Lockstoff: andreas louis seyerlein

echo

~ : oe som
to : louis
subject : SCHNECKEN
date : sept 24 11 7.12 p.m.

“Früher Abend, ruhige See. Möwen, die unser Schiff wie eine Insel bewohnen, kreisen dicht über dem Wasser. Gerade eben meldete Noe, zwei Putzerschnecken näherten sich seinem Gesicht. Er müsse jetzt vorsichtig sein, um sie nicht zu verletzen, sofern sie seinen Mund entern sollten. Noe wohlauf. Seit zwei Wochen senden wir Jazz, wann immer Noe Jazz zu hören wünscht. Wir haben zunächst Charlie Parker geladen, das machte ihn nervös, weil er sich nicht bewegen kann im Taucheranzug im Rhythmus, der schnell geht, ruhelos. Wir proben, forschen nach sanfteren Takes. Er könne, das sei neu, berichtet Noe, wenn er das Wort Regen lese, sich das Geräusch des Regens nicht länger in Erinnerung rufen, als würde sich das Wort Regen nach und nach entleeren. Wir haben versprochen, Regen für ihn aufzuzeichnen und in die Tiefe zu schicken. Gestern, als wir nachts alleine miteinander sprechen konnten, wünschte Noe, dass ich ihm das Schiff beschreibe, unter welchem er schwebt. Er sei glücklich, sagte Noe, aber er sehne sich nach einer Uhr.” – Dein OE SOM

Go to: andreas louis seyerlein >>> andreas louis seyerlein.de

Auch Seyerleins Weblog entdeckte ich vor einiger Zeit via >>> Litblogs.net, herausgegeben von Christiane Zintzen und Hartmut Abendschein. Thanx a lot.

Kehrbesen, wütend

[…] “Würde es mir je einer glauben, wenn ich euch heute erzähle, dass ich von der fünften Klasse aus bis zur zehnten nie wirklich eine ehrliche und vertrauenswürdige Person kennenlernen durfte? All diese Schüler, mit denen ich diese fünf Jahre verbringen musste, wussten nie so richtig, die eigene Persönlichkeit und die eigenen Lebensvorstellungen zu schätzen. Viele Gruppen haben sich gebildet, und immer wieder wurde der eine oder andere manipuliert, ob es um Klamotten ging oder um Meinungen, jeder hat sich von einer bestimmten Gruppe beeinflussen lassen.
Doch ich habe mich getraut mich gegen diese große Gruppe zu stellen, ich habe mich eigenständig von den andern isolieren lassen, ich bin meinen eigenen Weg gegangen, habe mich immer wieder getraut meine eigene Meinung zu äußern, und nicht diese Meinung, die immer die Mehrheit hören wollte, auch ich habe mich auf meine eigene Vorstellung von Mode konzentriert und bin nicht wie die andern rumgelaufen, und wirklich nur ich hatte das Lebensziel meinen Abschluss mit unter 1.5 zu schaffen.
Diese gesamte Situation war eine große Herausforderung für mich, und ich wusste, dass wenn ich meinen eigenen Weg gehe und mich dieser Menschengruppe nicht anpasse, so werde ich die nächsten Jahre von den andern weiterhin ausgeschlossen werden.” […]

… Ein kleiner Ausschnitt eines langen Textes, in dem F. am Wochenende mit einem ziemlich wütenden Kehrbesen in ihrer schulischen Vergangenheit aufräumte. Leicht fiel ihr das nicht: Es brauchte einen magischen Schlüssel, bis sie in Schwung kam. Ihr war nicht klar, dass eine ihr eigenes Thema finden und ihre eigene Sprache verwenden darf, wenn’s ums Schreiben geht. Zumindest beim kreativen, und bei mir sowieso.
Als ich den Text dann endlich zu lesen bekam, war das Seminar fast vorbei; die Zeit reichte nicht mehr, ihn noch vor der Gruppe vorzulesen. Die hätten ganz schön gestaunt. Denn F. kann Schreiben eigentlich gar nicht leiden, sie spielt lieber … doch das zu erzählen wäre indiskret.
Wie auch immer, ich war sehr stolz auf sie (auf die Anderen auch, falls einer von euch mitliest!!! : ) und finde es nur fair, wenn F.’s Text jetzt hier ein Plätzchen bekommt, zumindest ein Teil davon.

Und nun lese ich die Geschichte von I. Er hat an diesem Wochenende, unter anderem, eine Ode an die Weiblichkeit geschrieben.
“Vielleicht habe ich mich damit ein bißchen übernommen” sagte er gestern lächelnd.
“Zieh’s mir auf den USB-Stick, dann lese und kommentiere ich’s per Email am Montag” versprach ich.

Und das tu ich jetzt. Oden werden ja nicht mehr so oft verfasst. Und die Weiblichkeit, sie sollte besungen werden! Unbedingt!

Sie sehen, ich hab’ zu tun ; )

17:58
… und eben fand ich bei Aléa Torik noch >>> diese Zeilen zum Thema Schreiben und musste lachen. Recht hat sie.
Ach, und da wir schon dabei sind: Haben Sie MelusineB’s >>> Beitrag zum literarischen Schreiben im Web 2.0 gelesen?

(Musik: Fatoumata Diawara – thanx to Lobster)

Theodor Mommsen / Römische Geschichte

„Rings um das mannigfaltig gegliederte Binnenmeer, das tief einschneidend in die Erdfeste den größten Busen des Ozeans bildet und, bald durch Inseln oder vorspringende Landfesten verengt, bald wieder sich in beträchtlicher Breite ausdehnend, die drei Teile der Alten Welt scheidet und verbindet, siedelten in alten Zeiten Völkerstämme sich an, welche ethnographisch und sprachgeschichtlich betrachtet verschiedenen Rassen angehörig, historisch ein Ganzes ausmachen.“

“Römische Geschichte”, dtv 2001

Zugetragen von Dr. NO via MelusineB

(Jaaa, ich weiß, eigentlich sollte diese Rubrik nur Romananfänge beinhalten. Aber keine Regel ohne Ausnahme. Allein schon des Wortes “mannigfaltig” wegen – mit einem Augenzwinkern rüber zu ANH, der sich kürzlich der vokabularischen Genderproblematik widmete ; )

Anti-Überschuss

Guten Morgen. Langsam wird’s lästig: bin immer noch nicht gesund. Nun wäre das keiner Erwähnung wert (iieeeh, Symptomberichte…), wenn mich mein Brummschädel nicht so lahm legen würde.
Nein, sagen Sie jetzt nicht, man sollte dann eben nicht feiern und – äh – saufen, wie ich’s vorgestern zum 75sten meines alten Dichterfreundes tat. Nee! Da war Alkohol nicht zu vermeiden. Vor allem, ich musste ja auf die Bühne und lesen. Die Autor:innenkollegen, die vor und nach mir kamen, waren zumindest nach außen hin kein bisschen nervös, im Gegensatz zu mir. Also zog schon die Erleichterung, als meine eigene Lesung gut gelaufen war, die ersten drei Gläser Sekt nach sich. (Auf ex, falls ich’s noch richtig in Erinnerung habe.)
Morgen geht’s zum nächsten Seminar: Gustav Stresemann Institut in Bonn. Sollten Sie zufällig selbst dort sein dieses Wochenende – ich bin die blasse Blonde mit der verruchten Stimme.
Die kommt allerdings momentan nicht vom Lotterleben.
Am besten, Sie beachten mich gar nicht, sondern erfreuen sich am Anblick der smarten, aufgekratzten Jugendlichen, von denen ich umgeben sein werde.

Sehne mich nach Überschuss: Die Energie, die ich momentan aufbringe, reicht gerade für die Dinge, die zu tun sind. Nach diesem Wochenende muss ich mir was ausdenken, um mich wieder aufzuladen. Zumindest mal Fellpantoffeln statt Pumps : )
Na, egal, wird schon wieder.

Herzlich grollende Grüße!

Ihre Miss TT

18:02
Ich möchte Ihnen einen Text von Paul Duroy ans Herz legen, auf den ich über Eugene Fausts >>> Gysi-Beitrag via >>> Trithemius’ Link stieß. Trithemius schrieb dazu folgendes: “Gestatte mir, einen Text von Paul Duroy hier zu verlinken, weil er passt und Duroy ein bisschen weiter in die Zukunft geschaut hat, als das derzeit geschieht. Er sieht die Chance, dass wir durch das Scheitern des Kapitalismus an Menschlichkeit gewinnen. Aber es liegt natürlich an jedem einzelnen, ob er das anzunehmen bereit ist.”
Mir haben >>> Duroys Worte sehr eingeleuchtet. Was bei meiner derzeitigen getrübten Geistesverfassung ein echtes Kunststück ist.

+++ Eilmitteilung +++

Der herausragende, unvergleichliche, mindestens siebenköpfige Meister des Langgedichts Paulus Böhmer ist heute fünfundsiebzig geworden.
Zu seinen Ehren findet im Mousonturm Frankfurt im Hessischen Literaturforum heute Abend 20:00 Uhr eine Lesung mit anschließendem Sprech- und Trinkgelage statt.
Bei Faust Kultur können Sie schon mal vorab >>> an seinen Lippen hängen – und falls Sie danach Lust überkommt, ihn samt seine sieben Köpfe live zu erleben, nur zu, die Veranstaltung ist öffentlich.
Näheres dazu >>> hier!

Wir seh’n uns : )