(Und der Freiheit, Dinge stehen zu lassen. Oder zu löschen.)
Im Laufe eines Tages, einer Nacht durchlaufen wir irrwitzig viele Zustände. Emotionaler Natur. Viele davon sind für die anderen gar nicht wahrnehmbar, viele davon würden wir auch selbst gar nicht benennen können. Man fühlt eben so vor sich hin. Wir chemische Wesen. Gut, wenn man das irgendwo reinpacken kann. In Rezeption oder Produktion, im Idealfall in beides.
Ich zum Beispiel fühle mich immer am besten, wenn die Rezeptoren auf der Sonnenseite auf Hochtouren laufen, während die anderen schweigen. Ultraaufnahmefähig zu sein bringt ja immer extreme Sinnenfreude mit sich. Visionen und Selbstübersteigerung. Übermut! Und das, was ich an solchen hochrezeptiven Zuständen am meisten liebe: Optionalität. Alle Wege nach überallhin liegen dann ausgebreitet da, als hätte man nie bindende Entscheidungen getroffen, als wäre immer noch alles möglich. Ich produziere dann. Ich bin dann reich. Ich nehme meine Ideen ernst. Kein Geld der Welt kann so etwas kaufen.
So ist es hier in K****, für mich.
So ist es vielleicht für andere, wenn sie Drogen nehmen.
Die Schattenseite, leider, ist da nie fern. Ist ja eine Droge, die Wahrnehmungsfähigkeit so auf Hochtouren laufen zu lassen; irgendwann stürzt man ab. Wird das Ganze noch mit externen Drogen unterstützt, sind die Unterschiede sicher noch gravierender. Kein Mensch hält dieses Tuning auf Dauer aus – wenn man Pech hat, schaltet sich die negative Gegenbewegung schon ein, während man sich noch hart an der Sonne segelnd wähnt. (Zwei, drei solcher Tage hatte ich hier auch schon, da schien mir alles zwischen den Fingern zu zerrinnen. Aber weil die Bedingungen zum Fühlen hier grandios sind, ließ das schnell wieder nach)
Fühlen.
Darum geht es.
So wenig, wie mir mein tauber Muskel nützt, wenn kein Nerv ihn lebendig macht, so wenig nützt mir das Denken, wenn ich kein Gefühl daran befestigen kann. Nein, nicht befestigen, sagen wir, wenn kein Gefühl es in Schwingung versetzt, das Denken. Klingt alles sehr schlicht, ist aber wahnsinnig schwer im Arbeitsalltag. Wir halten uns zwar alle für höchst empfindsame Wesen. Doch dieses Empfinden wird nicht gebraucht: Arbeiten und Empfinden passt nicht besonders gut zusammen. Niemand will wirklich und ernstlich wissen, wie es uns geht. Im Grunde wäre es oft ehrlicher, statt “Wie geht es Dir?” etwas anderes zu fragen, nämlich: “Kannst Du meinen Erwartungen entsprechen”?
(Ich schreib das alles hin, ohne zu feilen)
Lässt man sich tatsächlich fühlen, vergegenwärtigt man sich dann auch noch, was man da fühlt, bringt das Konsequenzen mit sich. Erstens, man ist plötzlich ziemlich weit oben, da, wo die Möglichkeiten sind. Die wehen geradezu, die Möglichkeiten! Zweitens, man ist ziemlich allein. Und drittens, man hat mit einem Mal etwas zu verlieren, das sich schwer benennen lässt. So etwas wie Authentizität. Mit sich selbst deckungsgleich sein. Und das, werte Leser:innen, ist was ganz anderes als das, was ich “Selbstinstrumentalisierung” nennen würde. Mit der ich zum Beispiel meinen Arbeitsalltag zuhause bewerkstellige.
(Ist einigermaßen klar, was ich meine, oder scheint es mir nur so in dieser glühenden Hitze hier? Ah, die Schmelzpunkte! Wie ich sie liebe)
Heute Nacht gab es etwas Aufruhr hier auf TT: ich las es heute morgen und hab’s gelöscht. Nicht ohne Bedauern. Weil ich weiß, dass diese beiden Seiten eben zusammen gehören: mit aufgespannten Sonnensegeln fährt man aus und ist ganz kirre vor lauter Empfinden, und dann, ganz plötzlich, schlägt das um. Ich kenne das; so laufen diese Dinge manchmal. Ist in Ordnung: hoch lebe die Ambivalenz.
Nur, dass ich eben keine persönlichen Fehden in meinem Revier dulde. Schon gar nicht, wenn sich die Attacke nicht gegen mich, sondern gegen einen Dritten richtet, der dann ebenso scharf reagiert.
Leid tut mir das trotzdem. Wer Aggression wegretouschiert, hat nämlich meines Erachtens ein Problem: dass man die Wärme, die Liebe, das Überbordende nicht haben kann, ohne ihre Schattengeschwister.
Glaub ich. Steh’ dazu.
Und les’ das jetzt nicht mehr Korrektur! : )
20:15
Ui. Jetzt hab’ ich aus Versehen von diesem Zeug getrunken, das schon L. neulich schachmatt gesetzt hat. Himmel hilf, ich hab’ einen im T.