Situation Room. Dienstag, 3. Mai 2011

Überlegungen zu der Rubrik “Freistil-Enklaven” hatte ich schon länger. Der auslösende Moment allerdings kam heute, als ich mich wie jeden Morgen durch die Nachrichtenseiten wühlte. Ich las vom Situation Room. Das ist die high-end Version jener Orte, an denen man das Sein an der Tür abgibt und sich ein Verhalten überstreift, bevor man den Raum betritt, dachte ich. Sonst kommt man gar nicht erst rein. Nun ist klar, geschätzte Leser:innen, dass Verhalten als Folge des Seins anzusehen ist, doch wir alle wissen, da sind Unterschiede in der Gewichtung … es gibt definitiv Situationen, in denen man mehr ist, als sich verhält, und andere, in denen man sich eher verhält als ist. Hängt von den Menschen ab. Und den Orten.
Was wäre die Umkehrung eines Situation Room, wo sind die Orte, an denen Sein mehr Gewicht hat als Verhalten? Öffentliche Räume scheiden sofort aus. Kirchen? Nimmermehr. Gärten? Natur? Vielleicht. Privaträume … hm … wenn sonst niemand drin ist, ja.
Alleinsein ist eh das Stichwort. Falls Sie wie ich zu jenen gehören, die davon nie genug bekommen können, wissen sie, was ich meine.
Ich meine: Freistil. Räume ohne Hierarchie. Entmilitarisierte Zonen. Dort, wo man Verhalten abstreift und erstmal i s t: Private Arbeitsräume und Ateliers. Freistil-Enklaven wird Räume zeigen, in denen Leute schöpferisch leben und arbeiten. Unsere eigenen Situation Rooms, wenn Sie so wollen – allerdings mit umgekehrter Gewichtung.
Warum?
Na, vor allem, um unser aller visuellen Neugier zu frönen, wie sich Eigen-willigkeit in Räumen manifestiert. Unterschiede und Gemeinsamkeiten, Chaos oder Pedanterie? Aber auch einfach, um Schaffenskraft sichtbar zu machen: Wir, wir sind nämlich auch Nachrichten. Und zwar gute. Was zu beweisen wäre.

Falls Sie Lust haben, dabei zu sein, schicken Sie mir ein Foto, die mailadresse steht im Impressum. Bin mal gespannt. Falls keine Einsendungen kommen, ist’s auch nicht weiter schlimm – TT kann’s auch alleine richten ; )

8 Gedanken zu „Situation Room. Dienstag, 3. Mai 2011

    • Leider habe ich keine Möglichkeit, meinen Alleinmitmirdenkundschreibraum zu fotografieren, denn den gibt es nur in meinen Innenwelten, und zwar mehrfach. [Mein inneres Gebäude ist groß und verwinkelt.] Da bin ich allein für mich und dort schreibe ich meine Texte, von denen die Welt da draußen noch nicht viel weiß. Stattdessen könnte ich Ihnen allerdings mein Arbeitszimmer vorführen, doch ist eben dieses auch Klavierzimmer (mit einem Klavier, auf dem ich nur die ersten Töne von Beethovens Neunter klimpern kann), Ankleidezimmer und Gästezimmer. Mit anderen Worten, es fehlt an Klarheit, denn es ist bei weitem nicht so, wie ich es gerne hätte, und da auch Sie gerne etwas anderes hätten als dieses Geschreibsel, lösche ich es wieder. Oder? Andererseits liebe ich mein Arbeitszimmer, es ist wie ein Burgfried, nicht nur von der Lage, sondern auch von der Stimmung her.

    • Nun, Sie haben doch ein Text-Bild geliefert, also will ich nicht meckern. Wenngleich mir doch noch einige Details fehlen zu einer fülligeren Vorstellung: zum Beispiel, auf was Ihr Blick fällt, wenn Sie schreiben, ob Ihre Schuhe mir Spannern versehen sind, und was Sie mit all den Gästen machen, die Sie beim Denken unterbrechen wollen: kommen die in den Kleiderschrank? Ich wünsche weiterhin Frieden in der Burg!

  1. Spiegelzimmer Das ist die Umkehrung von Situation Room: ein kostbares Zimmer im “DU”, voll von schweren Kristallspiegeln, kunstvoll beschliffen, festlich glitzernd. Ist aber nicht immer leicht auszuhalten, in den Spiegelungen mit den unabweislich eigenen Defiziten konfrontiert zu werden (sag ich aus schmerzlicher Erfahrung).

    • Defizite, ich versteh’ schon, verlangen immer nach dieser ominösen Arbeit an sich selbst, zumindest in unserer Kultur … ich erinnere da gerne an meine Mutter, die meinem Vater, als wir ihn auf See über die Wellen streuten, die Asche ihrer Klagen und Selbstzweifel hinterherfliegen ließ, graue Flocken, die schnell außer Sicht waren und irgendwann später dann auch aus ihrem Sinn … vielleicht sollten wir mehr über Rituale der Selbstbefreiung nachdenken und weniger über das, was wir als unsere Defizite ansehen, lieber Kienspan (?)

    • Naja, also so ein Kristallspiegelzimmer bietet ja auch die Möglichkeit, den einen oder anderen verwinkelt-verstohlenen Blick auf den eigenen knackigen Hintern zu werfen, der einem immer so unzureichend vorkam (issja auch eine Form von Selbstbefreiung, nicht wahr? ; )

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