Zwischen

zwei Seminaren, das erste schon gehalten und nachzubearbeiten, das zweite morgen beginnend – ich mag’s, wenn viel los ist. Über die Art und Weise, wie ich mit jungen Leuten umgehe, meinen Ideen vom Lehren, würde ich gerne mehr sagen. Dazu hab ich mich gestern Abend ziemlich konzentriert mit Freunden unterhalten, da ging’s um Charisma und rituelles Vokabular und wie das einzusetzen wäre, um Veränderung auch hier zu bewirken (natürlich, wie sonst, ausgehend von den Wahlergebnissen in den USA)
Mal sehen, ob nächste Woche Zeit ist, über diese Dinge ausführlicher zu schreiben.

Gott, ich hab keine Lust auf den Winter.

Einer lacht noch

“Sebastian Hold ist der glücklichste Mensch der Welt. Der Wuppertaler Postbeamte könnte der Sonnenschein seines ganzen Bezirks sein. Aber die Kollegen verachten ihn – weil sie wissen, dass sie nie so glücklich sein werden wie er.
Ein seltener Gendefekt sorgt für ein massives Ungleichgewicht in Holds Hormonhaushalt.
Dank einer wahren Endorphinflut herrscht in seinem Gehirn immer gute Stimmung.
Neuronenfasching nennt das sein Arzt, Prof. Dr. Herbert Kress, salopp und schiebt dann doch die medizinische Erklärung nach: “Herr Hold leidet am äußerst seltenen Feelgood-Syndrom, bei dem übermäßig viel an endogenem Morphin, einem vom Körper selbst produzierten Opioid, erzeugt wird.”

Insgesamt gab’s weltweit anscheinend nur drei Menschen mit diesem speziellen Gendefekt. Nur der Postmann ist noch übrig, die beiden anderen, nun ja.

Quelle: taz.de

@ MrP

jetzt verstehen wir uns. Die Territorien des künstlerischen Schaffens sind, im Vergleich zum Schreiben (das, zumindest in meinem Fall, immer ein Vorgang ist, den die Ratio kontrolliert), in der Tat viel weiträumiger und erlauben einen anderen Umgang mit dem eigenen Bewusstsein, auch mit der “Seele”, wie Sie sagen.
So weit, so klar.
Ich sprach aber in meinem letzten Beitrag auch davon, dass jeder kreative (ich hasse dieses Wort) Mensch mit einem Packen Themen hantiert, der sich im Laufe der schöpferischen Jahre nur wenig oder gar nicht verändert.
Und zu den Dingen, mit denen ich mich immer wieder beschäftige, gehört nun mal auch die Frage nach diesen Prozessen – was sie begünstigt, behindert, Kontinuität finden lässt, also die Frage nach den Begleitumständen der künstlerischen Arbeit.
Das hat nichts damit zu tun, dass ich mich in meinem Schaffen danach richte, was andere von mir erwarten – was ich nicht mehr tue als jeder andere auch. Nein, es ist einfach so, dass dieses Abtasten meiner inneren und äußeren Antreiber, die Frage “Wie entsteht Arbeit” eines meiner Themen ist. Früher, als ich noch malte, habe ich riesige farbige Querschnitte durch fiktive Gehirne gemalt, durch Menschen-, Roboter-, oder Aliengehirne…
Heute versuche ich, “das, was ist” sprachlich abzubilden. Auch in Zeichnungen, die ebenso Sprache sind für mich. Ich versuche, zu manifestieren: In welchem Medium auch immer.

Augen und Tränen und Morde des Tages und Geld zählt nicht

Diesen Satz hatte ich heute Morgen im Kopf, als ich aufwachte; der dazu gehörige Traum ist mir entfallen. (Geld zählt aber durchaus in diesen Wochen, auch ich hatte Lehmann-Papiere, die zerstoben sind)
Anyway.
Ich habe mich, wie oft Sonntags, mit dem Laptop ins Bett zurück gezogen, die Glieder schwer vom Morgenlauf im Park. Es ist ruhig im Haus, so ruhig, als ob auch alle anderen in ihren Wohnungs-Schachteln steckten, ohne sich zu rühren; selbst die Zeit stand während der Nacht eine Stunde still.
Der Kaffee schmeckt nach Cognac und Zucker.

Womit beschäftige ich mich wirklich?
Die Dinge, von denen ich glaube, mich mit ihnen beschäftigen zu sollen, sind ganz andere als diejenigen, die mich tatsächlich in Beschlag nehmen. Die Frage ist, stehe ich irgendwann mal zu dem, was mich tatsächlich beschäftigt, oder jage ich noch ein paar Jahre einem Selbstbild hinterher, das ganz offensichtlich künstlich und konstruiert ist?

Ich bin zum Beispiel kein Spiegel der Gesellschaft, obwohl ich das immer wieder von mir verlange, sondern ein reichlich egozentrisches Wesen, das sich der Abstraktion schon so oft verweigert hat, dass der Weg dorthin algenteppichartig zugewuchert ist. Abstraktionsvermögen aber wäre eines der Dinge, die ich von mir verlangen würde: Die Fähigkeit, den Maßstab zu wechseln.
Was ich stattdessen mache: Haare waschen.
Eine andere Qualität, die ich mir gerne auf die Fahnen schreiben würde, ist der Mut, gesellschaftlich auch mal ins Fettnäpfchen zu treten. Mich „daneben“ zu benehmen. Das (mit einem gequälten, später befreiten Lächeln) zu überstehen.
Was ich stattdessen betreibe: Mehr oder weniger kluges Networking.
Eine dritte Sache, auf die ich sehr stolz wäre, (wenn ich sie denn praktizierte), wäre die Fähigkeit, mich inhaltlich in gesellschaftliche oder kulturelle Zusammenhänge einzumischen, in denen ich mich nicht kompetent fühle. Auf die Gefahr hin, dass das, was mir dort passierte, eventuell ein schmerzhafteres Lernen wäre als jenes, das ich gewohnt bin.
Was ich stattdessen mache: Die ganze Stadt nach einer guten Joggingjacke abklappern.

Okay. Ich glaube, ich habe mich deutlich ausgedrückt : )
Sollte ich hier und jetzt eine schnelle Liste der Dinge anfertigen, mit denen ich mich zur Zeit wirklich, freiwillig und leidenschaftlich beschäftige, würde diese so aussehen:
Was Freundschaft bedeutet
Wie Denken funktioniert
Was Lust ausmacht
Wo sich Kontinuität lohnt
Wie Bilder entstehen
Wo Geld zu machen ist
Wie ich mich mit der Welt verbinde
Welche Dinge mir so wichtig sind, dass ich Arbeit investiere

– ————————–Pardon!!!
Das war die geschönte Liste!
Ein Versehen.
Hier die echte:

Wie lange gehe ich morgen joggen
Wie lange kann ich den nächsten Job noch aufschieben, ohne Terminsstress zu bekommen
Zieht die Augencreme gut ein
Wird X riechen, dass ich geraucht habe
Ist noch Hühnchenwurst da
Warum reagiert Y nicht auf meine Email
Denkt Z, dass ich mit mir nichts los ist, wenn ich heute Abend Tatort kucke
Wie kann ich etwas über mich so erzählen, dass andere etwas damit anfangen, es sich zu eigen machen können

Tja. Solche furchtbaren, einfachen Sachen. Ein paar intime hab ich, mit Verlaub, ausgelassen.
Wie soll man DARAUS Welt basteln, Leser?


Seitdem ich wieder zeichne, stellen sich Konstellationen ein, Gedankengänge, die mir beim Schreiben nie unterkommen: Da gibt es Figuren, die immer wieder auftauchen, Alter Egos fast, dazu fabelhafte Tiere, die sprechen, Proportionsverschiebungen, die mir schreibend nie gelingen, Witzigkeiten, die mein Schreiben nicht hervorbringt. Ich bin, ganz offensichtlich, im Zeichnen humorvoller als im Schreiben. Vielleicht, weil am Zeichentisch mein Anspruch nicht so verflixt hoch gehängt ist. Je ernster ich etwas nehme, desto größer die Verkrampfung.

(Ich glaube ja, dass jeder schöpferisch engagierte Mensch nicht mehr als drei oder vier Themen mit sich herumträgt. Gesellschaft, Beziehungen, die großen Geschosse wie Liebe, Ablehnung, Leid und Tod, Familie. Utopien, die immer aus der kritischen Hinterfragung dessen, was die eigenen Lebensumstände ausmacht, resultieren.
Wie ego-zentrisch oder ex-zentrisch diese Themen dann abgearbeitet werden, ist eine Frage der Persönlichkeit. Ich zum Beispiel werfe mir oft vor, zu sehr auf mich selbst bezogen zu sein:
Ein Grund, warum Tainted Talents so wichtig für meine Entwicklung geworden ist, als Medium, das anderen erlaubt, an meinen Prozessen teilzuhaben, ja, sie sogar begleitend zu kommentieren. (Wenngleich meine Leserschaft – ja, Sie! – ein wenig zurückhaltend ist, insgesamt)
Aber das kann sich ja ändern.
Wichtig ist mir das unfertige an TT. Es gibt keinen Vertrag, keine Durchgängigkeit, ich hab keine gültigen Schlussfolgerungen anzubieten. Manchmal noch nicht einmal anständige Fragen. Dies ist so eine Art virtuelles Atelier – hier wird noch gearbeitet.

Wie als Gegenreaktion

zum allgemeinen Buchmessewahn der letzten Woche habe ich die Tage nur gezeichnet.
Nur langsam kriechen mir die Ideen für neue Texte wieder auf den Schreibtisch, so weit an den Rand hatte ich sie bugsiert.
Manche hingen nur noch an zwei Fingern (Klauen?) von der Tischplatte. Jetzt ziehen sie sich wieder hoch, etwas mager geworden; ich muss sie erst einmal wieder anfüttern. Habt ein bisschen Geduld, liebe Leser.

Puderwatte

Klagen über die Anderen, die “vom Leben” Kirschen bekommen, die einem selbst vorenthalten bleiben, ist mir ziemlich fremd. Falls ich’s doch einmal tue, so wie gestern, dient es der Unterhaltung meiner Leser. Hätte ich ein echtes, wirkliches Problem damit, würde ich nicht auf TT darüber schreiben.
Was ich nicht ertrage, weder an mir noch an anderen, ist dieses geduckte Denken, das immer davon ausgeht, andere hätten es leichter als man selbst. Ich bin kein süßes weißes Schäfchen, das einen Kübel schwarze Farbe abbekommen hat, während die anderen fröhlich frisches Gras rupfen. So aber fühle ich mich, wenn ich mit Allgemeinplätzen getröstet werde. Sorry, der Herbst mich mich streng ; ) Doch das musste gesagt werden. Manchmal macht man den Anderen unabsichtlich klein, indem man ihn einzuckert. Dabei erwische ich mich auch selbst immer wieder.