Yasmina Reza / Adam Haberberg

“Eines Tages setzt sich der Schriftsteller Adam Haberberg im Jardin des Plantes vor den Straußenvögeln auf eine Bank und denkt, jetzt ist’s soweit, das ist die Haltung fürs Altersheim.”

Adam Haberberg, Berliner Taschenbuch Verlags GmbH, 2007

19 Gedanken zu „Yasmina Reza / Adam Haberberg

    • @Schlinkert. “setzt sich der Schriftsteller Adam Haberberg im Jardin des Plantes vor den Straußenvögeln auf eine Bank” – Ich empfinde das als eine poetisch verknorkste Sentenz, ohne jede Eleganz des Rhythmus. Pardon, aber isso.

    • Na ja@Schlinkert. Man kann Langeweile beschreiben, erzählen, poetisieren, aber das darf nicht langweilig sein. Es gibt eine Grenze dafür, daß der Text sei, was er darstellt. Ich jedenfalls steige bei solchen Sätzen sehr schnell aus – vielleicht aufgrund meiner Genußsucht, wie Sie zu recht einwenden können.
      Die Reza ist gehypt – das mag meine Überempfindlichkeit zusätzlich erklären. Es scheint mir wichtiger zu sein, auf Autorinnen und Autoren hinzuweisen, die zu unrecht untergehen, als auf jene, die sowieso alle Welt im Munde jubelnd führt. Es ist sehr leicht, einen Kafka zu bewundern, wenn er schon hundert Jahre tot ist oder – es zu sein scheint.

    • Nun denn@ANH, Sie haben auch dieses Mal recht. Ich kenne den Roman Rezas nicht, vielleicht würde ich schon im zweiten Satz aussteigen, weil eben die geweckten Erwartungen nicht erfüllt werden. Ich selber lese ja eher selten aktuell auf den Markt geworfene Literatur, kann mich aber zum Beispiel für Franz Werfels genialen Roman “Stern der Ungeborenen” begeistern (einer der allerbesten deutschsprachigen Romane der letzten 250 Jahre!). Genußsucht würde ich Ihnen übrigens nie vorwerfen, die habe ich in bezug zur Kunst auch, selbst wenn es um Kunst geht, die ich nicht zur Gänze verstehen kann. (Sie erinnern sich an jenen Herrn Sommer im Dschungel – der warf mir vor, Alban Bergs Musik genossen zu haben. Absurd!)

    • @ANH Ich empfinde diesen Satz weder als langweilig noch verknorkst, obwohl er auf das Poetische verzichtet: Er ist lapidar. Das ist ein Stilmittel. Damit lässt Reza es aber keineswegs bewenden.

      Ihre Empfindlichkeit gegenüber dem “Hypen” von Autor:innen ist Ihre Sache – für mich ist das irrelevant. Ich entdeckte die Autorin im Bücherregal einer Freundin. Las “Une désolation” und wollte mehr davon. Was schert es mich da, ob Reza gehyped ist oder nicht? Ich lese mit Genuß. Den lasse ich mir nicht manipulieren, weder durch gute, schlechte oder fehlende Presse.
      Ziemlich rüde übrigens, diese Unterstellung, man wäre schon opportun, nur weil man Bücher liest die anderen auch gefallen.
      Ts.

  1. hm, ein schwieriges thema, das altenheim, ich bin altenpfleger. am liebsten hätte ich gar keine kundschaft. nicht im altenheim. für viele bedeutet der eintritt in ein solches heim das abgeben einer lebenslang gewonnenen selbstständigkeit (und freiheit).
    natürlich passiert das automatisch, wenn man dement wird …, oder andere scheiß krankheiten bekommt, die einen zu einem mehr hilfsbedürfigen subjekt in der gesellschaft machen.
    ich sitze auch oft auf einer bank (in welchem jardin auch immer), – und überlege mir, wann es bei mir so weit ist.

    • Yasmina Reza liebe ich auch sehr, ihr sprachlicher Witz, ihre böse Ironie, all das läßt mich jauchzen.
      Kurios, dass ich noch nie ein Theaterstück von ihr gesehen habe.

    • @Ratata Schauen Sie sich “Kunst” an, falls es mal irgendwo aufgeführt wird. Ich las es gerade. Klasse Stück. Sollte mich wundern, wenn es länger als eine Stunde dauerte auf der Bühne, aber da stecken so viele Aufdeckungen drin. Andere würden stattdessen zweihundertfünfzig Seiten trockene Theorie verfassen.

    • @BonanzaMargot Haben Sie zufällig mal von Erwin Böhms Altenpflegeheimkonzept gehört? Ich las vor einiger Zeit etwas darüber und dachte, wenn schon, dann in einem solchen.

    • ne, hatte ich nicht. dem, was ich über sein konzept las, stimme ich unbedingt zu. ist nicht besonders neu, dieser ansatz – und eigentlich selbstverständlich, den alten menschen nicht auf seine pflegebedürftigkeit und krankheiten zu reduzieren.

    • @BonanzaMargot Ob der >>> “psychobiografische Ansatz” neu ist, spielt auch eigentlich keine Rolle. Mir schien nach einer TV-Dokumentation zu einem mit diesem Modell geführten Pflegeheims, als ließe sich damit ein selbstverständlicherer Umgang mit alten Menschen bewirken, die in Parallelwelten leben. Leben müssen. Manchmal nur noch in Fragmenten von Parallelwelten. Und selbst die verblassen mit der Zeit, wenn andere ihnen nicht im Außen Möglichkeiten verschaffen, die zu kommunizieren und abzubilden. Aber wie motiviert man diese anderen? Es kam mir so vor, als sei auch dieser Aspekt – die Wechselseitigkeit des Erlebens zwischen Alten und Pfleger:innen – in Böhms Modell mitbedacht. Hab’ aber keine Ahnung von der Materie. Es interessiert mich nur.
      Ich lese gerade Arno Geigers “Der alte König in seinem Exil”.

    • hi phyllis, wie gesagt, ich halte den “psychobiografischen” ansatz, wie erwin böhm es nennt, für gut, menschlich und sinnvoll im umgang mit verwirrten, demenzkranken personen. ein auch gutes und bekanntes konzept ist das der validation von naomi feil.
      ich hab`s nicht so sehr mit konzepten. nach über 20 jahren pflegetätigkeit in altenheimen entwickelte ich gewissermaßen mein eigenes konzept. es ist auch eine frage der gelassenheit, wie man sich selbst in die beziehung zu dem alten, hilfsbedürftigen menschen einbringen kann. leider sind die umstände, welche gesellschaft/system und arbeitgeber bieten, nicht gerade die besten voraussetzungen, um streßfrei und möglichst ganzheitlich die alten zu betreuen und pflegen. wer über dauer 100% in der pflege malocht, läuft sehr große gefahr auszubrennen, abzustumpfen, frustration aufzubauen. für die psychischen belastungen in der pflege gibt es viel zu wenig unterstützung in form von motivation und supervision. stattdessen entsteht durch leistungsdruck und personalmangel ein immenser druck.

      (arno geiger “der alte könig in seinem exil” muß ich mal googeln.
      zur zeit lese ich von yasar kemal “die disteln brennen”.)

    • Liebe La-Mamma, ich hatte schon seit “Une désolation” Blut geleckt, las dann “Kunst” und nun den Haberberg. Ich mag einfach, wie die Eigenwilligkeit des Denkens und der Sprache sich bei Reza so genüßlich vereinigen. Jedes Mal denke ich, yep, so kann man das machen. Manchmal muss ich an Thomas Bernhard denken beim Lesen – ich überprüfe bei Gelegenheit mal, woher das kommt.

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