TTag, 8. Juli 2010. Sich instand setzen.

Erstmal erledigen, was dringend an Auftragstext zu tun ist.
Zitronenmelisse auf die Hände sprühen.
Nackte Fußsohlen auf den Boden.
Die Wirbelsäule spüren.
Hals in den Himmel.
Gehirn begrüßen.
Kaffee.
Los!

Das mit dem Hals in den Himmel klappt nicht immer…

13:10
Selbst das Netz ist heute wie Gallert: nichts tut sich. Was’n los? Alle in Schockstarre wegen des verpassten Finale?

17:32
Ja, es gibt noch ein paar Punks im Stadtteil. Sie sitzen da vor dem rewe in der Sonne und sind blutjung und sehr höflich. Ich weiß weder, warum sie (äußerlich) Punks sind, noch, warum sie glauben, das sein zu müssen. Sollte ich das wissen wollen? Keine Ahnung. Ich geb’ ihnen meistens was. Schon allein als Ausgleich für die wirklich entsetzlich dummen Kommentare, mit denen sie von vielen Passanten bedacht werden.
Sind wir jetzt schon zu arm, ein paar Punks mit durchzukriegen, oder was? Wer partout nicht arbeiten will, sollte nicht arbeiten müssen, wer bettelt, sollte nicht auf irgendeinem Instrument rumklimpern müssen. Blödes Getue immer, dass man nur den Bettelnden etwas gibt, die etwas “dafür tun”. Oder nur, wenn sie keinen Alkohol kaufen. So ein Quatsch.

23 Gedanken zu „TTag, 8. Juli 2010. Sich instand setzen.

    • Ich meinte den “Raum” TTag 100707.
      Ohne Bezug auf Inhalt oder Akteure.
      Obwohl, keiner der Räume wird ja jemals abgeschlossen –
      sie bleiben ja dauerhaft zutretbar.

      “zutretbar” mannOmann! Das Fischen tut mir noch nicht gut. Ich bin völlig nüchtern, Ehrenwort!

    • (Na ja, ohne Inhalt und Akteure wäre der RaumTag ein wenig fade, oder?)
      Nein, abgeschlossen ist das nicht, glaube ich, aber wenigstens ein kleines Wärmegewitter wollte ich heute Morgen herbeiführen. Ob’s abgekühlt hat?

      Fischen bei diesem Wetter ist übrigens nicht ratsam. Seien Sie lieber der See.
      Bin auch nüchtern, seit Tagen schon. Der Alkohol hierzulande scheint mir seit den Zaubertränken in K**** etwas schnöde.

  1. @17:32 Das ist brandheiß.
    Gerade arbeite ich an einer Serie von Beiträgen für mein Blog, das ich nun doch wieder neu aufmachen will. Mir ist aufgefallen, dass es in meinem wunderschönen Land kein verbrieftes Existenzrecht gibt. In Ihrem ebenso wunderschönen Land ist es nicht viel anders, wenn ich mich nicht irre.

    Stattdessen existiert eine paradoxe Situation:
    Da ist kein Recht auf menschenwürdiges, weil ausreichendes Einkommen.
    Da ist kein Recht auf Erwerb eines solchen mittels Arbeit.
    Und dennoch thront die Pflicht zur Arbeit (der zugewiesenen, selbstverständlich).

    • Zunächst einmal: schön, dass wir Sie bald besuchen können!

      Zum politischen: ich äußere mich selten diesbezüglich, weil ich nur normal informiert bin und das für eine wirkliche Meinungsbildung, so, wie ich mir das vorstelle, nicht ausreicht. Geschweige denn für irgendwelche öffentlichen Aussagen.
      Was mich aber wirklich nervt, ist dieser Leistungsgedanke, der allen übergeworfen wird, diese blöde Moral, jeder müsste arbeiten. Finde ich nicht. Die, die wollen, sollten es dürfen und davon auch leben können. Die anderen, die aus Gründen, die mich nur am Rande etwas angehen, wirklich n i c h t arbeiten wollen (oder können), sollten versorgt sein, ohne dass man sie als Dreck ansieht. Oder sie mit Maßnahmen piesackt, die teurer zu organisieren sind, als wenn man ihnen das Geld gleich einfach auszahlen würde.
      Wir müssen weg von diesem: wenn ich mir den Rücken krumm schaffe, darf d er nicht auf der faulen Haut liegen.
      Ich glaube, es sind nur ganz wenige, die wirklich auf der faulen Haut liegen wollen. Im Ernst. Die brächten wir locker durch, glaube ich. Und sollten es ihnen gönnen. Wer möchte denn mit jemandem tauschen wollen, der fürs Nichtstun Geld bezieht? Ich könnte es nicht…
      Es sind die anderen, die mir Sorgen machen. Die ihre Identität über Arbeit definieren und keine finden. Für die braucht es gute Denker, die zu Lösungen finden. Nicht für die paar Faulenzer.

      Das ist alles nicht meine Domäne.
      Hoffentlich ist das nicht allzu absurd, was ich hier von mir gebe.

    • Es geht um eine bislang ungewohnte Dimension von Freiheit.
      Aber davon später und an anderem Ort…

      Nachtrag: es ist kein Fünkchen absurd.

  2. Zu 17:32 Uhr Ich gebe Ihnen völlig recht. Wenn sich einer auf den Boden wirft und erniedrigt vor mir, das stößt mich richtig ab. Damit will ich nicht sagen, dass es keine Opfer gibt. Wenn jemand Opfer von Gewalt und Unterdrückung wird, verdient er/sie Mitleid und Unterstützung. Aber die “Inszenierung als Opfer” die ist eine überflüssige Selbst-Demütigung, die ich zutiefst ablehne. In Berlin kam ich immer an einem Punk vorbei, der sagte: “Haste ne Mark? Hab kein Bock zu arbeiten.” Das ist ok. Ich gab ihm ´ne Mark (war noch zu DM-Zeiten) und wir waren beide gut gelaunt – und mussten keine Welt-Schmerz-Miene generieren.

    Bloß die Frage verstehe ich nicht: “…warum sie glauben es sein zu müssen…” Vielleicht mögen Sie einfach die Musik. Mag ich auch. “Put some sugar on it…” (als Ergänzung der Link, damit´s jeder mal hören kann: http://www.youtube.com/watch?v=CMu5zb7uN1I)

    • Vor mir soll sich bittschön niemand auf den Boden werfen. Auch als Opfer nicht. Sie wissen ebensogut wie ich, dass Opfer von Gewalt und Unterdrückung erst recht das bisschen Stolz zusammenhalten müssen, mit dem sie neu anfangen. Wenn sie’s denn überhaupt schaffen. Ihren gelegentlichen Andeutungen entnahm ich, dass Sie wahrscheinlich weit häufiger mit solchen Lebenswelten konfrontiert sind als ich.

      Die Stiftung, für die ich arbeite, hat ein Leitmotiv, es heißt “Menschen stark machen”. Klare Aussage. In meinen Schreibseminaren tu’ ich im Grunde auch nichts anderes, da ich meistens mit jungen Menschen arbeite, die Migrationsgeschichten haben.

      Aber das ist ein anderes Thema. Mir ging’s in meiner kleinen Bemerkung nicht um jene, die etwas verändern wollen, sondern um die, die einfach s e i n wollen, ohne jemanden damit zu verletzen. Warum muss man die unbedingt auf den “rechten Weg” bringen?
      Unsere Jugendlichen aus gebildeten Milieus gehen ins Ausland und arbeiten in Sozialprojekten. Prima. Doch ich könnte mir auch vorstellen, dass man alle angehenden Lehrer mal einen Monat lang Praktikum als um Bares heischender Punk auf der Straße machen lässt.
      Und Bettelnde regelmässig als Gastdozenten in die Schulen schickt, damit sie erzählen, wie man am besten an die Kohle der Passanten kommt.
      Warum? Weil wir in unseren sozialen Milieus zu abgeschottet sind. Deswegen sind wir auch empfänglich dafür, wenn man uns einreden will, die hätten das falsche Leben und wir das richtige.
      Ich bin mir da gar nicht so sicher. Wir sind größtenteils einfach Konsumenten in einem System, das keine Alternativen zum Konsum zulässt.

      Okay, das ist jetzt wirklich komplett schnell rein getippt. Genau deswegen lass’ ich’s jetzt mal so stehen. Wenn ich zuviel überlegte, würde ich wahrscheinlich nichts sagen, das für mich “richtiger” wäre. Es würde nur besser klingen.

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