock gehen müssen, wollen wir mal mindestens so gut dabei aussehen wie Charlie Chaplin. Wir mögen unsere Galeristen, auch wenn die nichts verkaufen, obwohl sie mit ihren Kunden so brav Champagner getrunken haben und Ski gefahren sind, und unsere Katzen stehen gut im Fleisch.
TTag, Freitag, 10. Dezember 2010. (…)
Mogelpackung heute, nichts hinterm Türchen.
