Künstler oder Lebenskünstler? Dienstag, 2. August 2011

Was bedeutet diese Unterscheidung? Sind das unterschiedliche Prozesse, die aus den einen Künstler, aus den anderen Lebenskünstler machen? Warum hängt letzteren der Verdacht an, es „nicht geschafft“ zu haben und was hat das mit dem (existenten oder nicht existenten) freien Willen zu tun?
Bis nachher. Muss erst einmal nachdenken.

00:15
Ein, zwei Anmerkungen hatte ich noch machen wollen zu einigen Kommentaren. Aber vorhin traf Semioticghosts ein, mit zwei Exemplaren des neuen Gibson. “Zero History”. Da legen wir uns jetzt hin damit. Und beginnen es simultan. Page one.
Der erste Satz heißt: “Inchmale called a cab for her, the kind that had always been black, when she’d first known the city.”
Sie versteh’n bestimmt, das hat gerade Vorrang.
Bis morgen und gute Nacht, geschätzte Leser:innen : )

103 Gedanken zu „Künstler oder Lebenskünstler? Dienstag, 2. August 2011

  1. Künstler-Lebenskünstler!? Der Begriff des Lebenskünstlers wurde in den letzten Jahrzehnten meiner Ansicht nach eher verschmitzt (und mit einer Tendenz zum Negativen) verwendet für Menschen, die sich vermeintlich durchmogeln, ihr “Ding” machen und unkonventionell ihren Lebensunterhalt bestreiten. Bis zum dreißigsten Lebensjahr wurde so etwas in unserer Gesellschaft akzeptiert, wer danach nicht “vernünftig” wurde oder einen sichtbaren Nutzen aus seinen “Spinnereien” zog, schadete nicht nur sich, sondern allen – so jedenfalls dürfte die Denke der meisten Menschen ausgesehen haben. Heutezutage, in einer durchkommerzialisierten und effizienzsüchtigen westlichen Welt mag das aber anders sein, so jedenfalls mein Eindruck. Künstler allerdings mußten schon immer auch Lebenskünstler sein, Lebenskünstler allerdings nicht unbedingt Künstler. Hier taucht natürlich die Frage auf, ob jemand aus freien Stücken Lebenskünstler ist und aus dem “Vollen” schöpft, oder ob solch eine Lebenshaltung aus der Not geboren ist und damit zusammenhängt, daß er oder sie in normalen Zusammenhängen nicht funktionieren würde, es nicht schafft. So hinge der hier zutage tretende freie Wille, die Möglichkeit zur Entscheidung, unter anderm auch von den mitgebrachten Fähigkeiten ab, von Nervenstärke, Leidensfähigkeit, Phantasiebegabung, Humor, von Intelligenz und Charakterstärke. Fragen über Fragen, schwer zu beantworten.

    • Ich, da oben bei dem Kommentar, da fällt dass ich vollkommen, hätte er geschrieben, ICH bin der Meinung.
      Hat er aber nicht und so bleibt einem nichts anderes übrig als zu widersprechen.
      Die Dinge sind immer anders, meine ich.
      Was ein Künstler zumm Künstler macht ist dass was er schafft. Lebenskünstler sind wir dagegen alle und das ist meine kleine Meinung.

    • fehlt…dass ICH fehlt vollkommen, vielleicht fällt es auch, ich weiß nicht, aber manchmal, denke ich, ich bin der einzige Lebenskünstler, weil ich fällt schreibt, wenn ich fehlt meine, wie wunderbar, hoch lebe das völlig überflüssige Sonnensystem!

    • @Diverse Pferdchen Wessen Meinung soll’s denn sonst sein, wenn nicht seine? Muss man das immer dazu schreiben? Nein. Finde ich. Außerdem: Lesen Sie genauer. Schlinkert schrieb “meiner Ansicht nach”.

    • @Norbert W. Schlinkert Genau das mit dem Durchmogeln gibt mir zu denken. Ich glaube, so werden unangepasste (auch ein Wort, das inzwischen negativ besetzt ist) Menschen noch immer wahrgenommen. Wäre schön, wenn ich mich täusche.
      Ein Lebenskünstler wäre für mich jemand, der seinen/ihren beruflichen, gesellschaftlichen und sozialen “Erfolg” nach eigenen Kriterien bemisst und sich damit wohl fühlt. Der diesen Zauber (huch, Kitsch), der darin liegt, sich selbst die beste Instanz zu sein, auch anderen so vermitteln kann, dass sie neugierig werden. Vielleicht sogar angeregt.
      Künstler:innen, da stimme ich zu, sind immer auch Lebenskünstler, umgekehrt muss das nicht sein.
      Ich habe mich beispielsweise immer gefragt, ob ich das wirklich m u s s. Schreiben. Zeichnen. Überhaupt künstlerische Ausdrucksformen entwickeln. Ob ich DAS PRODUKT brauche, um mit mir selbst im Einklang zu sein.
      Solange ich mir diese Frage mit “ja” beantworte, mache ich weiter.

    • @Phyllis Wer sich lange genug durchmogelt, ohne die sozusagen in ihn gesetzten negativen Erwartungen zu bedienen, wird am Ende wohl meistens akzeptiert, weil seine oder ihre Kriterien nicht schaden. Aus einem “Sei doch endlich vernünftig!” wird dann irgendwann ein “Hauptsache, Du fühlst Dich wohl in Deinem Unvernünftig-Sein-Müssen”. Durchhalten heißt die Parole, (ich schreib’s mal dazu, kost ja nix:) meiner Ansicht nach.

    • Das ist der Punkt. Nicht schaden.
      Nicht boykottieren.
      Nicht ansteckend sein.
      Gut, dass die Hauptsachen, im Gegensatz zur Unvernunft, nicht vom Wohlwollen anderer abhängen.

    • das wort “unangepaßt” scheint mir angemessen, weil beide kategorien den sozialen konventionen widersprechen. weshalb ich meine, die unterscheidung ist keine unterscheidung aus sich heraus, da sie von außen kommt. der schlichte versuch, lebensweisen zu definieren, die den beiden gemeinsam sind: den sozialen konventionen nicht zu entsprechen und dennoch das leben zu fristen. mit kunst selbst hat das wohl nichts zu tun. auch weil in solchen fällen der künstler als solcher von außen her definiert wird und insofern zu einer konvention wird. da trabt ein lebenskünstler dann ganz für sich außerhalb aller mengenlehre. und zieht seine eigenen kreise, alle krisen kreisen (künstler haben: kreißen) lassend.

    • @Parallalie, ebenfalls verspätet Ich suchte nicht nach Definitionen von außen, sondern nach Haltungen von innen. Merke aber, dass meine ursprüngliche Fragestellung das offen ließ.
      Dass “der Künstler” – ebenso wie “der Lebenskünstler” – zur Konvention werden, wenn nur das Etikett sichtbar ist: klar. Sie werden aber, so wie es sich mir im heutigen Gespräch darstellt, auch zur bequemen Projektionsfläche.
      Bin mir trotzdem nicht sicher, ob ich Sie richtig verstanden habe. Mir schwirrt momentan etwas der Kopf.

    • @phyllis ich lese nie wirklich mit, was in solch langen threads steht, da schwirrte auch mir der kopf, der leider woanders sein muß. also nur ein kommentar meinerseits, der das thema für mich andenkt. ich glaube aber, mein letzter satz hat schon etwas von einem selbstverständnis. wozu geschichten gehörten. wie ich überhaupt meine, daß alle kommentare mit geschichten unterfüttert sind. – im italienischen gibt es solch eine unterscheidung nicht: entweder man ist künstler oder stammt aus böhmen. aber man kann auch von böhmen aus ins meer stechen, man vgl. das wintermärchen. pardon, aber ich kann nichts für meine art zu antworten.

    • wie wird man Lebenskünstler? Sie sind es nicht von Beginn an, sie reifen dazu. Das ist meine These.
      Es ist die Art des Reifungsprozesses, die den Unterschied ausmacht zwischen künstlerischen und nicht-künstlerischen Lebenskünstlern. (wie seltsam das klingt ; ) Am Ende des Reifungsprozesses steht bei beiden aber die nüchterne Tatsache, dass sie in ihrem so-geworden-Sein eine Reihe höchst unerquicklicher Lebensumstände überlebt haben. Das schaffen nicht alle.

      Künstler sind unausweichlich mit der Tatsache konfrontiert, mit Ablehnung fertig werden zu müssen, sobald sie in der Öffentlichkeit sichtbar werden. Auch die parasitären Tendenzen der Umwelt müssen sie aushalten – damit meine ich das “hypen” ebenso, wie das genüssliche Reiben mancher Zeitgenossen an ihnen. Nicht-Künstler überstehen mit mehr oder weniger viel Eleganz ausgeführte Beugeversuche, die letztlich auf kalte Erpressung hinauslaufen. Damit meine ich Entrechtung und Verdinglichung des Menschen in der abhängigen Erwerbsarbeit. Beide halten gesellschaftlichem Anpassungsdruck stand – der Künstler aus Überzeugung und um seine Kunst nicht zu verraten, der Nicht-Künstler aus Überzeugung und um sein umfassendes Menschsein zurückzugewinnen.

      Der freie Wille zeigt sich dabei, wie Schlinkert meines Erachtens zutreffend andeutete, gerade im bewussten Aushalten der unbequemen Konsequenzen des Ausscherens aus dem gesellschaftlichen Konsens, wie Leben stattzufinden habe. Aber wie schon eingangs gesagt: ich meine, dass viele beim Versuch auf der Strecke bleiben oder sich erschöpft wieder ins Kollektiv einordnen.

      Als Beispiel für einen Künstler, der auch als Lebenskünstler wahrgenommen wird und der tatsächlich aus dem “Vollen” schöpfen konnte, fällt mir spontan André Heller ein. Interessanter sind für mich aber eher jene Lebenskünstler, die Not und Bedrängtheit intensiv kennengelernt und überwunden haben, Erika Pluhar zum Beispiel. Das macht deren besondere Haltung aus – eine Haltung, zu der die Masse nie findet.

      Wenn ich mir die Masse der Konsumenten aufmerksam ansehe, lese und hinhöre, was sie zu sagen hat, dann gibt das dem von Phyllis aufgezeigten Verdacht eine besondere Klangfarbe: “Er hat es nicht geschafft so zu werden wie wir.” Wie mag das wohl in den Ohren eines Lebenskünstlers klingen? Ich denke, er lacht befreit dazu.

    • Aber besser ists doch immer den Wedekind direkt zu lesen, als sein ohnehin knappes Geld, in ein Buch zu investieren, dass am Ende gar nix taugt.

    • @Diadorim Das Leben sucht sich seinen Weg, sagte kürzlich jemand zu mir, und ich dachte, hui, gegen Aussagen, die allzusehr stimmen, hab’ ich schon immer Allergien entwickelt…

      Danke für die Empfehlung! : )

  2. Was ist das Frau Talente, haben Sie ein Problem mit Ihrem Selbstwert, oder mit Kritik im allgemeinen, oder warum muss das postwendend gelöscht werden, wenn jemand äußert, dass derartige Fragen überflüssig sind?

    • Ich habe unzählige Begründungen, ich fürchte nur, keine davon würden Sie verstehen, Sie und ihresgleichen hier an diesem weltfremden wohl behüteten Ort.

    • @Der Stimmenimitator Um das gleich mal vorweg zu nehmen, ja, ich habe ein Problem mit meinem Selbstwert. So what. Um den geht’s nicht, wenn ich Kommentare lösche. Ich mag einfach dieses hingerotzte Ablehnen nicht, ohne Begründung, auf Nachfrage immer noch ohne Begründung. Außer, dass dies hier ein weltfremdes Weblog sei. Extrem uninteressanter Standpunkt Ihrerseits. Finde ich. Und löschenswert. Finde ich.
      Es gibt doch Weblogs wie Sand am Meer. Vielleicht finden Sie ja eines, auf dem Ihre Äußerungen mehr gewürdigt werden. Denn hier, falls Sie sich nicht mal mehr ins Zeug legen, werde ich Sie weiterhin löschen.

    • Das lese ich häufig hier, Frau T., das man doch bitte weiterziehen möge. Sie wollen also keine Auseinandersetzung, sondern dass man einander mag, harmoniert und gegenseitig die Seelen streichelt.
      Dennoch, Sie können es ja gleich löschen, hier ein paar Begründungen: grade verhungern wieder zahllose Kinder, die niemals die Möglichkeit hatten, sich Gedanken über die Kunst des Lebens zu machen, andere werden verfolgt, gesteinigt, fliehen vor Kriegen usw. Ich denke es gibt schon relevantere Themen als immer wieder der Blick auf den eigenen Nabel.
      So und nun können Sie löschen. Ich komme auch nicht wieder. Versprochen.

    • @Der Stimmenimitator Ach was. Ich mag Auseinandersetzungen. Manchmal sogar noch, wenn andere geschätzte Kommentator:innen dieses Weblogs schon längst die Geduld verloren haben.
      Ich stimme nur fürs Weiterziehen, wenn ich denke, da gibt’s einfach keine Verbindung. Im Falle wedelnder Moralkeulen zum Beispiel. Die bewirken bei mir einen komplett gegenteiligen Effekt.

    • was denn? das war’s schon wieder?
      schlinkerts überlegungen waren ihnen nicht relevant genug?
      d a s ist ihre begründung?
      ich denke, sie sind denkfaul.

    • @Fangeisen Respektabler Versuch. Aber Ich kenne dieses Argument des Stimmenimitators schon unter anderen Pseudonymen. Ich halte es für furchtbar überheblich.
      Als würden sich Introspektion und Engagement im Außen ausschließen. Ich denke eher, das Gegenteil ist der Fall.

    • Verehrteste, streng genommen handelt es sich ohnehin um Nichts als Wiederholungen bei den Gesprächen, die hier stattfinden, wobei Sie das offenbar nicht realisieren, solange Ihnen die Wiederholungen Spaß machen.
      Und bitte verwechseln Sie nicht Introspektion mit dem Austausch hohler Worte. Introspektion kann sich durchaus mit von Ihnen so genannten “wedelnden Moralkeulen” auseinander setzen, die hohlen Worte gehen da scheinbar schnell aus.

    • Meine Güte, wie trickreich, einen Kommentar mit “Verehrteste” zu beginnen. Da blüht doch ein hohlwortiges eitles Wesen wie ich gleich mal auf!
      Nee, mein Lieber. So kommen wir nicht weiter.
      Mit welcher Expertise erklären Sie denn ein Thema oder eine Diskussion, die hier stattfindet, als beendet? Denn erst, wenn sie beendet wäre, könnte sie ja wiederholt werden.
      Wie auch immer.
      Ich schreibe, was mir entspricht. Kommentator:innen reagieren darauf, wie es ihnen entspricht. Dies ist ein Ateliertagebuch.

    • Meine Güte, wie billig, eine Diskussion mit dem Hinweis darauf, dies sei ein Ateliertagebuch zu beenden.
      Aber Sie schrieben es ja bereits selbst, Sie schreiben, wie es Ihnen entspricht.

    • Nicht billig. Legitim.
      Ich diskutiere mit Menschen, die mir gefallen. Das heißt nicht, dass deren Meinungen und Haltungen mit den meinen harmonieren müssen, übrigens. Sie allerdings, mit Ihren ewigen Vorwürfen, inspirieren mich einfach nicht zu mehr.

    • Ich kenne genug Widerstände, bei denen das Gegenteil der Fall ist, insofern hält sich mein Bedauern in Grenzen, was den Ihren anbelangt.
      Und nu’ muss ich mal eine Runde konzentriert arbeiten. Sie bestimmt auch.

    • Liebe Phyllis, die erste Reaktion war richtig, meiner Meinung nach. Wer zu faul ist, eine Begründung zu liefern, führt keine Diskussion und kann auch nicht den Abbruch einer solchen reklamieren. Andererseits lässt sich mit den “Kommentaren” dieser Leute sogar Geld verdienen, nämlich hier: http://hatr.org/ Locken Sie ihn noch ein wenig aus der Reserve, schnüren Sie dann ein nettes Päckchen aus seinen Absonderungen; die Werbeeinnahmen gehen an einen guten Zweck.
      ____
      Zu der Diskussion über LebenskünstlerInnen und KünstlerInnen kann ich dagegen kaum was beitragen. Dahinter steckt eine Frage, die ich (mir?) nicht (mehr) stelle. Nämlich: Was/wer will ich sein? Ich frage ich immer bloß: Was will ich tun? (nur für das letztere stellt sich, glaube ich, überhaupt die Frage nach dem freien Willen.)

    • Irgendwie … sympathisch, wie der Stimmenimitator dieses öffentliche Ausbreiten von Luxussorgen moniert: Mein Respekt gilt denen, die für 8 Euro Tariflohn auf dem Bau malochen, 8 bis 10 Stunden am Tag, daher ihren Selbstwert generieren … und dafür keinen Blog brauchen. Und dann den Baustellenstaub schweigend mit einem Bier runterspülen …

      TT war auch schon mal interessanter: Solche Diskussion wie die hiesige scheinen (!!!) mir lediglich verlorene Zeit, da sie sich permanent im Kreis drehen und ohne jeden intellektuellen Mehrwert bleiben … Désolé. Merci de votre compréhension, Mme. P.!!

      p.s.: Erschreckend, wie sich alle gegen einen (den Imitator) stellen, vermutlich um Mme. P. gegenüber sich zu opportun zu zeigen: Lo spirito della gregge …

    • @Beifall: Acht Euro! Da können manche Künstler nur von träumen, selbst wenn das trotzdem für jede Art Arbeit deutlich zu wenig ist. Was Sie, Beifall, übrigens verlorene Zeit nennen, wird auch nicht bezahlt, warum auch, ist ja nur Denken, keine Maloche, und allein die zählt. Ist es nicht so? Geistige Arbeit ist überflüssig! Das meinen Sie doch, oder? Warum wollen Sie eigentlich Arbeiter und Künstler gegeneinander ausspielen, das macht doch überhaupt keinen Sinn, das wird ja nicht mal bezahlt. Wahrscheinlich wissen Sie nichts von der Arbeit auf dem Bau und ebenso wenig von der Arbeit des Künstlers. Was machen Sie denn so, wenn Sie nicht grade mit allem Respekt den Bauarbeitern beim Arbeiten zusehen?

    • @Beifall: Findense? Ihre Malocher posieren heut bestimmt nur noch für ne Cola-Werbung und selbst Metal ist heute straight edge – früher ja da…

      Na, im Ernst ich würd ja auch gern Stimmen imitieren, aber diese moralinsauren Einwürfe erscheinen mir nun wirklich nicht geeignet intellektuelle Feuerwerke zu zünden. Wollen Sie hier Spendenbanner sehen, oder eine Diskussion darüber warum es keine gibt? Oder ein Äquivalent zum World Press Photo 2010, damit man sich schön gruseln kann – und genauso wenig seinen Finger rührt. (Na, bevor ich noch meinen Moralinsauren bekomm)

    • @Beifall Schön, dass Sie jetzt was dafür tun. Dass TT interessanter wird, meine ich. Ich war schon ganz désolé.

      Was wünschen Sie sich denn? Was vermissen Sie? Echte Sorgen statt Luxussorgen? Immer Bewertungen, immer Etiketten, ich versteh’s nicht. Tun Sie doch etwas. Ändern Sie etwas. Stellen Sie Ihre brennende Frage.

      Dieses Ding mit den Bauarbeitern übrigens: wenn ich sowas behaupten würde… das klänge derartig bescheuert, ich will’s mir gar nicht erst vorstellen. Das ganze Respektgerede, wenn es so verschenkt wird, bedeutet mir gar nichts. Und meine Großmutter selig hätte einfach nur gesagt, man kann nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Oder ein sanftes Ringen um Begriffe mit dem Wirbel im Zementmixer. Sorry. Das führt nirgendwohin, glaube ich.

    • @Marc Hellstedt Berechtigte Frage, warum Diskussionen für manche darin bestehen, ein Klischee gegen ein anderes in den Ring zu schicken. Hab’s noch nicht rausgefunden, was der Reiz daran ist.
      Oder warum sich Leute Zeit nehmen, hier zu schreiben, die nichts betasten und ergründen, sondern nur etikettieren wollen. Was motiviert die? Wer hat denn so viel Zeit, sich an einem virtuellen Ort aufzuhalten, der ihm oder ihr nichts “bringt”?
      Das ist eine komplett naive Frage. Ich ziehe sie zurück.

  3. Der Photokünstler macht eine Kunst draus. Der Ballkünstler macht eine Kunst draus. Der Gedächtniskünstler macht eine Kunst draus. Der Eiskünstler macht eine Kunst draus. Der Seifenblasenkünstler macht eine Kunst draus. Ebenso der Lebenskünstler. Er gestaltet sein Leben nach den Maßgaben der Kunst. Die anderen knipsen einfach. Oder boltzen. Oder merken sich mit Mühe drei Telephonnummern, oder pappen einen Schneemann zusammen oder pusten Seifenblasen. Oder leben halt so vor sich hin.

  4. Werte Phyllis, Sie sind vermutlich daher eher Künstlerin als Lebenskünstlerin, weil – wie Sie in einem Kommentar aus anderen Gründen schrieben – Probleme mit Ihrem Selbstwert haben, wobei ich das sanfter formulieren mag : Selbstzweifel haben. Lebenskünstler sein kann man nur ohne das, Künstler nur, wenn man eben diese Zweifel immanent in sich trägt, das Geschaffene hinterfragt. Ich denke, das ist vielen Schöpfenden, ich vermeide hier mal das Wort Kreative, gemein. Es nutzte Ihnen wenig, sagte ich Ihnen, diese Zweifel seien nicht notwendig, und doch : Sie sind hochintelligent, gebildet, einfallsreich, kommunikativ, originell, nachdenklich, sprachlich versiert und bildnerisch mehr als interessant. Ich denke, Sie sind eine sehr angenehme Person und eine gutaussehende Frau. Ihr Blog ist abwechslungsreich, tiefsinnig, unterhaltend, sachlich und persönlich. Bliebe nur noch, Sie um die Ehe zu bitten. Da ich aber weiß, daß ich eher keine Bereicherung Ihres Lebens wäre, lasse ich das. Werden Sie sich nun sicherer fühlen ? Nein, aber Sie werden weiter schreiben, weiter zeichnen, immer wieder hadern und dadurch sich weiterentwickeln. Daher sind Sie Künstlerin, keine Lebenskünstlerin. LG tinius

    • @Tinius Das fegt mich aber jetzt aus der Denkerpose! Ich hüpfe! Wow. Tut sehr gut, zwischendurch ein Lob und einen anerkennenden Blick zu bekommen. Vor allem, wenn er so schön formuliert und humorvoll und unerwartet hereinschneit.
      Stimmt, das wird mich von meinen Selbstzweifeln nicht entbinden. Nicht lang. Aber für heute ganz bestimmt. Merci. (boingboing!!!)

      LG Phyllis

      p.s. Als Gattin wäre ich völlig ungeeignet. Ich schweige tagelang am Stück und mein Lieblingspyjama ist zwanzig Jahre alt.

    • Ein Ziel habe ich also immerhin erreichen können. Das ehrt mich. Und es war mir Freude und Bedürfnis, es mindestens zu versuchen. Ich hänge nicht allzu sehr an einem Stück amtlichen Papiers, ein Pyjama, sei er noch so alt, hinderte mich nicht, so er sich ab und an dezent verkrümelte, und schweigen – nun, ich habe noch 5000 ungelesene Bücher, zudem müßte ich ja dann meiner neuen Muse gerecht werden und mein Blog mit himmelhochjauchzender Lyrik füllen. 😉 In diesem Sinne : LG tinius

    • Die himmelhochjauchzende Lyrik, lieber Tinius, wird (das werden Ihnen all jene bestätigen, die über Musen verfügen) genau dadurch garantiert, dass man sie nicht heiratet ; )

      In diesem Sinne : LG Phyllis

    • Ich hoffe aber, der Versuch, Ihre Frage im Beitrag nach meinem besten Wissen und Gewissen zu beantworten, ist in meinem Ausgangskommentar trotz des darin geäußerten Lobes nicht untergegangen. 🙂 LG tinius

    • @Tinius, leicht verspätet Ein Lob verstellt mir nicht die Sicht, im Gegenteil, es macht mich locker und aufnahmefähig für Inhalte und Diskussionen jeglicher Couleur, lieber Tinius! Gerade inmitten der heutigen Beiträge.

  5. Metaphorisch KünstlerInnen sind solche, die Schreib-Lese-Operationen auf das System Kunst applizieren.

    Bei solchen, die das nicht tun und sich Irgendwas-Künstler nennen, ist der Begriff Künstler nur metaphorisch gemeint.

    Viele Grüße
    Stefan

  6. Hey super, diese Frage habe ich mir auch schon immer wieder gestellt. Dabei ist es ganz einfach, liebe Dichter, der Künstler stellt sich solche Fragen, der Lebenskünstler hat das nicht nötig.

    • Unbegreiflich! Auf TT denken so viele Kommentatoren und Kommentatorinnen so oft, dass der jeweils andere unbedingt recht haben will oder sich über andere “erheben” will. Zieht ein spannendes Blog wie TT neben interessanten Menschen besonders viel dumme Menschen an? Es sieht so aus. Auf anderen Blogs passiert so etwas viel seltener, auch im richtigen Leben sind die meisten Menschen doch erst einmal interessiert und neugierig, ohne gleich Schlimmes zu denken. Wenn jemand spricht, sagt er seine Meinung, das ist alles. Gleich einen Krieg anzufangen, weil andere eine eigene Ansicht haben, sieht den Einfältigen auf jeden Fall ähnlich. Schade, ohne diese Übergriffe wäre TT noch besser.

    • Unbegreiflich, nun auch von mir betrachtet.
      Krieg ist auch in meinen Augen nicht der richtige Begriff. Zumal es genug davon gibt und da bekanntlich Menschen sterben. “Ein-fältig” (als Gegensatz zu “viel-schichtig” definiert) sind manche Reaktionen aber schon. Auch aggressiv.
      Mir zu aggressiv.
      Dabei macht es für mich einen Unterschied, ob solche Aggression sprachlich interessant vorgetragen wird oder nur als Blubber. Einen Gast wie Edith88 zum Beispiel nehme ich ernst, auch wenn ich mich von ihr angegriffen fühle. Als Person, wohl gemerkt, nicht argumentativ.
      Gestern aber zum Beispiel schrieb jemand einen äußerst vulgären Kommentar zu Phorkyas, ich löschte ihn, fünf Minuten später erschien er erneut, ich löschte ihn natürlich wieder.

      Diese Art von ein-fältiger Agression ist mir völlig fremd.
      Die Wut – da gebe ich Marc Hellstedt recht – kommt meist aus dem Gefühl, hier auf TT würden sich manche über andere “erheben”.
      Auch das ist mir ein fremder Gedanke. Ich tu das nicht. Die seriösen Gäste hier tun das ebenfalls nicht.

    • Ja, liebe Weberin. Deswegen dauert es auch so lange, bis mal ein paar Leute ein “reales” Gespräch führen.
      Mit Menschen öffentlich zu reden, von denen man nichts oder nur wenig weiß, ist riskant: da sind diese ganzen Projektionen. Die sind ja schon im offline-Leben hinderlich genug. Deswegen sind alte Freunde so etwas besonderes. Weil man die Projektionen im Laufe der Jahre durch Kenntnis und Akzeptanz ersetzt hat. Und Zugeneigtsein.

      Ich bemühe mich immer um Genauigkeit und Achtsamkeit. Und setze das bei anderen voraus – auch hier im Netz. Doch die Bedingungen, so sehr ich mich dagegen wehre, sind andere hier. Manche Leute stehen aus privaten Gründen so unter Druck, dass der verbale Tastsinn verschütt geht. (Ich spreche jetzt nicht von Leuten, die einfach “rumprollen”, wie man früher sagte – lassen wir die mal beiseite)
      Andererseits: liebe ich Überraschungen. Finde auch Irritiertsein nicht verkehrt. Und stelle immer wieder fest, dass es durchaus befreiend sein kann, einfach mal Druck abzulassen. Verbal. Ich bin außerhalb des Netzes ein extrem höflicher und rücksichtsvoller Mensch. Freundlich. Fair. Wie die allermeisten TT Gäste auch, nehme ich an.
      Vielleicht schadet es da gar nicht so sehr, auch eine Ebene zu haben, auf der man sich gelegentlich mal austoben kann. Niemand kommt hier bei Auseinandersetzungen wirklich zu Schaden, die meisten treten eh anonym auf. Dreckschleudern werden gelöscht.

      Lassen Sie uns nicht zu brav werden. Denke ich mir gerade.

    • Frage an Miss TT Es fällt auf, dass diese immer wieder aufflammende Diskussion um die Frage, wer ist ein Künstler und was macht ihn aus, zu polemischen, oft prolligen Reaktionen führt. Ich frage das aus reiner Neugier: Werden Sie diese Diskussion auf TT weiter führen oder reicht es Ihnen langsam?

    • Gar nicht unbegreiflich, finde ich. MARC HELLSTEDT (GAST) fragte danach, ob ein spannendes Blog wie TT neben interessanten Menschen besonders viele dumme Menschen anziehe. Selbstverständlich nicht. Es sind keineswegs dumme, sondern im Kern ängstliche Menschen, welche die eigenen Insuffizienzgefühle im Außen abwehren (es darf sogar gesagt werden: bekämpfen) – mit äußerster Vehemenz, Penetranz, Vulgarität und roher Gewalt der Worte. Das Ziel solcher Angreifer wird bei zurückgelehnter Betrachtungsweise klar erkennbar: das Auslösen von (spiegelbildlicher) Betroffenheit im Angegriffenen. Sie trachten danach, dem anderen dessen vermeintliche Insuffizienz ans Schienbein zu treten und sie geben erst Ruhe, wenn sie den Ausdruck der Betroffenheit beim Getretenen wahrnehmen können. Meiner Ansicht nach ist das bei solchen Leuten stets als Kampftaktik zu werten und liegt deshalb näher beim “Krieg”, als bei der “sportlichen Auseinandersetzung”. So paradox es klingen mag, sie sind bezüglich ihres Selbstwertgefühls auf den sprichwörtlichen rohen Eiern unterwegs. Überlegungen und Fragestellungen, die sich außerhalb ihres Denkradius bewegen, werden von ihnen als Bedrohung für die eigene Werthaftigkeit wahrgenommen. Diese Bedrohung gilt’s schleunigst verbal zu beseitigen, denn Wegschauen hilft nicht (mehr).

      Die zurückgelehnte Betrachtungsweise: Lebenskünstler (eine Definition als Orientierungspunkt findet sich dort) können das. Deshalb sind sie für durch Angst beeinträchtigte Menschen schon allein durch ihr Dasein eine schwerwiegende Bedrohung. Es wird ihnen nämlich vorgeführt, dass Zufriedenheit im unsicheren Hier und Jetzt tatsächlich möglich ist, während sie selbst atemlos nach immer mehr Sicherheit streben und sich dabei gänzlich erschöpfen. Das erzeugt geradezu unerträgliche Spannung, welche zum Beispiel dadurch entschärft wird, dass den Lebenskünstlern im harmlosen Fall das Etikett “hat’s nicht geschafft” (btw: was denn, bitteschön?) angehängt wird. In weniger harmlosen Fällen kommt es schon mal zu kollektiven Affektstürmen. Aber das führte in ein anderes Thema.

      “… und was hat das mit dem (existenten oder nicht existenten) freien Willen zu tun?” Dazu fällt mir spontan die Geschichte des “Howard Roark” ein und ich meine auch, dass es unterschiedliche Prozesse sind.

    • Antwort an the Walker Die Frage, was künstlerisches Denken ausmacht, ist eine wichtige. Ob jemand Künstler ist oder nicht, ist mir dabei völlig schnuppe. Mich interessiert, wie Identität entsteht und was sie braucht, um zur Blüte zu kommen.
      Da ich aber nun mal Künstlerin bin, fange ich fragend bei dem an, worin ich mich am besten auskenne. Ich biete einen Kontext. Wie der sich im Laufe einer Diskussion erweitert, verfeinert und modifiziert (oder eben auch vergröbert) hängt auch von den anderen Beiträger:innen ab.
      Also, ja, ich werde diese Diskussionen weiterführen. Diese und andere.

    • @Miss TT ff Hätte mich auch gewundert, wenn Sie zurück stecken. In unserer Welt und in den Köpfen der Menschen muss mehr Platz sein als nur für eine Diskussion. Selbst wenn in Norwegen ein Massenmörder unterwegs ist und in der arabischen Welt Despoten ihre Bürger abschlachten. Wer sich daran stört, dass trotzdem hier und dort über nur dem Anschein nach (!) Unwichtiges diskutiert wird, der sollte sein Weltbild mal konsequent zu Ende denken. Was für eine graue, trostlose Welt wäre das.

    • Genau das ist die Welt vor 33 Herr Walker, genau dieses wegsehen und mal ein wenig Freude am Leben haben.
      Die Menschen in Syrien haben ihr Freude an dieser Revolution gehabt, sie wurden umgebracht, sie wären auch umgebracht worden, wenn ich so etwas nicht behaupten würde, aber im Gegensatz zu manch anderen weiß ich wie Menschen sich fühlen wenn sie spüren, dass sie etwas verändern müssen.
      Wenn Sie sich einmal ernsthaft mit der Revolution in Syrien auseiandersetzen würden, hätten sie ein anderes Bild von den Menschen, die dort für Lebensfreude gestorben sind, Lebensfreude die ihn vorher und die ihnen nun endgültig geraubt wurde.
      Hinsehen, Herr Walker, darauf kommt es an.
      Ich weiß es von meiner Großmutter, das wegsehen das Allerdümmste ist, wenn wir schon nicht bei diesen Menschen sind, so haben wir doch die fantastische Möglichkeit, ihnen trotzdem nah zu sein.
      Mit Solidarität und Widerspruch

    • Solidarität und Widerspruch Ich habe das traurige Gefühl, hier setzt man sich lieber mit sich selbst auseinander, als mit Dingen, die das Zeug dazu hätten, den Einzelnen und am Ende die Welt zu verändern.

    • @Moritz Sie unterstellen mir und anderen eine Geisteshaltung, die hier NIEMALS irgend jemand propagiert hat und die Sie, Moritz, auch aus KEINEM EINZIGEN Beitrag ableiten könnten. Wer sagt denn, dass sich die Menschen auf TT NICHT für Syrien, Ägypten, Norwegen und was weiss ich wo interessieren? Wer sagt das? Dass hier andere Diskussionen stattfinden heisst doch nicht, dass das Weltgeschehen die TT Diskutanten nicht interessiert. Was ist denn das für eine Logik? Sie agitieren auf eine ziemlich plumpe und durchschaubare Art und ich muss Ihnen sagen, wenn Sie schon mit 33 argumentieren, dass Ihre Agitation eher nach der Zeit nach 33 klingt.

    • Walker, ich bin enttäuscht von Ihnen, nicht nur dass das Vokubalar identisch ist mit dem, dass nicht nur hier vorherrscht wenn einer was in die kleine Blogwelt schreibt.
      Es sind meine Gedanken, es sind meine Eindrücke, die tun niemanden wirklich weh, die kann man löschen und puff sind sie verschwunden.
      Aber sagen Sie, glauben Sie ernsthaft es interessiert sich einer für etwas wie eine Revolution hier? Hier geht es um Tabus und natürlich ist dabei immer nur das lustige nackte miteinander gemeint, wohingegen gar nichts zu sagen ist.
      Wenn agitiere ich denn hier? Im Ernst, wissen Sie was agitieren ist? Wenn ich vor eine Versammlung stehen würde und ich wüsste die warten darauf dass ich das Richtige und notwendige sagen würde, was mir schwer fallen würde, dann wäre das agitieren, hier sind es nur meine Gedanken zu bestimmten Wörtern die auftauchen und wenn vom wegsehen die Rede ist, so fühle ich dass das nicht richtig ist, so etwas darf man sagen, die BRD ist eine Demokratie, es herrscht noch so etwas wie freie Meinungsäußerung, natürlich, man ist hier in den Räumen lieber lieb zueinander, dagegen ist nichts zu sagen, aber warum bleibt man dann nicht unter sich und tut nicht erst so, als wäre dies ein Freiraum?

    • Zeitfaktor Es geht ja letzendlich auch um die Zeit, die man in Diskussion über Syrien und eine Rede eines Herrn Ziegler nicht investiert, in Gespräche darüber, was einen Künstler ausmacht und wie das eigene Leben am interessantesten zu meistern sei, aber sehr wohl.

    • Lieber Moritz, Sie unterstellen mir und anderen, vor dem Leid der Menscheit die Augen zu verschliessen, wegzusehen. Ist das nicht die Unterstellung eines kompletten Mangels an Empathie für die Menschen, die das grösste Leid auf dieser Welt ertragen müssen? Und das soll keine Agitation sein? Dann kommen Sie mit 33 und unterstellen mir und anderen eine Geisteshaltung, die ähnlich derjernigen ist, die das Dritte Reich erst möglich gemacht hat. Was ist das für eine Unverschämtheit. Das ist sowohl Agitation als auch eine deftige Beleidigung. Sie haben überhaupt gar keine Ahnung, wer sich hier wie und wo sozial engagiert. Soll ich Ihnen meine Mitgliedsnummer bei Amnesty International posten? Würden Sie dann einsehen wollen, dass Sie sich total verrannt haben in Ihrer Mutmassung über die TT Diskutanten?

    • @Moritz Wäre Ihnen bewusst, welche ganz bestimmten Formen von Askese die beiden hier in Rede stehenden Gruppen üben (nicht!: müssen), könnten Sie auch darüber nachdenken, welche Vorzüge für ein Gemeinwesen solch Lebenshaltung hat. Künstler und Lebenskünstler, sowie deren möglicherweise unterschiedliche Werdungsprozesse sind hier das Thema. Das zu Ihrer Erinnerung. Hätten Sie Schlinkerts einführende Äußerung gelesen und bedacht, wäre Ihnen die gesellschaftspolitische Brisanz aufgefallen, welche in diesem Thema steckt. Interessiert Sie offensichtlich nicht, auch gut.

      Stattdessen führen Sie Syrien an, um sich der Denkarbeit zu entledigen. Andere schieben die Hungerkatastrophe am Horn von Afrika vor, um sich nicht am Nachdenkprozess beteiligen zu müssen. Aber halt: Würden Ihresgleichen sich an der Diskussion nicht beteiligen wollen, würden Sie einfach schweigen. Es scheint Ihresgleichen allerdings darum zu gehen, andere zum Schweigen zu bringen mit Argumenten, die schon beim bloßen Hinsehen zerbröseln. Mir fielen einige Kraftausdrücke ein, die Ihre Haltung trefflich charakterisieren würden.

      Da gibt’s Leute, die denken.
      Dann es gibt es Leute, die wollen das Denken anderer lenken.
      Und dann gibt’s noch die Politik. Raten Sie mal, für wen die gemacht wird.

    • @Moritz und wenn vom wegsehen die Rede ist, so fühle ich dass das nicht richtig ist
      Und wenn ich mir die Bilder und Berichte der (Massen-)medien anschaue, dann fühle ich, dass es nicht richtig ist, sich davon betroffen zu fühlen: weil ich nicht dort stehe, weil ich es als eine Anmaßung gegen diese Menschen dort empfinde, hier auch noch für Schlagzeilen herzuhalten. Das mag bequem erscheinen, vielleicht auch zynisch, abgestumpft. [So war das nicht immer. 1999 als im Kosovo gebombt wurde, mussten wir eine Klassenarbeit schreiben und ich saß bestimmt eine halbe Stunde dort und dachte: du kannst da jetzt nichts schreiben, das geht nicht. Dann habe ich erst einmal ein mieses Gedicht an den Rand gekritzelt, was mir im nachhinein äußerst peinlich war – und auch jetzt dies hier zu…]
      Das Thema des Engagements… Alles was ich Ihnen sagen möchte, ist nur, dass es vielleicht nicht so einfach ist. Wie wollen Sie wirklich etwas bewegen? (Sie ziehen dabei eine scharfe Grenze zwischen denjenigen, die nicht über diese Dinge diskutieren wollen und denen deshalb alles Engagement abgesprochen werden muss und jenen, die diese Dinge diskutiert sehen wollen und wohl auch engagiert seien – sehe ich das richtig? – darf ich auch da einwerfen, dass dies vielleicht so einfach nicht sei?, s. die Antwort von Walker)

      PS. @Phyllis, warum wollte mich denn einer anprollen? – Vielleicht war der Kommentar in Richtung des Beifalls etwas polemisch (und ich wollte ihn auch schon stutzen, weil der ja schon genug Gegenwind bekam)

    • Eintopf Nein. Aber ich verstehe auch nicht, was Sie damit meinen. Falls Sie damit meinen sollten, dass ich mir eine ganz persönliche Meinung leiste, gebe ich Ihnen aber Recht.
      P.S.: Was ich nicht begreife, warum sich so viele Disskutanten hier angegriffen fühlen, wenn man Ihnen, wie soll ich das jetzt nennen, widerspricht? oder einfach eine andere Sicht der Welt äußert, dann heißt es, vertun Sie hier doch nicht Ihre Zeit, oder es wird als Angriff, gar als Unverschämtheit gewertet.
      Aber ich habe eh zu viel zu tun, ich halte mich besser hier raus.
      Machen Sie das mal alles in Ihrem Eintopf aus.

    • @Weberin Ich meinte damit, dass Sie sich offensichtlich mehrere Meinungen leisten. Eine für zuhause und wenigstens eine für auswärtige Angelegenheiten. Darauf wollen wir jetzt aber den Deckel belassen, ja?

    • So möchte ich das jetzt nicht unerwidert stehen lassen. Generell halte ich wenig davon, den Deckel auf dem Topf zu lassen, wenn Druck entsteht.
      Ihr Eindruck, dass ich mir mehrere Meinungen leiste ist vielleicht nicht einmal so falsch. Nur geht es nicht darum, eine Meinung für Zuhause und eine für draußen zu haben, das wäre mir zu anstrengend. Meine Anstrengungen und die damit verbundenen Energien investiere ich lieber in Prozesse, auch Diskussionen, die mich verändern und damit – manchmal – auch meine Einstellung zu manchen Dingen, Themen und Menschen.

    • Ritter Kienspan Ich sehe nicht, wo es die Weberin fehlen lässt an Respekt, im Gegensatz zu Ihnen. Aber Sie müssen das wohl anders sehen, damit Sie weiterhin den edlen Retter spielen können.

    • @Der Stimmenimitator Ich glaube nicht, dass die Weberin einen Coach nötig hat. Und Herr Kienspan wird sicher nur auf echte Stimmen reagieren, nicht auf imitierte.

    • Krieg? Sie wissen doch alle ganz genau, wie ich das mit dem Krieg gemeint habe, und jetzt tun alle so, als sei ich der Böse, weil in echten Kriegen Menschen ermordet werden. Der Kontext machts, liebe Mitdiskutantinnen und Mitdiskutanten, aber Hauptsache sich mal kostenlos empören können, huh, da hat jemand ein falsches Wort benutzt ohne Anführungszeichen, da muss man aber jetzt mal erwachsenenpädagogisch eingreifen, auch wenn der Mensch, dieser anonyme Hellstedt, sonst Recht hat, selbst wenn man das nun wirklich nicht so deutlich sagen darf, das mit den Einfältigen und so, wo kämen wir da hin, die sind doch so arm dran, die Doofen, die vielleicht nicht doof sind, sondern ängstlich, was sogar stimmen kann, denn wer ist das nicht, doch wenn man sie nicht ernst nimmt, werfen die am Ende noch Bomben und schießen um sich, das wäre dann Krieg ohne Anführungszeichen, das muss verhindert werden. So, und nun können Sie sich alle empören, bis die Schwarte kracht. Oder ignorieren Sie mich doch, geht auch, ich bleibe friedlich.
      Herzlich, Ihr Marc Hellstedt

  7. Einige Kommentatoren haben das Blog nur immer gleich beschmiert, es kommt aber darauf an, es zu gestalten.
    Immer wieder amüsant, die Rufer nach der Relevanz, es gäbe Wichtigeres, niemand, wirklich niemand hält einen davon ab, sich diesem zuzuwenden, statt es bei den Unwichtigen an die Klowand zu schreiben, dass es das nun mal gebe, worin liegt der Sinn, ich begreife es nicht.

    • Man kann es vor allem wohl da tun, wo es etwas bewirkt, und man kann es vor allem so tun, dass etwas bewirkt, das ist wohl das ganze Geheimnis dabei. Aber jemandem an die Karre fahren und los, sach ma Krauss Maffai, rapportier mal den Spiegel, so gehts wohl irgendwie nicht. Und, man kann noch so viel mehr tun, einfach mal wem helfen, sich als guter Freund erweisen, wo man gebraucht wird, x-mal besser als mit der ewig gleichen Rüttelmaschine anzurücken.

  8. Und ich kann Heine immer besser verstehen, der den Kommunisten nicht über den Weg traute und Angst hatte, sie werden ihm seine Schnurrpfeyffereyn verbieten und die Nachtigallen, die nutzlosen Sänger, aus seinem Wald jagen, und ein bisschen möchte man hier eben auch ge- und verbieten, worum sich die Künste zu kümmern haben, aber so geht es nicht, und so ging es nie, dem Himmel sei Dank. Die Künste, die den Himmel malen, dürfen nicht aufhören, denn sonst bleibt nur Agitprop, wie ihn Ziegler zitiert, und mit vielem hat er Recht, aber nicht mit seiner eindimensionalen Auffassung, dass es reiche, wenn man die Dinge bei den immer selben Worten nennt, nein, gerade das reichte eben der Kunst nie, und das ist sehr gut so.

    • Zum Aufrütteln wollen… gehört auch das Gespür für die Mittel. Außerdem ist mir überhaupt nicht klar, warum ausgerechnet TT, das klar im Kunstkontext positioniert ist, nun als Arena für Diewelteinbißchenbessermacher umfunktioniert werden soll.

      Hab ich mich eigentlich irgendwo unklar ausgedrückt?

      Was sollen dann diese Unterstellungen, hier würde nur so eine Art gruppendynamische Nabelschau betrieben? So ein Unfug! Ich mag nicht manipuliert werden. Ich mag es überhaupt nicht. Ich möchte auch, bittschön, außerhalb meines Erwerbslebens nicht mehr “funktionieren” – schon gar nicht nach den Erwartungen von Menschen, die mich nicht kennen, die nicht wissen, was ich außerhalb des Netzes mache, die nicht beurteilen können, wie weit mein soziales Engagement geht.

      Ich beklage nachdrücklich die Art und Weise, wie manche hier einfach mit ihren Vorstellungen moralischen Verhaltens aufkreuzen. Und real stattfindende Gespräche – Kienspan wies zurecht auf die ursprünglichen Fragen hin – untergraben.

      Die ist ein sehr persönliches Weblog. Ich lasse mir nicht aufdrängen, worüber ich nachzudenken habe. Und mein Handeln schon gar nicht.

    • Kam dazu nicht der Heine gerade recht? – Ich fühlte mich und das entsorgte Gehirn gleich etwas freier, wie an der frischen Luft, ein paar Vögel…

      (Verstehe auch nicht, warum Diskussionen im Digitalen oft zu solch Betonschädeleien verkommen – das will nicht in meinen Betonschädel – von Ihrer Seite kann ich nicht sehen, dass da irgendetwas unklar ausgedrückt worden wäre)

    • spielt hier wieder mal adolf auf ?
      oder adolfonsoes erbinnen, die ein wenig zuviel in der hose hatten an material, an busenmatererial

      üpps ohe smoke, i am the sun notthe son emoyty speiss der lebensatmer, der die lebenige speise nicht verschmäht, der schmauchend rauchende adept eines underclass der dich in effigienhafte desiderate nhineinsteigert, echt, der ?
      diesery ?
      disastries !
      daisycutteredwatednessies

    • Lobster! Jetzt hab ich’s! Kann es sein, dass Sie die Reinkarnation der Marks Brothers sind? Ich meine die Reinkarnation aller Marks Brothers, und zwar in einer einzigen Person. Sind Sie das?

    • die einem keine liebe gibt, die liebt einen.
      das ist genau
      die

      ( ich bin ein künstler übrigens – übrigeäns –geähns — geahn–s —-ÄHS GÄHNS ____ ECHTZEITGESCHRAMMEL NEEN DEM STAMMTISCHGESTAMMEL

    • hey emhase muss dasein können in genausovielen nationen wie schon mal gibt.
      dazwischen irgendwelche warlords ala steinmeyer oder eva metz ( die eine een eingeführte -von mir – figure wäre )
      eva metz also macht metzchen ?
      eva metzt ein bisschen.
      macht einen auf europa, das mätzchen.
      das denke ich.
      z.b.

    • Yes, Mr. Lobster…. ….die Wahrscheinlichkeit, dass das zutrifft liegt mindestens diesseits eines 95% Konfidenzintervals unterhalb der Normalverteilungskurve.

      Aber sorgen Sie – BITTE! – nicht für allzu viele Streichergebnisse. Toleranz hat auch seine Grenzen.

    • Also ist dieses Ereignis nicht signifikant, oder meinen Sie mit “diesseits” doch eher “jenseits”? Oder anders gefragt (für die Geisteswissenschaftler hier bei twoday): Ist es in dem 5%- Bereich, der die Nullhypothese wiederlegt (das ist der Bereich, der in euren Lehrbüchern immer schraffiert ist)? Und wieso haben Sie eigentlich 0,05 gewählt, ich hätte hier auf 0,1 getestet. Fragen über Fragen!

    • Ach, Mettigel, heizen Sie das Ding bloß nicht wieder an. Die Diskussion, sicherlich nicht die letzte zum Thema kreative Lebensführung, kann in diesem thread keine interessanten Ergebnisse mehr hervorbringen, denke ich. Auf ein neues: an einem anderen Tag.

    • anscheinend besteht das universum aus 25 % dunkler materie und etwa 70 % dunkler energie.
      macht zusammen 95% unwissen – würde ich sagen und “konfidenzintervall” walker – vielleicht ein wenig metaphorisch ( “vertrauensbreich” ) vom mathematischen abgehoben.
      hm.

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