TTag, Donnerstag, 2. Dezember 2010. Soft cell.

Vier Künstlerinnen, fünfzehn Jahre geteilter Weg, und als die Mischnudeln gestern Abend von der Herdplatte weg direkt auf dem Tisch aufsetzten, wie früher, als man noch ohne Servierschüsseln und Serviette aß, na ja, Leser:innen, Sie können sich denken, uns wurde ganz anders. H. kann ja nicht kochen, hat sie auch nie bestritten, nur, wie jemand auch fünfzehn Jahre später immer noch aus dem Nichtkochenkönnen ein kulinarisches Dingeldong macht, bewundernswert. S. hielt das Blondhaupt zu nah an den Adventskranz (“Mein erster!” behauptete H.; ich hatte ihn gebastelt und mitgebracht, oh my kitschig heart), es roch dann mehr nach gegrilltem Haar als nach Nudeln. F. trug eine Tischdecke um die Schultern, von der sie behauptete, es sei eine Stola. Totaler Quatsch. Wir kramten in Erinnerungen, nicht zu sehr allerdings, weil H.’s Regale im Atelier so viel Lustigeres zum Kramen boten, die Frau ist ein Maniac, sie sammelt … doch lassen wir das. Alte Freundinnen. Früher hatten wir vier eine Band mit einem unaussprechlichen Namen, wir nahmen allerdings nur einen, wenngleich legendären, Song auf. Es gab eine Gegenband von Künstlerkollegen, die hatte aber keine Chance, die war auch, wie wir fanden, nur eine Behauptung.
Bin gerade etwas soft.

Ach, Fussball.

Kürzlich verbrachte ich einen Abend mit dem neuen Direktor der Städelschule in Frankfurt. Ein kluger Mann, und, wie mir scheint, nicht leicht zu beeindrucken. Es gab nur einen einzigen Moment, in dem sein Blick wirklich anerkennend auf mir ruhte: als ich schwor, niemals mit wahren Fans zusammen ein Fußballspiel anzusehen, um deren Genuss nicht mit unpassenden Bemerkungen zu Waden und knackigen Hintern zu trüben.
Tja.