Da hilft nur: Schlitz reinmachen.
13:36
Bitte achten Sie NICHT auf die Fingernägel.
Guten Morgen. Paulus Böhmer steigt eben in den Zug nach Hannover, um am Nachmittag den Hölty Preis entgegenzunehmen: die höchstdotierte Auszeichnung, die hierzulande für Lyrik vergeben wird. Ich. bewundere. sein. Werk. Vor einigen Jahren raffte ich mal meinen ganzen Mut, schrieb eine lange Geschichte über ihn. Eine Art Anverwandlung. Doch dann passierte etwas, das mir, seitdem ich am Computer arbeite, vielleicht zwei-, höchstens dreimal passiert ist: aus Versehen löschte ich den ganzen Text. Vielleicht besser so. Ein Engerling schreibt über einen Schmetterling: kann man vielleicht drauf verzichten.
Er malt auch, übrigens. Kollagen. Die sind mindestens ebenso irre wie seine Langgedichte. Der Ausschnitt unten ist Teil eines solchen, das sich locker über vierzig Seiten hinzieht. Die sprachliche Schwungmasse ist so gewaltig, dass man sich tief ins Schelf drücken müsste, um nicht weggespült zu werden, da lässt man sich lieber freiwillig mit fortschwemmen.
Wäre gern mitgefahren nach Hannover. Nur, Feierlichkeiten, während derer ständig jemand niest und schnaubt, sind inakzeptabel, nässende Menschen sollten zuhause bleiben.
Schön auch für den Verlag übrigens, der nicht groß ist: die druckfrische Publikation kriegt jetzt bestimmt eine Banderole oder sowas in Sachen Hölty.
Liebe Leser:innen, bin nicht besonders sprachmächtig heute, verzeihen Sie meine mageren Wortketten. Nebenan in Die Dschungel erfahren Sie mehr über den Dichter und seine Geschichte. Und falls Sie im nahenden Herbst mal Lust auf eine fuel injection haben – Böhmer. Man kann das kaufen. Wie erstaunlich, immer wieder: eine Innenwelt einfach kaufen zu können.
19:39
Lieber, geht mir in der Fieberdämmerung grad durch den Kopf, würde ich immer sagen wollen: “Ich war das” als: “Ich war das nicht.” Ja. Auch bei jenen Dingen, auf die ich nicht stolz bin. Ich möchte sie getan haben, lieber, als dass ich sie nicht getan haben würde. (Stimmt das jetzt so mit dem Konjunktiv??) Ich will mich auch lieber entschuldigen, vor mir selbst und anderen, für Dinge, die ich getan, als für jene, die ich versäumt habe.
Das ist jetzt ziemlich vage. Komme darauf zurück, wenn der Kopf entwattetvagt ist.
(aus: “Am Meer”)
Paulus Böhmer
Am Meer. An Land. Bei mir.
Trilogie. ISBN 978-3-941126-06-0 * 148 Seiten
Bestellen bei Verlag Peter Engstler
Das Grippeschaf hat keine Kraft
erschlafft leckt es am Hustensaft
das Gras schmeckt widerlich nach Lauge
der Kopf hängt schwer, es tränt das Auge
Der Virus legt noch einmal nach –
Schaf legt sich hin.
Ins Schafgemach.
Der Methoden sind viele.
Diese hier könnte man den vertikalen Zettelkasten nennen.
12:16
Dem Beispiel ANH’s folgend, hab’ ich eben meinen Schreibtisch aufgeräumt. Und bin selbstverständlich bereit, dies ebenfalls mit vorher-nachher Fotos zu belegen:
Vorher:
… ach, ich hab’s mir anders überlegt ; )
Seit drei Tagen steht der blaue Container aus Übersee vor meinem Haus. Ich hab’ nicht mitbekommen, wann er abgestellt wurde, und von wem. Drei Parkplätze hält er belegt, niemand nähert sich ihm. Hm. Was da wohl drin sein mag? Hanjin.com ist ne shipping company aus Übersee, hab’s eben gegoogelt. Aber was ist drin und wird es nicht schlecht werden, wenn nicht bald jemand die Luken öffnet und es rausholt? Ist die Ladung gefährlich? Oder gar … lebendig?
Wär’ glatt ne Schreibübung für meine Seminaristen.
Bin krank. Leg mich wieder ab.
17:39
Eben hat der FAZ Fotograf, der nachher kommen und mich für einen Artikel fotografieren sollte, den Termin verschoben.
“Ich bin krank! Wissen Sie, wie lang’ ich gebraucht habe, mich aus dem Bett zu hiefen und fotografierfähig zu schminken?” grolle ich in den Hörer.
“Tut mir leid, musste eben noch einen Botschafter dazwischen schieben, und nun wird es mir zu spät. Morgen 15 Uhr, passt Ihnen das?”
Jetzt steht bei mir ja nicht jeden Tag ein Fotograf auf der Matte, und auch Artikel über mich in der FAZ sind eher rar. Also. Bleiben Sie professionell, Frau Kiehl. Reißen Sie sich am verdammten Riemen.
“Geht in Ordnung.”
Freundlich. Und klick.
Was tu’ ich jetzt mit dem bemalten Gesicht? Abschminken und wiederunterdieDeckekriechen? Ein Foto machen?
Mal sehen.
19:23
“Ich wirke auf andere immer so, als könne ich Bäume ausreißen, dabei langt’s oft nur für ein Grashälmchen” schreibe ich einer Freundin. Und erzähle das einer anderen vorhin am Telefon.
“Aber Du willst doch g a r nichts ausreißen..” sagt die.
Tja.
Da ist was dran.
…………………………………………………………………………………………Schweigen…………………………………………
Ich unterrichte dieses Wochenende in einer Wasserburg, mit Schwänen und allem. Im Ernst. Und die Jeans zwickt, weil ich im Seminarmodus immer so viel Futter brauche.
Grr.
Ansonsten alles paletti.
Muss wieder los : )
20:56
Oje, ich schaff’s nicht, heute auch nur noch eine einzige Zei
02:32
Das Schöne, wenn man um zehn wegen totaler Erschöpfung ins Bett gesunken war: um zwei wacht man wieder auf. Dreht sich ein Weilchen. Klemmt sich die Decke hierhin und dahin. Schlaf wieder ein, Gehirn, Du Dussel. Meine Güte, wird doch nicht schon Morgen sein, mal Licht an machen: zwei Uhr fünfzehn. Fatale Zeit.
Ok, jetz ruhig bleiben. Mach mal Fenster auf, schnief dir die Nase, trink was. Hm, nix zu trinken da. Doch, Wasserhahn. Fremdes Zimmer.
Hm , was machen. Ist noch wer wach? Nebenan dreht sich ein Kollege im Bett, die Wände hier müssen aus Pappe sein. Mords Burg, aber ein Gästehaus mit Wänden aus Pappe. Na gut.
Stille über Borken.
Ja, bin in Borken. Das ist in Westphalen. Es gibt Schwäne im Burgsee, aber auch schwarze Hühnchen en masse. Wer ist noch wach: ah, der lobster. Und Oleg “May” Popov.
Hi.
Draußen, ich hörs grad, singen die Stipendiaten.
Die werden morgen was müde sein..
Ich mag die Nacht hier; nix mit Außenbeleuchtung, das ganze Burggelände rabenfinsterschwarz, leichter organischer Geruch vom Graben. Kühle. Das Federvieh dümpelt schlafend auf dem Wasser, gell.
Guten Morgen! Die Seminarsaison geht wieder los. Und mir fiel vor ein paar Tagen in einem Gespräch mit einem Freund auf (nicht zum ersten Mal, geb’ ich zu), dass sich dieser Teil meiner Arbeit nirgendwo im Netz abbildet.
“ich hätte gerne eine site, die neue aufträge im seminarbereich ermöglicht, aber auch meine qualifikation als texterin und redakteurin darstellt. die auf den ersten blick kreativität aus allen rohren feuert, aber gleichzeitig ein professionelles angebot macht” schrieb ich dem Freund,
“ich bin eben beides: künstlerin/autorin und texterin/trainerin. das habe ich selbstdarstellungstechnisch noch nie unter einen hut gebracht und auch nicht bringen wollen.”
“es ist also vorrangig keine handwerkliche oder künstlerische frage, wie Ihre website aussehen könnte…” schrieb er zurück, “es geht dabei um die frage der persönlichen identifikation mit dem werbeauftritt?”
Ja.
Also beginnt es jetzt. Bis Dezember hab’ ich eh’ keine freie Zeit, werd’ aber alles merk-würdige dazu in das große schwarze Schreibtischbuch notieren.
Huch.
Muss los!