»Sleepie/rider«
Freestyle 3
Anmeldung für Kurzentschlossene noch möglich unter: kiehl@psi-text.de
Bei den zweien…
… isses nich’ geblieben.
Geschätzte Leser:innen! Muss erstmal überprüfen, ob noch ein paar Synapsen übrig sind, bevor ich hier –
Sie wissen schon.
13:30
Übrigens – ich werd’ das Buchschwenken dann auch wieder lassen! Versprochen. Aber die >>> Kulturmaschinen sind halt (noch) ein kleiner Verlag mit entsprechend schmalem Werbebudget.
Die brauchen so viele Schwenker aus den >>> eigenen Reihen wie möglich : )
15:04
… Und hier noch das bereits erwähnte Buchmesse-Neon-Shirt. Damit Sie mich auf der nächsten schon von weitem erkennen.
Messenotiz
Die Autorin hatte sich zuvor an einer mündlichen Einleitung versucht, die danebenging. Später rhetorisch überzeugend die Szene, in der ein Motivationstrainer Gehirnwäsche an einer Gruppe schwerleibiger Patienten praktizierte. Kein Thema, das mir naheliegt. Dennoch blieb mir der Matjes in Sahnesauce, den ich mir zu Lesung hatte auftragen lassen, mehrfach im Halse stecken. Die Autorin trug ein neonorangenes T-Shirt, eine nicht unproblematische Farbe, dazu schwarze Hose und Sneakers. Der Text war gut.
Die Assistentin trug Boyfriend-Jeans und lehnte an der Wand, als hätte sie Stunden zuvor noch einen VW zusammengeschweißt. Klarer, kühler Blick, der meinen ersten Eindruck sofort Lügen strafte. Das Haar an den Seiten raspelkurz, am Oberkopf länger und zum Pferdeschwanz nach hinten gezogen. Eng sitzender Lederhalsschmuck mit mittig eingearbeiteter Meerschnecke. Die Fingernägel der linken Hand rot lackiert. Kein Make-up, dafür ein schmaler Ring durch die Unterlippe.
Muss aufbrechen. Draußen einige Möwen.
Einmal geübt, schon gekonnt XXX
Jeder Mensch ist eine Frau
Lass Dich fallen,
lerne Schlangen zu beobachten,
pflanze unmögliche Gärten,
lade jemand Gefährlichen zum Tee ein,
mache kleine Zeichen, die ‚Ja’ sagen und verteile sie überall in Deinem Haus.
Werde ein Freund von Freiheit und Unsicherheit, freue Dich auf Träume.
Weine bei Kinofilmen, schaukle so hoch Du kannst mit einer Schaukel bei Mondlicht.
Pflege verschiedene Stimmungen, verweigere ‚Verantwortliche’ zu sein, tu es aus Liebe.
Glaube an Zauberei, lache eine Menge, bade im Mondlicht. Träume wilde, phantasievolle Träume.
Zeichne auf die Wände, lies jeden Tag.
Stell Dir vor, Du wärst verzaubert,
kichere mit Kindern.
Höre alten Leuten zu, freue Dich, tauche ein, sei frei. Preise Dich selbst, lass die Angst fallen, spiele mit allem.
Unterhalte das Kind in Dir, Du bist unschuldig, baue eine Burg aus Decken,
werde nass,
umarme Bäume,
schreibe Liebesbriefe.
Joseph Beuys, “Jeder Mensch ist ein Künstler”
Packe die wehrhafteste Handtasche in den Buchmessenkoffer.
TT nervös.
Gefängnis mit Pumps und Fischlein
Omid ist mein Name
… und der steht für Hoffnung.
Erinnerungsstücke an Gefängnis und Flucht, Iran 1981 – 1988
So heißt die Ausstellung, die heute Abend in der Jugendbegegnungsstätte Anne Frank eröffnet.
Über meine enge Freundschaft zu Parastou Forouhar, Mitkuratorin der Ausstellung, gehe ich mit dem Thema Iran schon lange um. Meistens sind das angesichts ihrer Lebensgeschichte, der Ermordung ihrer Eltern, sehr bedrückende Gespräche. Aber nicht nur. In den langen Jahren unserer Gespräche ist mir auch ein Bewusstsein für dieses Land erwachsen.
Nein, falsch, nicht das Land. Es ist eher so, dass >>> Forouhar als Künstlerin, Freundin und politisch engagierte Streiterin einen früher blinden Fleck auf meiner Landkarte mit Leben gefüllt hat. Sie und alle die Exil-Iraner, die ich über sie kennen gelernt habe. Über die Jahre hab’ ich immer mal wieder beim Texteschreiben assistiert. Anteilnahme, stelle ich fest, funktioniert bei mir nur über Teilnahme. Ansonsten ist’s mir eine Worthülse.
Die Frage bleibt aktuell, wie sich reale Verbindungen herstellen lassen zwischen ihrem Heimatland und ihrer Wahlheimat Deutschland. Wie es sich vermeiden ließe, immer nur mit der Moralkeule zu wedeln, um abgelenkte nichtiranische Gehirne auf die Geschehnisse dort aufmerksam zu machen. Und wieder muss ich mich korrigieren: Es geht nicht nur um’s Aufmerksamwerden. Sondern um Selbstverständlichkeit. Wir sind nicht getrennt. Was andernorts passiert, welche Energien freigesetzt und unterdrückt werden, findet schlichtweg gleichzeitig zur eigenen selektiven Wirklichkeit statt. Ist Teil des Ganzen, ob man’s nun wahrnimmt oder nicht. Teil dessen, was man rezipiert, fühlt, berücksichtigt, benennt, ignoriert und so weiter.
Der Umgang mit dem Fremden sollte so selbstverständlich sein, wie morgens Salz auf das Frühstücksei zu streuen. Drüben im Fremden streut sich auch gerade jemand Salz auf irgendwas.
Die Ausstellung zeigt Objekte, die Gefangene im Iran im Gefängnis angefertigt und nach draußen geschmuggelt haben. Oft gefertigt aus Materialien, auf die unter anderen Umständen niemand käme. Dazu gibt es Geschichten zu Lebensläufen und Fragmente aus Biographien, es gibt Zitate und Erklärungen. Und jede Menge Intensität. Damit muss man ja erstmal umgehen wollen …
Man kann dort auf Objekte treffen, ganz kleine teilweise, die sind so mit Energie und Hoffnung aufgeladen, dass einem kurz das Herz stehen bleibt. Besser wäre sicher, es zu öffnen. Und vielleicht ein bißchen Salz zu streuen.
“Ich bin unerzählt in der Geschichte Irans – dem Land, für dessen Freiheit meine Eltern ihr Leben opferten, als sie so alt waren, wie ich es nun bin. Ihre Geschichte wurde mir von ihren Weggefährten erzählt, Überlebende überreichten mir ihre Geschenke. Ich bewahre sie; auch den Namen, den meine Eltern mir geschenkt haben: Omid – Hoffnung!”
Mehr dazu >>> hier.
Omid ist mein Name
Vernissage: Samstag, 10. März 2012, 19:00 Uhr
Ausstellungsdauer : 11. März bis 31. Oktober 2012
Jugendbegegnungsstätte Anne Frank e.V.
Hansaallee 150
60320 Frankfurt am Main








