Herzmanovsky-Orlando/Maskenspiel der Genien

„Bedeutende Schnellzugslinien versickern im Inneren von Österreich, verlieren durch einen rätselhaften Abschuppungsprozeß den Speisewagen in Leoben, diesem Gewitterwinkel des europäischen Reiseverkehrs.”

“Maskenspiel der Genien”, Erstveröffentlichung bei Langen-Müller Verlag, München, 1958

Zugetragen von >>> Steppenhund, der dazu schreibt: “Ich kann leider nur den Teil zitieren, den ich hier im Internet gefunden habe, denn der erste Satz geht, soviel ich mich erinnern kann, über eine dreiviertel Seite. Vielleicht habe ich auch einen Punkt übersehen…”

Kurzschluss

Dieser kleine Cursor im Gehirn, der mir anzeigt, woran ich gerade arbeite: manchmal dreht er durch. Dann blinkt er an so vielen Stellen gleichzeitig, dass eine automatisch abschalten Funktion aktiviert wird. Keine Ahnung, wer die programmiert hat, ich jedenfalls nicht, ich will weitermachen.
Versuche, den Neustartknopf zu ertasten. Er ist – goddamnit! – nie an der Stelle, an der ich ihn vom letzten Systemcrash in Erinnerung habe.

Von außen sieht man nichts.

Sonntag, 18. September 2011

Pustekuchen für alle!

… womit ein (zugegeben etwas fauler) Versuch unternommen wäre, die einsetzende Herbstmelancholie wegzulächeln.
(Wussten Sie übrigens, dass man Wespen nicht wegpusten darf? Das Kohlenmonoxyd in unserem Atem macht sie erst richtig aggressiv.)
Tja.
(Profunderes hab’ ich heute nicht zu vermelden. ; )

Lockstoff: Denkwerk Zukunft

[…] “Damit die westlichen Gesellschaften auch bei sinkendem materiellem Wohlstand funktionsfähige, demokratisch regierte Gemeinwesen bleiben, müssen die Menschen erkennen, dass eine weitgehend auf materielle Wohlstandsmehrung fokussierte Kultur eine arme Kultur ist. Gegenwärtig stehen sämtliche Erscheinungsformen der Kultur wie Bildung und Wissenschaft, Politik und Recht, Kunst und Sport, Kommunen und selbst die Familie im Dienste des einen großen Wachstumsziels. Ihr Eigenwert ist demgegenüber nachrangig. Dies führt jedoch dazu, dass sie wichtige gesellschaftliche Funktionen nicht oder nur noch eingeschränkt erfüllen können.” […]

Go to: Denkwerk Zukunft >>> Stiftung kulturelle Erneuerung

Sonne, verdeckt

Ich warte auf eine Stimme, die mir sagt, du wirst verschont, du darfst dich verpuppen. Möchtest du einen Saugnapf? Kleb’ dich an einen Felsen, häng’ dir das Haar vor’s Gesicht, back’ Plätzchen. Möchtest du eine Katze?
Ja.
Da.
Von Außen wird die nicht kommen.
Warum ist es nur so vertrackt, bei sich zu bleiben.
“Dieses Projekt braucht Menschen, die nicht kompromittiert sind”, sagt der Professor. “Menschen wie Sie.”
Ich horche der Stimme nach, sie ist gültig. Aber nicht meine. Ich lasse das Haar ins Gesicht fallen.
“Liebe deinen Nächsten, wie du dich selbst gerne lieben würdest, wenn du könntest”, sage ich.
Der Professor lacht.
“Zwischendurch dann wieder Tage, die sind so ohne Vorbehalt, da könnte ich locker eine neue Weltreligion gründen”, sage ich.
“Hm?”
“Meiner Liebe wegen. Ich denke, die wird nie versiegen.”
“Also sind Sie dabei?”
“Nehmen Sie auch Kranke?”
“Die sind nicht verlässlich.”
“Ich bin absolut verlässlich!”
“Dann sind Sie auch nicht krank.”
“Ich habe zu tun, ich warte auf einen Felsen”, sage ich.
“Gehen Sie jetzt bitte.”

(Attacke des Hornhechts),

da draußen,
beginnen die Blätter Schnittmuster in den Asphalt zu ritzen, ein KKkkleid für den Sommer, damit der im Herbst nicht friert. (Warum nur sind Jahreszeiten männlich)
, da verschlingt der Hecht den Angler,
bleiben nur die Leimruten verschont,
tobt der Saal nur, wenn das Rüstzeug stimmt,
wachsen die Herzchen zu vor lauter…
ach, was soll’s.
Vor dem Draußen flöhe man nur, wenn man ein Floh wäre,
ansonsten:
weitermachen!

Widmung.

Du wirst ausrutschen.
Deine Freunde werden nur selten die Geduld mit dir verlieren, doch das wird dir gleichgültig sein. Du wirst dein Gesicht in die Höschen und Hemdchen vergraben, die du gestohlen hast.
Du wirst schön aussehen. Der Mangel wird deine Haut falten und dir den durchscheinenden, zerknitterten Charme verleihen, der manchen Frauen gut gefällt. Sie werden kommen und fragen, was sie für dich tun können, du wirst sie ablecken und sofort wieder vergessen. Niemand wird wissen, was aus ihnen geworden ist.
Später wirst du dir die Decke zwischen die Beine klemmen und die Spinnweben in den Zimmerecken beobachten, die sich manchmal bewegen und manchmal nicht. Die Frau neben dir wird schlafen. Ihre ruhigen Atemzüge werden dich so rasend machen, daß du dich nur mühsam zurückhalten kannst, ihr ins Gesicht zu schlagen.
Und das Zimmer wird immer da sein, dieser Kasten, in dem du herumschnüffelst und suchst und jede Ritze kennst; es riecht nass, als sei es in die Erde gegraben. Wahrscheinlich ist es das, denn du kommst nicht heraus.
Du wirst das Tier nicht mehr loswerden, in das du dich verwandelt hast. Du wirst kaum merken, daß du so viele Wörter vergisst, denn jene, die du brauchst, kommen dir immer noch flüssig über die Lippen, doch es werden immer die gleichen sein.