Da schlenzte ich mal einen Tag gestern und stelle heute morgen in einem plötzlichen Adrenalinschub fest, ich hab’ einen Job vergessen, der Montag fertig gestellt sein muss. Adé Wochenende.
Jaul.
Amnesie in Anstatt
Was war es doch gleich, was ich heute tat, anstatt hart und konzentriert zu arbeiten?
(help…!)
Aus gegebenem Anlass, ff
Aus gegebenem Anlass
Das Selbst, so will mir heute scheinen
darf Masquerade nicht verneinen
drum, wenn sich meins entblößen will
ruf ich ihm leise zu: halt still.
Embrace your inner snail
TTag, 11. Mai 2010
Atelier. Wortkarg. Ein Bild sagt mehr als tausend usw.
TTag, 9. Mai 2010. Mit seiner Wunde spazieren gehen.
[…] »Die h e i l i g e n (Wunden), die bleiben offen, die, deren (Weiter-)Bluten wir ersehnen, weil wir uns nicht trennen wollen von dem Schmerz, der uns fühlen macht. Die anderen aber, die wir versorgen,cremen und pflastern, aus denen bilden sich Narben, oft häßliche, fühllose. Das gibt es auch. Und da verkümmert´s. Deshalb darf die Kunst – auch weibliche – nie fürsorglich sein und schonend. Was für die meisten von uns Frauen hieße, dass wir uns gegen das uns Anerzogene stemmen müssten. […]
Diese sechs Zeilen beschäftigen mich nun schon, seit MelusineB sie in in Frauen über Kunst gepostet hat.
Wunden ist ein schwierig oszillierendes Wort; selbst jene Künstlerinnen, deren Werk um nichts anderes kreist, nehmen es selten als solches in den Mund. Echte Wunden zu haben ist in Ordnung, aber metaphorische? Da landet man schneller im Stigma oder in der Genderdiskussion als man Luft holen kann, und bei Narben ist’s auch nicht besser. Das liegt daran, was im obigen Zitat als “nicht vom Schmerz trennen wollen” bezeichnet wird: solch verdächtiges Verhalten findet wenig Akzeptanz hierzulande, außer in klar definierten (und vor allem diskreten) Gesprächsanordnungen, gerne therapeutischer Natur. Geht man außerhalb dessen mit seiner Wunde spazieren, heißt es schnell mal, man beanspruche milderne Umstände – um sich Vorteile gegenüber jenen zu verschaffen, die sich zusammenreißen können. Und jenen, die immer brav alles ins selbstironische übersetzen, um den anderen auch ja nicht zu überfordern.
“Kunst, auch weibliche, darf nicht fürsorglich und schonend sein”: Ja und nein. Kunst darf alles sein, sonst wäre sie keine. Sie darf auch peinlich sein. Unfair. Oder missglückt. (Ich sage absichtlich nicht misslungen.) Das Einzige, was sie nicht sein darf, ist unsichtbar.
Wenn also Fürsorge und Schonung so weit führen, dass künstlerische Positionen im Tagebuch verrecken, statt in ein Werk zu münden, stimme ich zu. Wo ein Talent ist, ist auch Pflicht. Als eine der ersten jene, die eigenen Skrupel erfolgreich aushebeln zu lernen.
Ich selbst hab’ für diese erste so lange gebraucht, dass ich schwer im Rückstand mit den übrigen bin.
Frauen über Kunst, ff
»I wonder which is preferable, to walk around all your life swollen up with your own secrets until you burst from the pressure of them, or to have them sucked out of you, every paragraph, every sentence, every word of them, so at the end you’re depleted of all that was once as precious to you as hoarded gold, as close to you as your skin
– everything that was of the deepest importance to you, everything that made you cringe and wish to conceal, everything that belonged to you alone – and must spend the rest of your days like an empty sack flapping in the wind, an empty sack branded with a bright fluorescent label so that everyone will know what sort of secrets used to be inside you?«
Margaret Atwood
TTag, 7. Mai 2010. Musterbürger und grollende Katzen.
Was weiß ich, woher die Stadt Frankfurt das Geld hat, unter dem Fenster meiner Arbeitswohnung eine neue Straße zu bauen. Die alte wurde mit schwerem Gerät komplett entfernt, nun kommt eine neue, die so blitzblank aussehen wird, mit Parkbuchten und Grünstreifen, dass mein ohnehin viel zu schick werdendes Viertel bald einer baulichen Versuchsanordnung für Modellbürger gleichen wird, mit alle zwanzig Meter in den Asphalt gepflanzten Kacktütenspendern für Hundebesitzer.
Im Ernst. Bald werden hier nur noch Leute mit spiegelnd geputzten Geländewagen wohnen, die doppelt so viel Platz und Benzin brauchen wie mein Smart. Den kann ich eigentlich auch gleich abschaffen. Ich ahne, dass in die vier bis sieben schicken Parkbuchten, die im Zuge der Straßensanierung übrig bleiben werden, reservierungstechnisch die Nummernschilder der Geländewagenfahrer von Hand eingelegt werden, rosa auf grauem Grund. Und für die beknackten Kinderwagen, die sie aus den Hinterteilen ihrer Gefährte ziehen, wird’s wahrscheinlich auch farblich markierte Rollwege geben.
Inzwischen schreit hier wirklich jeder Quadratmeter nach gepflegtem Mittelstand; wie lange die Alkis auf dem kleinen Plätzchen sich da noch halten können, ist fraglich. Kürzlich wurde auch noch der Glascontainer abgeschafft: Ich hatte meine Pfandflaschen immer daneben auf den Boden gestellt, damit sie sie im nahen Kiosk einlösen können. Kiosk? Der muss auch noch weg. Seitdem der Luxusreve bis Mitternacht geöffnet hat, braucht den doch kein Mensch mehr.
Ich erwäge, zur Einweihung der neuen Musterbürgerstraße ein Bettlaken aus dem Fenster zu hängen: “Dieses Haus ist besetzt”.
»Schluss mit auf die Straße pissen, hörst Du?«
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Die Sprache der Anderen, 11
»Männer können nur zärtlich sein, wenn sie verliebt sind…. Frauen verlieben sich, wenn sie zärtlich sind.«
Aygül A., Saba-Schreibwerkstatt 2010


