Dieter Forte / Auf der anderen Seite der Welt

„Das Meer lag in der tiefen Nacht in einem schweren ruhigen Atem, in einer Stille wie vor der Geburt, während das herausgestoßene, abbrechende Todesatmen eines Menschen den Tag erwartete, das Licht weit hinter dem Meer, das wie ein jahrtausendealter schwarzer Stein unter den Sternen schlief.“

“Auf der anderen Seite der Welt”, S. Fischer Verlag, 2004

Zugetragen von Aléa Torik.
Die zugleich auch auf >>> ihren eigenen Text zu Romananfängen verweist.

Künstler oder Lebenskünstler? Dienstag, 2. August 2011

Was bedeutet diese Unterscheidung? Sind das unterschiedliche Prozesse, die aus den einen Künstler, aus den anderen Lebenskünstler machen? Warum hängt letzteren der Verdacht an, es „nicht geschafft“ zu haben und was hat das mit dem (existenten oder nicht existenten) freien Willen zu tun?
Bis nachher. Muss erst einmal nachdenken.

00:15
Ein, zwei Anmerkungen hatte ich noch machen wollen zu einigen Kommentaren. Aber vorhin traf Semioticghosts ein, mit zwei Exemplaren des neuen Gibson. “Zero History”. Da legen wir uns jetzt hin damit. Und beginnen es simultan. Page one.
Der erste Satz heißt: “Inchmale called a cab for her, the kind that had always been black, when she’d first known the city.”
Sie versteh’n bestimmt, das hat gerade Vorrang.
Bis morgen und gute Nacht, geschätzte Leser:innen : )

Das Handwerk der Freiheit. Sonntag, 31. Juli 2011

Bin nicht richtig da und nicht richtig fort. Es hat auch keine (was gelegentlich passiert) Verpuppung stattgefunden, die mich dann für Tage oder Wochen aus dem Rennen nimmt, bis ich mich aus dem Cocon säble, um mit neuer Kraft … Sie wissen schon.
Auch der Impostor gibt Ruhe. Kein Neugeborenes, kein Welpe, keine Freundin mit Liebeskummer zieht an meiner Aufmerksamkeit und ich hab’ auch kein neues äh… Hobby. (Ich hab’ keine Hobbys)

Ich bin einfach beschäftigt. Erinnen Sie sich an diese alten Fieberthermometer? Haben Sie mal eins fallen gelassen? Ich schon. Als Kind. Da versuchte ich natürlich, die ganzen auseinanderwitschenden Quecksilberkugeln zu einer großen zu verbinden. Man musste sie nur ein bißchen anstubsen. Meine Großmutter bekam fast einen hysterischen Anfall, als sie mich das tun sah. Ich glaube, so manisch bin ich in meinem ganzen Kinderleben nie wieder gewaschen worden.
Warum erzähle ich das?
Weil man für das Handwerk der Freiheit nicht in die Lehre geht, sondern in – sich. Und mir scheint im Moment, es sind keine Glasperlen, mit denen eine da spielt.
Ich bitte Sie um etwas Nachsicht, geschätzte Leser:innen, falls sich nicht immer alles gleich erschließt, was ich in diesen Tagen schreibe. Kommt alles mit der Zeit! Versprochen!
Vor allem mir selbst versprochen.

Bestand.

Der Mann ahnte nichts, als das Zählen begann. Die Finger. Zehen. Seine Großmutter hatte auch immer gezählt, als er noch klein war. Und eididei, zwei Ohren dabei. Kinder sind das gewohnt, die Großen wollen wissen, woran sie sind mit den Kleinen. Ob alles dran ist. Die Kinder quieken.
Während der Mann jetzt gezählt wird, schweigt er. Es ist nicht wie früher; es hört nicht mehr auf. Die Frau singt auch nie. Sie zählt jedes Haar einzeln. Sie trägt die Ziffern in ihr Buch ein. Sie hat eine Lupe.
Sie hat auch eine Spritze. Wenn ich mit den Haaren fertig bin, sagt sie, zähle ich Deine Blutkörperchen.

Objektiv betrachtet. Dienstag, 26. Juli 2011

Strümpfe, Jeans, schwarzer Büstenhalter unter weißer, eng anliegender Bluse. Haare hochgesteckt, Haltung gerade, Augen geschwollen. Creme aufgetragen. Ebenso auf Gesicht und Hände. Kaffee. Erstes Wort gesprochen. Konzentration bei ca. sechzig Prozent. Nachrichten gelesen. Außentemperatur am Fenster zwanzig Grad Celsius.
Ein Tag im Juli des Jahres 2011. Alles, was an ihm interessant ist, wird dort stattfinden, wohin Objektivität niemals gelangt.

13:04
Ach, übrigens: Den perfekten Satz zum Thema Geistesgegenwart (die sich mir heute ((verdammtnochmal)) noch nicht zugesellt hat) finden Sie stattdessen >>> drüben beim Kollegen Schein.