TTag, Sonntag, 12. Dezember 2010. Die Gongs. Wie man sich ins beste Licht stellt, II

Fast lästiger als Jammerer sind diese Figuren, die immer in einer Wolke aus Goldstaub wandeln. Ich spreche nicht von Angebern – die kann man schnell angrinsen oder abhaken oder im Liegen auf sie herabsehen – ich spreche von richtig aufregenden Leuten, die einfach nicht mehr aufhören können, toll zu sein. Als Gegenreaktion auf die ganzen Unbilden, denen sie sich ausgesetzt fühlen, haben sie sich zu lebenden Schallkörpern entwickelt.
Ich nenne sie Gongs. Mich machen die fuschig. Sie sind immer in den irrsten Projekten, treffen die geheimsten Leute, schieben die wichtigsten Sachen an und haben immer genau die Begriffe auf Lager, die man selbst verwenden würde, wenn man (damn it!) etwas schlagfertiger wäre. Das Schlimmste ist, man fühlt sich wie der letzte Provinzler, wenn man die Brisanz dessen, was sie einem servieren, nicht wahrhaben will. Noch irritierender ist, ich versteh’ so verdammt gut, wo das herkommt mit dem Dauergeläut. Wenn Dich kein Anderer mit Gold anstreicht, musst Du’s eben selbst tun. Funktioniert auch, ich kann das aus eigener Erfahrung bestätigen. (Du musst mit Deinen Pfunden wuchern, hat schon mein Vater immer behauptet. Hat geklappt, Papa! Wenn’s auch manchmal die leiblichen sind)
Die Gongs jedenfalls stecken ständig Reviere ab. Die vergolden sie dann, und wehe, man will da nicht mit rein, dann hat man die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Die Zäpfchen der Zeit. Dafür halte ich meinen Arsch nicht hin, geschätzte Leser:innen! (Darf man “Arsch” eigentlich noch legal hinschreiben?)
Sorry, allerseits, bin gereizt. Ab morgen geht’s ins Atelier, eigene Zäpfchen machen.

8 Gedanken zu „TTag, Sonntag, 12. Dezember 2010. Die Gongs. Wie man sich ins beste Licht stellt, II

  1. Liebe Frau Kiehl!

    Mit Gold bepuderte Nasen, die sich die Zäpfchen der Zeit in den Hintern s t e c k e n l a s s e n, und danach dann trotzdem an rotzender Nase, Völlegefühl und Verstopfung leiden, gibt’s da draußen genug. Die können alle eine Zeit damit leben, aber irgendwann wird nicht nur deren Arsch platzen. Sie sollten ein ganz seltenes Metall oder gar eine ganz seltene Erde bevorzugen. Auch hier ist der Markt aufgeteilt, aber der Wert ist ein ganz anderer…. zum einen, weil man weiß, was es einem wert ist, und warum das so ist, zum anderen, weil diejenigen, die sich dafür interessieren, gern mindestens mehr dafür bezahlen. Wollen.

  2. Wer soll denn das sein z.B. so ein “Gong” mit den “irrsten Projekten” und geheimsten Geheimen?
    Kann ich mir gar nichts drunter vorstellen.

    • “Hoesch macht zu-u” das ist so ein monotoner Sprech-Gesang aus dem Stadion, Anfang der 90er Jahre, gegen Dortmund-Fans gerichtet gewesen von bösartigen Schalkern. Fußball, schwarzer Hals und gelbe Zähne. Hoesch das Stahlwerk machte zu und wurde von Thyssen-Krupp übernommen. Es war eine echte Frage, liebe Frau Kiehl. Denn solche Gong-Menschen, wie Sie sie da beschreiben gibt es nicht, ist meine freche These. Sie werden gemacht, zum Beispiel von Ihnen. Aber weil ich doch nicht sicher bin wollte ich hoffentlich höflich genug fragen, was oder wen Sie meinen.

    • @hoesch macht zu Jetzt versteh’ ich: auf d e n Zusammenhang wäre ich als Fußballferne nie gekommen.
      Ihre freche These, hm, sie hat was für sich: Typenbeschreibungen sind immer Zuspitzungen, Kollagen unterschiedlicher Personen. Ich hatte aber durchaus lebende Beispiele vor Augen, als ich schrieb. Sehen Sie mir bitte nach, dass ich den Faden gerade nicht weiter spinnen kann, bin auf dem Sprung ins Atelier, das heißt, mein Körper ist es, der Kopf ist schon dort : )

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