der wet dress contest ist hiermit eröffnet. Die Besetzung der Jury erfolgt über Tainted Talents. Bitte beachten Sie, dass für die Bewerbung ein Mindestalter von vierzig Jahren nachgewiesen werden muss: Wir sind hier nicht bei Twitter.
Bestellt
Georg Groddek: »Das Buch vom Es«
Hat mir Dr. Adloff empfohlen, der Microchirurg mit dem winzigen Lächeln im Mundwinkel.
Die Sprache der Anderen, 10
»Elle a pété plus haut que le trou de son cul.«
Privatgespräch vom 3. Mai 2010
Schwer gut zu übersetzen: Sie hat höher gefurzt als ihr Arschloch. Vergleichbar mit “Sie hat zu hoch gepokert”, aber viel gemeiner.
Vorschlag zur Güte
Hinter den Kundenschaltern meiner Bank arbeiten die Volksmenschen. Sie sind schon etwas betagt, obwohl, ein paar im mittleren Alter gibt es auch, doch die sind dick. Ein paar sind mit einer leichten, jedoch die Arbeit nicht beeinträchtigenden körperlichen Behinderung versehen. Sie sind freundlich, fast herzlich, ihr Lächeln ist echt; man nähert sich ihnen gerne und sie schrecken nicht zurück, wenn man sich über die marmorne Platte ein wenig zu ihnen beugt.
Wird man zum Beratungsgespräch auf die nächst höhere Ebene gebeten, erwarten einen hinter den Türen die Dynamos. Kostüm, Anzug, alle jung und dynn. Sie tragen Make-up oder glattrasiert anstelle von Gesichtern und lupfen sich leicht vom Sitz, wenn man eintritt. Ihre Gesten sind knapp und zielfördernd, ihre Tische sauber, die Bildschirme der Computer sind gewischt.
Wurden die Volksmenschen für den Massenkundenkontakt erwählt, weil sie so umgänglich sind, die anderen weggesperrt, weil sie so grauslige Kostüme tragen? Oder ist es so, dass die Dicken, Lädierten und Ältlichen gerne einen Schreibtisch in den Sperrbüros beziehen würden, aufgrund ihrer Kondition aber (- „fürs gemeine Volk langt’s, aber für die Karriere… “ ) nicht dürfen?
Wenn ich meine Bank wäre, ich würde die Formatierung präzisieren: Hinter die Schalter Schoßhunde für die Angestellten, dazu pro Filiale einen Sittich. Und Kakteen auf die Computer. Aquarien wären auch gut, für die Wartezeiten, und eine Glasschale mit Mini-Snickers auf die Counter. Ich rege das nur an, weil es immer heißt, den Banken ginge es schlecht. Da könnte man doch was tun, um die Corporate Identity herauszuarbeiten.
Die Sperrbüros sollte man gleich mit Androiden besetzen, kaum jemand würde den Unterschied merken.
Zitatnotstand! (Frauen über Kunst)
Für einen Text für meine Stiftungswebsite suchte ich eben nach Zitaten von Künstlern über Kunst. Fand diverse gut bestückte. Und stellte fest, auf all den Listen ist keine einzige Künstlerin dabei. Obwohl ich gerade keine Zeit habe, es zu überprüfen, vermute ich, auch bei “Schriftsteller über das Schreiben” fände man Aussprüche von Männern, soweit das Auge reicht.
Nun bin ich ja nicht empfindlich; die Gelegenheiten, zu denen ich meines Geschlechts wegen diskriminiert wurde, kann ich an einer Hand abzählen, wahrscheinlich sogar an einem Finger, aber s o geht’s nicht. Ich überlege, eine Rubrik Frauen über Kunst einzurichten.
Guten Morgen! Wo waren Sie denn alle am Wochenende? Auch Schafe gucken?
Heute im Angebot:
Ansonsten, im Zuge der heutigen Parole, eher maulfaul.
Guten Morgen, erster Mai.
Unheimlich, die Stille da draußen. Nur der dicke Tauberich auf der Birke vor meinem Fenster gurrt aus Leibeskraft. Wo bist Du, wo bist Du.
Wer schweift, sündigt nicht
Heute flog mir via >> Klaus Walter ein Textausschnitt des Philosophen>>Maurizio Lazzarato in den Kasten. Er beschäftigt sich mit dem Begriff des ‘umherschweifenden Produzenten’.
»Hier finden sich kleine und kleinste produktive Einheiten, häufig nur eine Person, die sich zu Ad-hoc-Projekten organisieren und gegebenenfalls nur für die Dauer eines bestimmten Vorhabens existieren. Der Produktionszyklus selbst ist dabei abhängig von der kapitalistischen Initiative; sobald der ‘Job’ erledigt ist, löst sich der Zusammenhang auf in jene Netzwerke und Ströme, die den produktiven Vermögen die Reproduktion und soziale Ausdehnung ermöglichen.
Prekäre Beschäftigung, Hyperausbeutung, hohe Mobilität und hierarchische Abhängigkeiten kennzeichnen diese metropolitane immaterielle Arbeit.
Unter dem Etikett ‘nicht abhängiger’ oder gar ‘selbstbestimmter’ Arbeit verbirgt sich tatsächlich ein intellektuelles Proletariat, das aber als solches höchstens von den Kapitalisten (an-)erkannt wird, die es ausbeuten. Bemerkenswert ist noch, daß es unter den skizzierten Bedingungen zunehmend schwierig wird, freie Zeit von Arbeitszeit zu unterscheiden – in gewissem Sinn fällt das Leben mit der Arbeit in eins.«
Mit Lazzarato hab ich vor Jahren mal in Bilbao an einer spektakulären interdisziplinären Konferenz teilgenommen, ins Leben gerufen von >>Clementine Deliss, die eine der Ersten war, die meine Texte publiziert hat. Das Besondere – eine der vielen Besonderheiten der Konferenz – war, dass jeder Teilnehmer im Vorfeld einen schriftlichen Zwischenstand dessen einreichen musste, an dem er gerade arbeitete. Wir waren 24 Teilnehmer – Künstler, Kuratoren und Philosophen – und jeder von uns bekam diese Unterlagen in Form 24 rot gebundener A5-Hefte per Post vorab.
Die Sache endete nach drei höllisch anstrengenden, leidenschaftlichen Tagen im Éclat, und wie.
Egal.
Warum ich das erwähne? Weil Lazzarato am zweiten Tag morgens beim Frühstück drei Worte sagte, die mir als Glanzstück intellektueller Arroganz ewig im Gedächtnis bleiben werden – Jahre später weiß ich immer noch nicht, ob ich beeindruckt oder beleidigt sein soll.
Wir waren alle kaputt vom Vortag und der Nacht in Bilbao, die wir reichlich ausgekostet hatten, hingen etwas apathisch in den Frühstückssesseln. Lazzarato kam, nein schnürte herein; ein Blick zum Serviermädchen und er hatte seinen Espresso vor sich. Dann blickte er in die Runde und sagte:
»I feel underexploited.«
Und ging.
Ich glaub’, den Satz werd’ ich bei Gelegenheit selbst mal fallen lassen. Allein der Gesichter wegen. An unsere kann ich mich noch gut erinnern.
Heute letzter Tag
zur Manuskriptabgabe beim Litfonds. Ich hab’ eins. Es beißt mich nur immer, wenn ich versuche, es anzufassen. Hoffentlich krieg ich’s unbeschadet in den Umschlag.
