TTag, Samstag, 11. Dezember 2010. Wie man sich ins beste Licht stellt, Teil I

Die Sache mit dem mehr Sein als Schein haben wir ganz gut verinnerlicht inzwischen, nicht wahr? Im Kreis meiner Freunde befindet sich kein einziger Jammerer mehr. Nicht, dass keine Gründe da wären: wir leben allesamt relativ prekär, wirtschaftlich betrachtet. Ich meine, nicht so, dass es bei uns jeden Tag nur Ja-Toast und Schmelzkäse gäbe, doch es gibt die Phasen der Vakuumverpackungen, und die sind nicht so super – Wachspapiere sind besser.
Egal. Mit Krankheiten und Verletzungen dengeln wir auch rum, manche von uns sogar heftig. Einige verticken gelegentlich ihren Hausstand bei ebay, und zwar nicht, weil sie ihren Kram satt haben, sondern weil sie nicht satt sind. Na ja. Wir haben die frischesten Gesichter und die zärtlichsten Gesten.
Wir bilden wunderbare Paare. Im Ernst. Und wenn wir am Stock gehen müssen, wollen wir mal mindestens so gut dabei aussehen wie Charlie Chaplin. Wir mögen unsere Galeristen, auch wenn die nichts verkaufen, obwohl sie mit ihren Kunden so brav Champagner getrunken haben und Ski gefahren sind, und unsere Katzen stehen gut im Fleisch.

10 Gedanken zu „TTag, Samstag, 11. Dezember 2010. Wie man sich ins beste Licht stellt, Teil I

  1. Was mich in dem Metier wirklich nervt, ist so eine seltsame Verbrüderungsgeste der selbstverständlichen Selbstausbeutung, nach dem Motto, wir machen das ja alles nicht für Geld, dabei dachte ich immer, ich mach das alles auch nicht, um auf Teufel komm raus dabei arm zu bleiben, das war nun wirklich auch nicht mein erstes Ziel dabei. Genaugenommen hab ich mir das gar nicht wirklich gut überlegt, ich hab einfach gemacht, wonach mir war, und das, sagt man mir heute, sei eben nicht mit Geld zu bezahlen, ich sag dann, stimmt schon, aber ich nähms trotzdem. Die Geste des von unten auf Champagnergläser herabschauens, die würd ich mir auch lieber sparen können, janz ehrlüsch.

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