(…) “Hier finde ich es entspannt, auf den beiden anderen blogs ist es mir irgendwie zu ambitioniert und anscheinend von “Denkgebäudeanskizzierungen” da schon besetzt” (…)
Aussagen wie diese, die gestern im Zusammenhang mit der Bilderdiskussion auftauchte, machen mich nachdenklich. Zum einen, ja, auch ich bin gern entspannt. Zum anderen las ich gestern leicht irritiert den Überlegungen hinterher, die andernorts zum Thema weiter gingen, während von Intensität (geschweige denn Relevanz) auf TT fast nichts mehr zu spüren war.
Was, zum Henker, ist gegen Ambition einzuwenden? Gegen Denkgebäude? Wenn die verhindern, dass interessante Themen in der Verbalschaumparty verenden, ist mir das allemal lieber als Entspannung.
Woran mir allerdings liegt, ist eine gewisse Durchlässigkeit.
Früher, während des Studiums, hatte ich ein riesiges Atelier mit anderen zusammen. Da war man, außer sehr früh morgens, eigentlich nie allein. Ein paar von uns malten, die anderen hingen auf den ausgeleierten Sofas rum, tranken Unmengen Kaffee (jaja, nicht immer nur Kaffee) und gaben ihre Meinungen ab, falls man sie denn hören wollte. Gelegentlich auch, wenn man sie partout nicht hören wollte. (Meinungen werden überschätzt)
Klar, klingt genau so, wie man sich’s vorstellt bei Kunststudenten, aber so war das eben. Es wurde endlos geredet, aber auch unmäßig viel gearbeitet. Und da wir alle voneinander wussten, womit wir uns gerade abquälten (soll keiner behaupten, Malen sei entspannend), wusste man auch immer, von welchem Punkt aus ein bestimmtes Argument, eine bestimmte Meinung, losgeschossen wurde: man gestand sich gegenseitig – wenn schon nichts anderes – eine gewisse Maßgeblichkeit zu. Wer arbeitet, darf auch ausreden.
Tja, so war das.
Sie ahnen, worauf ich hinaus will.
Hier auf TT spüre ich immer wieder, ich komme mit jenen Kommentator:innen am besten zurecht, die eine eigene Präsenz im Netz haben, völlig unabhängig davon, ob sie sich dort mit ihrem Privatleben zeigen, mit Kunst, Literatur, was auch immer; ich lasse mich gerne in andere Welten locken. Anonyme dagegen bleiben Phantome. Das wäre – um das Bild der Studentin zu bemühen, again – so, als wenn damals durch die offenstehende Ateliertür ein Windhauch gegangen wäre. Ein paar Minuten später wäre dann auf einem freien Stück Wand aus dem Nichts ein Satz aufgetaucht.
Wir hätten uns gefreut über diesen wundersamen Akt. Den Satz gelesen. Meinetwegen auch diskutiert und in eine neue Arbeit eingebaut, vorausgesetzt, er hätte etwas magisches gehabt. Wenn allerdings ständig neue, redundante, Sätze unsere Wände langsam so vereinnahmt hätten, dass kein Platz für unsere Bilder mehr gewesen wäre, wir hätten angefangen, uns zu ärgern. Und den Kram übermalt.
Verzeihen Sie mir die Schlichtheit meiner Nachtigall… mir liegt daran, dass mich die Phantome verstehen, deren Zeug ich immer wieder löschen muss. Was mir nicht immer fix gelingt, weil ich parallel zu diesem Weblog auch noch ein, zwei andere Kleinigkeiten in Arbeit habe.
Sie, geschätzte Leser:innen, sind übrigens nicht gemeint – ich habe nichts gegen Pseudonyme. Nur gegen Beliebigkeit.
To whom it may concern: Sie sind, so leid mir das tut (und das meine ich ernst) nicht maßgeblich für mich. Ich muss auch keine Wand übermalen, um Sie loszuwerden. Die Löscherei ist ein bißchen lästig manchmal, aber was solls. Nein, was mich als Künstlerin wirklich betrübt, ist, wie freiwillig Sie darauf verzichten, sich Gewicht zu verschaffen.
Sie kennen das Ding mit dem Satz, der Berge versetzen kann, oder? Sie aber kriegen nicht mal einen Maulwurfshaufen aus der Achse gerückt.
Try harder, kann ich da nur sagen.
Und vergessen Sie die Entspannung. Die kommt danach, for god’s sake.