Wickelranken. Freitag, 2. September 2011

Was mir an Bieris Ausführungen gefällt, ist die “Was wäre wenn” – Fragestellung im Titel. Er suggeriert, hier geht’s nicht um Belehrung, sondern um Gedankenspiel.
In dieser >>> Rede stecken eine Menge Antworten auf die Frage, warum die Spiralen des eigenen Denkens manchmal so ins Leere tasten, besonders die spekulativen: Sie finden einfach nichts zum Festmachen. Kann auch gut aussehen, bleibt aber selbstbezüglich.
Für Zaunwicken und Künstler:innen eigentlich kein Problem. Oder vielleicht ja doch. (Für letztere ; )

p.s. Phorkyas hatte einen weiteren Link zu Bieri übrigens >>> hier ins Gespräch gebracht. Motiviert durch meine Seminarvorbereitungen (die Saison geht wieder los) nehme ich unsere Fäden wieder auf. Mein Anliegen dabei ist ein sehr persönliches: Ich versuche, mir ein klareres Bild zu machen, wie sich das Innere mit dem Äußeren verweben und dabei das Bewusstsein der eigenen Identität stärken kann. Solche Fragen nämlich stellen mir meine Schüler:innen, wenn auch nicht ganz so verschwurbelt.

Die Sprache der Anderen, 29

[…]
“Das ist ein untrügliches Kennzeichen von Bildung: dass einer Wissen nicht als blosse
Ansammlung von Information, als vergnüglichen Zeitvertreib oder gesellschaftliches
Dekor betrachtet, sondern als etwas, das innere Veränderung und Erweiterung bedeu-
ten kann, die handlungswirksam wird. Das gilt nicht nur, wenn es um moralisch be-
deutsame Dinge geht. Der Gebildete wird auch durch Poesie ein anderer. Das unter-
scheidet ihn vom Bildungsbürger und Bildungsspiesser.
Der Leser von Sachbüchern hat einen Chor von Stimmen im Kopf, wenn er nach dem
richtigen Urteil in einer Sache sucht. Er ist nicht mehr allein. Und es geschieht etwas
mit ihm, wenn er Voltaire, Freud, Bultmann oder Darwin liest. Er sieht die Welt danach
anders, kann anders, differenzierter darüber reden und mehr Zusammenhänge erken-
nen.
Der Leser von Literatur lernt noch etwas anderes: wie man über das Denken, Wollen
und Fühlen von Menschen sprechen kann. Er lernt die Sprache der Seele. Er lernt,
dass man derselben Sache gegenüber anders empfinden kann, als er es gewohnt ist.
Andere Liebe, anderer Hass. Er lernt neue Wörter und neue Metaphern für seelisches
Geschehen. Er kann, weil sein Wortschatz, sein begriffliches Repertoire, grösser ge-
worden ist, nun nuancierter über sein Erleben reden, und das wiederum ermöglicht
ihm, differenzierter zu empfinden.
Jetzt haben wir eine weitere Definition von Bildung: Der Gebildete ist einer, der besser
und interessanter über die Welt und sich selbst zu reden versteht als diejenigen, die
immer nur die Wortfetzen und Gedankensplitter wiederholen, die ihnen vor langer Zeit
einmal zugestossen sind. Seine Fähigkeit, sich besser zu artikulieren, erlaubt ihm, sein
Selbstverständnis immer weiter zu vertiefen und fortzuspinnen, wissend, dass das nie
aufhört, weil es kein Ankommen bei einer Essenz des Selbst gibt.” […]

Auszug aus: “Wie wäre es, gebildet zu sein?”
Festrede Prof. Dr. Peter Bieri, PH Bern, 2005

Kurz mal Kitsch.

… was anscheinend übersetzt heißt: “Lesen ist nicht gefährlich, Nichtlesen schon.”

Via >>> Book Porn

17:19
(Nicht, dass es für Sie von Belang wäre… aber meine neuer Apfel wurde heute geliefert. Mit einem Löwen drin. Siebenundzwanzig Zoll, was für’n Teil.
Kann mich einfach nicht von ihm lösen, geschweige denn vernünftig an diesem, meinem alten Apfel arbeiten, weil der neue so brüllt. Bitte sehen Sie mir mein Abgelenktsein nach, ich komm’ schon wieder zu mir : )

Liepe Vorsicht,

klar bin ich erschroken, als der Bote an maine Tür kam – einschreipen machen mir imer Sorge. Aber dan war es von dir. Das du so sauer bist, damit hap ich aber nicht gerechned!
Ja, ich hap deinen Namen penuzt! Und gekuscht und ales auf dich geschoben. Ich mache das oft! Nachgepen. Ich zwinkere mit dem Auge (das, mit dem ich das imer mache, ist schon fiel faltiger als das antere) und nehme Sachen zurük, bloß, weil ich Ankst hape. Jemant könnte ja merken, dass ich mich für was beseres halte. Und das stimt ja nicht. Wir sind ale nur Halme auf der Wise. Und bezalen noch nicht mal für die. Wir sind ale glaich!
Du schreipst, ich sol mich nicht imer mir dir rauszwinkern, opwol ich doch Schis hape einfach. Das die anderen mich nicht mer mögen, wen die merken, das ich … Okey!!!!!! Du hast ja recht. Aper weist du, seiddem ich nix beseres mehr sein darf, nich mal haimlich, ist ales fiel schlimer geworden mit mir. Na ja, for alem mit mainer Rechtschreipunk, wi du filaicht mergst, aber nich nur. Unt jetst frage ich mich, was das pringen sol, weil, ich mus ja arpeiten unt die Loite werten sich wuntern.

Waist du rad?
Wens geht, schnell bite!

Fülis

Thin line between love & hate. Montag, 29. August 2011

Bin unwirsch heute Morgen, geschätzte Leser:innen. Manchmal werden mir die Verbalattacken Einzelner einfach zuviel. Natürlich lösche ich den Kram, wenn ich mich morgens mit TT beschäftige, aber bis dahin haben das schon x Leute gelesen, die früher am Rechner sitzen als ich.
Muss mich erstmal wieder einkriegen.
Bis später.

19:34
Zum bequemer finden hier nochmal der Link zu Marshall Rosenbergs >>> “Nonviolent communication”, auf den Steppenhund in einem Kommentar unter “Inszenierungsjunkies” verwiesen hat.

stay alert or stay away

stabilize
three pounds of fish daily for better results
sure?
oh, definitely
make me come but make shure i don’t cheat
is there anything i can do, he asks
well, i say, maybe you could use your brain
install bigger landscapes
i always put them into transparent envelopes to make them feel important
get dressed you big friendly girl, he says
(count zero, nice)
(hm?)
(the name’s nice, for god’s sake.)
(oh.)
he tells me his girlfriend comes from a working class family
and i remember how he once asked me to keep away from him
i smile because there he is now
with his working class girl, good luck, i say
clickclack your handcuffs

mehmet the guy at the gym says i’m gettin’ too strong
seltsamer kleiner Kerl
fierce eyes
lean muscles
you fight, i fight, i say