Zitatnotstand! (Frauen über Kunst)

Für einen Text für meine Stiftungswebsite suchte ich eben nach Zitaten von Künstlern über Kunst. Fand diverse gut bestückte. Und stellte fest, auf all den Listen ist keine einzige Künstlerin dabei. Obwohl ich gerade keine Zeit habe, es zu überprüfen, vermute ich, auch bei „Schriftsteller über das Schreiben“ fände man Aussprüche von Männern, soweit das Auge reicht.
Nun bin ich ja nicht empfindlich; die Gelegenheiten, zu denen ich meines Geschlechts wegen diskriminiert wurde, kann ich an einer Hand abzählen, wahrscheinlich sogar an einem Finger, aber s o geht’s nicht. Ich überlege, eine Rubrik Frauen über Kunst einzurichten.

Guten Morgen! Wo waren Sie denn alle am Wochenende? Auch Schafe gucken?

38 Gedanken zu „Zitatnotstand! (Frauen über Kunst)

    • Wird gemacht! Da brauche ich aber Mitstreiterinnen…
      Und erst kommt nun mal Lohntexten, so leid’s mir tut. Nein, gelogen, tut mir gar nicht leid, ich liebe meine Arbeit. Im Ernst.

    • „I can never show what I am working on without being stopped — Whether it is liked or disliked I am affected in the same way — sort of paralyzed –.“

      – D a s ist der Grund, weshalb ich anfing mit Tainted Talents. Weil es mir hier, zum ersten Mal, nicht so geht wie Frau O’Keefe.

    • Frauen über Kunst oder wie es zu Tainted Talents kommen kann hm, ich kann das nicht so schön mit Unterlegen und so. Aber ich hätte da auch ein Zitat:
      „Ich sah wie sich mein Leben vor mir verzweigte, ähnlich dem grünen Feigenbaum in der Geschichte.
      Gleich dicken, purpurroten Feigen winkte und lockte von jeder Zweigspitze eine herrliche Zukunft. Eine der Figen war ein Ehemann, ein glückliches Zuhause und Kinder, eine andere Feige war eine berühmte Dichterin, wieder eine andere war eine brilliante Professorin, die nächste war Ee Gee, die tolle Redakteurin, die übernäschte war Europa und Afrika und Südamerika, eine andere Feige war Constantin und Sokrates und Attila und ein Rudel weiterer Liebhaber mit seltsamen Namen und ausgefallenen Berufen, eine weitere Feige war eine olympische Mannschaftsmeisterin, und hinter und über all disen Feigen hingen noch viele andere, die ich nicht genau erkennen konnte.
      Ich sah mich in der Gabel dieses Feigenbaums sitzen und verhungern, bloß weil ich mich nicht entscheiden konnte, welche Feige ich nehmen sollte. Ich wollte sie alle, aber eine von ihnen nehmen bedeutete, alle anderen zu verlieren, und ich während ich dasaß, unfähig, mich zu entscheiden, begannen die Feigen zu schrumpfen und schwarz zu werden und plumpsten eine nach der anderen auf den Boden unter mir.
      (Sylvia Plath „Die Glasglocke“)

    • @elke66 Oh! Klingt irgendwie vertraut. Merci. Dass Sie das nicht selbst können mit dem Überlegen, möchte ich aber bezweifeln. Und ich hoffe, dass sich in der neu einzurichtenden Rubrik unter die Zitate berühmter Kolleginnen nach und nach unsere eigenen mischen. Gut oder schlecht formuliert sollte dabei kein Kriterium sein: es geht um Präsenz zeigen. Nicht um Genie. Oder Schlagfertigkeit. Oder darum, besonders locker rüberzukommen. Einfach um Präsenz. Und die allgegenwärtige Traurigkeit. Die drei Künstlerinnen, die hier bisher zitiert wurden: Alle traurig.

    • Nein, nein Phyllis, ich halte mich schon für überlegensfähig, nur mit dem eleganten Unterlegen oder Verlinken von Beiträgen hapert es sehr bei mir. Und mit der Zeit. Um eigene Zitate beizusteuern z. B.. Aber später vielleicht. Und bis dahin die Mitteilung, dass es mich sehr freut, dass sich hier viel nachlesenswertes ansammelt.

    • @elke66 Lustig: Ich las tatsächlich „überlegen“ statt „unterlegen“ bei Ihnen. Und dachte, s o bescheiden sei aber unnötig. Nachdem ich selbst Jahre trainiert habe, mir meine Bescheidenheit abzugewöhnen, weil sie mich eher blockierte als mir Stil verlieh, hab ich da wohl den alten phyllinischen Filter auf der Nase gehabt : )

      Unterlegen ist übrigens einfach:
      (a href=“dann die URL“ target=“-blank“)dann der Name für den Link(/a)
      Wenn Sie jetzt die runden durch entsprechende eckige Klammern austauschen, ist’s getan.

  1. „Am unbarmherzigsten im Urteil über fremde Kunstleistungen sind die Frauen mittelmäßiger Künstler.“

    „Nichts Besseres kann der Künstler sich wünschen als grobe Freunde und höfliche Feinde.“

    – Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

    • „Der Künstler trägt die Zeit nicht, zwischen zwei Deckel gelegt, bei sich an einer Kette; er richtet sich nach dem Zeiger des Universums, weiß darum immer was die Urkuckucksuhr geschlagen.“ – Else Lasker-Schüler, Das Hebräerland. München: Deutscher Taschenbuch-Verlag, 1981. S. 126

    • „Sinnlichkeit, Sinnlichkeit bis in die Fingerspitzen, gepaart mit Keuschheit, das ist das Einzige, Wahre, Rechte für den Künstler.“ – Paula Modersohn-Becker, Tagebuchblätter

    • “I feel extremely
      lonely and sad.
      I´m used to being by myself most
      of the time and having my
      own space in time.”
      (Kathy Acker in einer selbstaufgenommenen
      Videoaufzeichnung aus dem Jahr 1977)

    • Niki de Saint Phalle bezeichnete ihre Kunstform als Krieg ohne Opfer oder Mord ohne Opfer und betonte das dringende Gefühl von Wut und Zorn, die sich Bahn brechen mussten: „Instead of becoming a terrorist, I became a terrorist in art.“ (Quelle)

    • @eugene faust Ebner-Eschenbach, Lasker-Schüler, Modersohn-Becker: recherchieren Sie mit Doppelnamen-Vorgabe, Frau Faust? ; )
      Oder anders gefragt: machen Bindestriche berühmt?

  2. Charlotte Salomon: Leben? Oder Theater? „Und sie sah sich vor die Frage gestellt, sich das Leben zu nehmen oder etwas ganz Verrückt-Besonderes zu unternehmen. … So fiel ihr im Angesicht glühendster Sonne, blaurotem Meer, der blühendsten Bäume ein altes Erlebnis ihrer glühendsten einstmaligen Liebe ein. Und sie versuchte sich diese Gestalt und dieses Gesicht zu verdeutlichen. Und siehe, es gelang ihr, und sie bemerkte, dass dies eine sehr interessante Beschäftigung sei. Sie fand nämlich heraus, daß diese Figur sie vielleicht vor einem Selbstmorde bewahren konnte, insofern, als sie sich an einen ihrer Hauptsätze, die Amadeus stets bereit war von sich zu geben, erinnerte: Liebe, erkenne dich erst selbst, um deinen Nächsten zu lieben. Und dann: Man muß erst in sich gegangen sein – in seine eigene Kindheit – ,um außer sich gehen zu können. Und er meinte, daß das Kino die Maschine des modernen Menschen sei, als Mittel außer sich zu gehen. Als letztes kam ihr das berühmte Liebespaar unter einem Bademantel, das so wie ein Mensch fungierte, in den Sinn.“

  3. „Unter deinem Hemd verbirgt sich ein Spalt.
    Mein Blick tastet dich ab.
    Ich gehe hinein.
    Sei nicht höflich zu mir.
    Entspann dich nicht.
    Ich fürchte fünf Dinge und mich selbst.
    .
    Bewahre mich vor meinen Wünschen.
    Meine Augen tasten Deine Haut ab.
    Rede nicht herablassend mit mir.
    Ich werde dafür sorgen, dass dir das Grinsen vergeht.
    Du denkst, ich hätte Angst zu reagieren.
    Das Spiel ist aus, es wird Zeit, dass mich zur Kenntnis nimmst.“

    (Jenny Holzer, „Truisms“, Installation in der Neuen Nationalgalerie 2008)

    • MKÜVOGG – Mach kleine überschaubare verkäufliche Objekte ganz groß!
      MKÜVOIS – Mach kleine überschaubare verkäufliche Objekte in Serie!

      Ist es schon verkauft? Gefällt! Braillediscopüreedüse, so sieht der Glamour aus, man möcht immer noch was rausdrücken.

      Das verzerrte Wort heisst wie meine Kunstlehrerin, unheimlich.

  4. „Die höchste Schönheit, die der Mensch erreichen kann, ist, dass er alle Leidenschaften zu einem Kunstwerk verarbeitet, dass er wie ein Gott über allen steht und sie regiert, so dass sie nur immer von der Kraft der Seele zeigen, aber nie in widrige Verzerrung ausarten.“ – Sophie Bernhardi, Lebensansicht

    „Die Kunst ist eine intellektuelle Funktion, gesund, stark und wahr und nur eine andere Form der Denkfähigkeit. Sie ist kein Delirium, sondern eine Philosophie.“ – Marianne von Werefkin, Briefe an einen Unbekannten, 1901-1905

    „Die Macht fühlt sich immer von der Kunst bedroht, und anscheinend von einer kleinen Frau besonders.“ – Olga Neuwirth in ihrer Dankesrede zur Verleihung des Großen Österreichischen Staatspreises am 9.4.2010, zitiert u. a. in diestandrad online

    „Kunst ist immer auch Kampf gegen sich selbst, weil sie die Reduzierung der Anteile des „Ich“ der eigenen Erkenntnis benötigt.“ cellini

    • @cellini Über Ihre Sätze, besonders über jenen, der von Ihnen selbst stammt, will ich nachdenken. Was mir mal wieder auffällt, Künstlerinnen scheinen auf den hihi-Effekt von Bonmots keinen großen Wert zu legen. Wenn sie sich überhaupt äußern, fahren sie schweres Geschütz auf.

  5. ganz dringend nach Paris… … und diese Ausstellung angucken: http://www.centrepompidou.fr/Pompidou/Manifs.nsf/0/44638F832F0AFABFC12575290030CF0D?OpenDocument

    oder gleich auf die dazugehörige Seite:
    http://www.ina.fr/fresques/elles-centrepompidou/Html/PrincipaleAccueil.php

    Gleich im Eingangsbereich gibt’s schöne dicke Buttons mit den Namen all der großen Künstlerinnen wie Miss van der Rohe, Francine Bacon, Joséphine Beuys, Annie Warhol… und drin haut’s einen dann aus den Socken, habe lange keine so interessante und mörderspannende Ausstellung gesehen, ich war nach zwei Stunden vollkommen ausgelaugt… Und da finden sich dann sicher auch lauter spannende Künstlerinnen jenseits von Frida Kahlo…

    • @mugwump Merci für die Anregung. Und, ja, diese Ausstellung werde ich mir ansehen, bald schon, sehr bald, ach, was sage ich, sofort. Mir ist eh jeder Grund recht, nach Paris zu fahren.

      Frida Kahlo geht mir übrigens auf den Wecker, Sophie Calle ist mir da tausendmal lieber.

  6. Janet Frame: The Envoy from Mirror City A writer must stand on the rock of her self and her judgment or be swept away by the tide or sink in the quaking earth: there must be an inviolate place where the choices and decisions, however imperfect, are the writer´s own, where the decision must be as individual and solitary as birth or death.

    • @melusineb. Traue Deiner Haltung. Schütze Deine Wunde.
      Diese beiden hatte ich mir gestern Nacht als Aufforderung an mich selbst notiert, bevor ich einschlief. Merkwürdig, dass Sie nun heute Morgen mit diesem Zitat kommen: wie eine Bestätigung.

  7. @Phyllis – Wunden Die h e i l i g e n, die bleiben offen, die, deren (Weiter-)Bluten wir ersehnen, weil wir uns nicht trennen wollen von dem Schmerz, der uns fühlen macht. Die anderen aber, die wir versorgen,cremen und pflastern, aus denen bilden sich Narben, oft häßliche, fühllose. Das gibt es auch. Und da verkümmert´s. Deshalb darf die Kunst – auch weibliche – nie fürsorglich sein und schonend. Was für die meisten von uns Frauen hieße, dass wir uns gegen das uns Anerzogene stemmen müssten.

    Und doch: will ich kein Mann sein! (Es gibt kaum etwas, dessen ich mir s o sicher bin.)

    • @Stefan Beck Oje, die Feminismusfrage. Hab‘ den Text gerade mal gelesen und gemerkt, darauf zu reagieren würde Konzentration brauchen, die mir momentan nicht zur Verfügung steht.
      Und das ist auch bereits schon eines der Dinge, die mich in solchen Kontexten immer irritieren: dass ich das Gefühl habe, ich müsse mich erstmal gerade hinstellen, bevor ich Stellung beziehen kann… hm.
      Hab‘ zu viele Fäden in der Hand zur Zeit. Bin selbst so eine Art Notstand.

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