Die Last, die Last. Mittwoch, 4. Mai 2011

Mal keine Nachrichten gelesen, deswegen guter Dinge. Stattdessen Konzept ausdenken und verfassen für eine beauftragte Workshopreihe in einem städtischen Museum, Karre zum TÜV fahren, Friseur, Hanteln, abends Rendezvous in einer nahegelegenen Eisdiele oder Grillen (spontan entscheiden), verdammt, das Künstlerleben ist hart und entbehrungsreich.
Naja hilft nix, muss man eben durch.

Situation Room. Dienstag, 3. Mai 2011

Überlegungen zu der Rubrik “Freistil-Enklaven” hatte ich schon länger. Der auslösende Moment allerdings kam heute, als ich mich wie jeden Morgen durch die Nachrichtenseiten wühlte. Ich las vom Situation Room. Das ist die high-end Version jener Orte, an denen man das Sein an der Tür abgibt und sich ein Verhalten überstreift, bevor man den Raum betritt, dachte ich. Sonst kommt man gar nicht erst rein. Nun ist klar, geschätzte Leser:innen, dass Verhalten als Folge des Seins anzusehen ist, doch wir alle wissen, da sind Unterschiede in der Gewichtung … es gibt definitiv Situationen, in denen man mehr ist, als sich verhält, und andere, in denen man sich eher verhält als ist. Hängt von den Menschen ab. Und den Orten.
Was wäre die Umkehrung eines Situation Room, wo sind die Orte, an denen Sein mehr Gewicht hat als Verhalten? Öffentliche Räume scheiden sofort aus. Kirchen? Nimmermehr. Gärten? Natur? Vielleicht. Privaträume … hm … wenn sonst niemand drin ist, ja.
Alleinsein ist eh das Stichwort. Falls Sie wie ich zu jenen gehören, die davon nie genug bekommen können, wissen sie, was ich meine.
Ich meine: Freistil. Räume ohne Hierarchie. Entmilitarisierte Zonen. Dort, wo man Verhalten abstreift und erstmal i s t: Private Arbeitsräume und Ateliers. Freistil-Enklaven wird Räume zeigen, in denen Leute schöpferisch leben und arbeiten. Unsere eigenen Situation Rooms, wenn Sie so wollen – allerdings mit umgekehrter Gewichtung.
Warum?
Na, vor allem, um unser aller visuellen Neugier zu frönen, wie sich Eigen-willigkeit in Räumen manifestiert. Unterschiede und Gemeinsamkeiten, Chaos oder Pedanterie? Aber auch einfach, um Schaffenskraft sichtbar zu machen: Wir, wir sind nämlich auch Nachrichten. Und zwar gute. Was zu beweisen wäre.

Falls Sie Lust haben, dabei zu sein, schicken Sie mir ein Foto, die mailadresse steht im Impressum. Bin mal gespannt. Falls keine Einsendungen kommen, ist’s auch nicht weiter schlimm – TT kann’s auch alleine richten ; )

Wirr, aber entschlossen. Sonntag, 1. Mai 2011

Geschätzte Leserschaft, es muss etwas geschehen, entweder dieses Fräulein hier muss früher aufsteh’n, oder weniger nachdenken beim Schreiben, oder alle fünfe gerade sein lassen und einfach weniger Gedankliches zur Veröffentlichung bringen wollen (als ob davon die Welt unterginge, nicht wahr), wie auch immer, schon ruft die Familie mich aufs Land, die Schwester, die Cousine, der kanadische Hausfreund, nicht zu vergessen die Frau Mama, sie rufen zwar freundlich, aber durchaus hörbar, ich hätte ihnen einen Sonntag zugesagt mit Spargeln und Strickjäckchen, wenn’s auf der Terrasse kühl wird, je nun, da stellt frau sich nicht taub, da packt sie ihr Körbchen, verlässt die Wohnung und versucht sich zu erinnern, wo die Karre geparkt ist, anstatt den Text über Hausfrauen, Leitern und gordische Knoten weiterzuschreiben, den sie heute Morgen begonnen hat, immerhin schon um acht, da wäre eigentlich Zeit gewesen, wenn sie nicht so lahmarschig … aber es wird ein guter Text und sie nimmt das Laptop einfach mit zum Landbürgertum, man wird ihr ein Stündchen die Gnade nachlassender Aufmerksamkeit schenken von Seiten der Familie, da ist sie ganz sicher. Na na, jetzt hören Sie mal auf zu sabbeln, Fräulein, und springen Sie rein in den ersten Mai, immerhin gibt’s davon nur einen pro Jahr, da muss man doch zulangen.
Heftig, aber herzlich grüßend,

Ihr TT!

21:31
Zurück. Natürlich ließ die Aufmerksamkeit nicht so merklich nach, das ich mein Laptop zücken und mich irgendwie in Ruhe hätte niederlassen können, um zu schreiben, weitere Freunde trafen ein, kaum, dass sie von nachmittäglichen Pflaumenkuchenorgien mittels Telefon informiert worden waren, Sahne wurde geschlagen, Stühle und Liegen je nach Sonnenstand von hier nach dort geschleppt, einzelne Gruppen zogen sich in die Gartenbibliothek zurück, bis einer fand, es sei genug, er wolle jetzt seinen Updike lesen dort drin und die anderen sollten, bitteschön, woanders plaudern, die Mutter geriet zwischendurch ein wenig hektisch ob mehrerer unangekündigter Gäste und musste beruhigt werden, der Spargel reichte dann doch für alle, auch der Kuchen, kurz, die Landpartie war ein voller Erfolg und Miss TT muss jetzt dringend ein Wannenbad nehmen, zwecks innerer Einkehr.

Heute im Angebot: Zitate polieren!

“Am besten kommen diejenigen Männer mit Frauen aus, die ebensogut ohne Frauen auskommen.” (Baudelaire)

“Am besten kommen diejenigen Frauen mit Männern aus, die ebensogut ohne Auskommen auskommen.” (Miss TT)

Immerhin ist Sonntag. Da könnte man doch wirklich mal all diese fleckigen Zitate auf Vordermann bringen, oder? Allen, die heute den Tag am Comp verbringen müssen oder wollen, sei hiermit ans Herz gelegt, sich mal eines herzunehmen und vom Grind der Zeit zu befreien. (Mich juckt’s grad in den Fingern, mich mal an Oskar Wilde zu versuchen ; )