“Blumenberg hatte gerade eine neue Kassette zur Hand genommen, um sie in das Aufnahmegerät zu stecken, da blickte er von seinem Schreibtisch auf und sah ihn.”
“Blumenberg”, Suhrkamp 2011
“Blumenberg hatte gerade eine neue Kassette zur Hand genommen, um sie in das Aufnahmegerät zu stecken, da blickte er von seinem Schreibtisch auf und sah ihn.”
“Blumenberg”, Suhrkamp 2011
Waschmaschine läuft. Handwaschgang. Die Suche nach Herbstzeitlosen scheitert an hektischen Armbewegungen. Draußen, wie plötzlich angestellt, Kinderstimmen: in die Pause ploppende Schüler. Gestern die Frage, was mich inspiriert hätte und meine Überlegung, wie oft Schlüsselmomente verstreichen und ihre Türen mitnehmen. Nachlässige Antennen? Oder überbeschäftigte. Je größer die Anspannung, desto mehr tröstende Tiere stellen sich bei mir ein. Keines davon real: bin zu oft weg. Gestern Woody Allen aus meinem Adressbuch gestrichen. Der Mann beleidigt die Künstler. Grottenschlecht, dieser Parisfilm, reines Namedropping ohne Herz und Verstand. Der Mann ist zum Ausstatter seiner selbst mutiert. Unverschämtheit. Mein Gehirn wurde während der Nacht anscheinend auf Steno geschaltet, ich werd’ noch nicht schlau aus den Kürzeln. Macht nichts, bliebe eh lieber diffus heute.
Guten Morgen, geschätzte Leser:innen.
»Komm. Lass das Glänzen sein. Folge mir. Öffne die Lippen. Sieh mich an. Öffne deine Lippen. Ich nehme deine Luft. Du verstehst das. Du willst es. Du bist nichts. Entspanne dich. Hör auf zu denken. Ich bin schwer. Entspanne dich. Du bist leicht für mich. Ich verstehe diesen Blick. Ich verstehe ihn. Es gibt hier nichts. Nur dich. Es ist gut, hier zu sein. Leg’ dich hin. Dieser Platz ist für dich. Du spürst das. Es ist erlaubt. Alles ist erlaubt. Vergiss, was vorher war. Es bedeutet mir nichts. Es bedeutet mir gar nichts. Du kannst mir nichts geben. Also entspanne dich. Ich wähle selbst. Entspanne dich. Ich wähle das richtige.
Deine Muskeln sind schön lang. Sie sind schön geflochten. Ich sehe sie. Ich werde sie führen. Ich sehe, wie aufgeregt sie sind. Ich kenne das. Es macht gar nichts. Ich kann sie bedienen. Sie legen sich in meine Hand. Sie erinnern sich. Sie kommen zu mir, ich werde keine vergessen, ich werde keine übersehen. Ich kümmere mich um diese Dinge. Öffne die Lippen. Ich werde dich leeren. Du kannst das nicht selbst tun. Ich werde es tun. Du darfst vergessen. Vergiss, wer du bist. Du bist nichts. Ich sage dir, wer du bist. Ich sage dir, was du denkst. Du denkst nichts. Dein Kopf ist leer. Du erkennst mich nicht. Es ist gut. Deine Augen sehen nichts. Ich kenne das. Ich bin alles, was du willst. Es dauert lange. Ich verspreche es. Ich will es so.
Es bedeutet nichts.
Ich halte dich. Meine Worte glätten dich. Du gibst nach. Ich kann das sehen. Ich sehe, wie du verlierst. Gib auf. Du kannst nicht gegen mich kämpfen. Du hast keine Chance. Ich sehe nur zu. Ich brauche nichts zu tun. Ich weiß, dass du wartest. Du kannst nicht gegen mich kämpfen. Ich biete dir nichts. Ich glätte dich. Ich lasse dir keine Wahl. Ich lasse dir nichts. Du wirst mir alles geben. Du wirst alles vergessen. Du musst nichts bezahlen. Nachher wirst du gehen. Du wirst dich an nichts erinnern. Es wird nicht wehtun. Es ist keine Geschichte. Es bedeutet nichts.
Du liegst jetzt gut. Ich sehe auf den Puls an deinem Hals. Ich weiß, was du willst. Ich kenne dich. Du bist glatt. Du räkelst dich in meiner Hand. Du glaubst mir. Ich bewahre dich.
Du gibst nach. Ich nehme alles.
Ich treffe Entscheidungen. Vergiss die Geräusche. Es ist nicht wichtig. Ich treffe genau die richtigen Entscheidungen. Es spielt keine Rolle, wenn etwas passiert. Es darf passieren. Es spielt überhaupt keine Rolle. Ich mache keine Fehler. Das Blut klopft gegen die Haut. Es will zu mir. Ich berühre dich. Du glaubst mir. Es passiert jetzt. Es passiert immer.
Es ist das, was du kennst.
Es ist das, was du willst.
Du bist erfreut.
Du bist scheu.
Du bist leer.«
![]() |
Aus Free pics for web communication |
by >>> Eugene Faust
![]() |
Aus Free pics for web communication |
via >>> Eugene Faust
echo
~ : oe som
to : louis
subject : SCHNECKEN
date : sept 24 11 7.12 p.m.
“Früher Abend, ruhige See. Möwen, die unser Schiff wie eine Insel bewohnen, kreisen dicht über dem Wasser. Gerade eben meldete Noe, zwei Putzerschnecken näherten sich seinem Gesicht. Er müsse jetzt vorsichtig sein, um sie nicht zu verletzen, sofern sie seinen Mund entern sollten. Noe wohlauf. Seit zwei Wochen senden wir Jazz, wann immer Noe Jazz zu hören wünscht. Wir haben zunächst Charlie Parker geladen, das machte ihn nervös, weil er sich nicht bewegen kann im Taucheranzug im Rhythmus, der schnell geht, ruhelos. Wir proben, forschen nach sanfteren Takes. Er könne, das sei neu, berichtet Noe, wenn er das Wort Regen lese, sich das Geräusch des Regens nicht länger in Erinnerung rufen, als würde sich das Wort Regen nach und nach entleeren. Wir haben versprochen, Regen für ihn aufzuzeichnen und in die Tiefe zu schicken. Gestern, als wir nachts alleine miteinander sprechen konnten, wünschte Noe, dass ich ihm das Schiff beschreibe, unter welchem er schwebt. Er sei glücklich, sagte Noe, aber er sehne sich nach einer Uhr.” – Dein OE SOM
Go to: andreas louis seyerlein >>> andreas louis seyerlein.de
Auch Seyerleins Weblog entdeckte ich vor einiger Zeit via >>> Litblogs.net, herausgegeben von Christiane Zintzen und Hartmut Abendschein. Thanx a lot.
[…] “Würde es mir je einer glauben, wenn ich euch heute erzähle, dass ich von der fünften Klasse aus bis zur zehnten nie wirklich eine ehrliche und vertrauenswürdige Person kennenlernen durfte? All diese Schüler, mit denen ich diese fünf Jahre verbringen musste, wussten nie so richtig, die eigene Persönlichkeit und die eigenen Lebensvorstellungen zu schätzen. Viele Gruppen haben sich gebildet, und immer wieder wurde der eine oder andere manipuliert, ob es um Klamotten ging oder um Meinungen, jeder hat sich von einer bestimmten Gruppe beeinflussen lassen.
Doch ich habe mich getraut mich gegen diese große Gruppe zu stellen, ich habe mich eigenständig von den andern isolieren lassen, ich bin meinen eigenen Weg gegangen, habe mich immer wieder getraut meine eigene Meinung zu äußern, und nicht diese Meinung, die immer die Mehrheit hören wollte, auch ich habe mich auf meine eigene Vorstellung von Mode konzentriert und bin nicht wie die andern rumgelaufen, und wirklich nur ich hatte das Lebensziel meinen Abschluss mit unter 1.5 zu schaffen.
Diese gesamte Situation war eine große Herausforderung für mich, und ich wusste, dass wenn ich meinen eigenen Weg gehe und mich dieser Menschengruppe nicht anpasse, so werde ich die nächsten Jahre von den andern weiterhin ausgeschlossen werden.” […]
… Ein kleiner Ausschnitt eines langen Textes, in dem F. am Wochenende mit einem ziemlich wütenden Kehrbesen in ihrer schulischen Vergangenheit aufräumte. Leicht fiel ihr das nicht: Es brauchte einen magischen Schlüssel, bis sie in Schwung kam. Ihr war nicht klar, dass eine ihr eigenes Thema finden und ihre eigene Sprache verwenden darf, wenn’s ums Schreiben geht. Zumindest beim kreativen, und bei mir sowieso.
Als ich den Text dann endlich zu lesen bekam, war das Seminar fast vorbei; die Zeit reichte nicht mehr, ihn noch vor der Gruppe vorzulesen. Die hätten ganz schön gestaunt. Denn F. kann Schreiben eigentlich gar nicht leiden, sie spielt lieber … doch das zu erzählen wäre indiskret.
Wie auch immer, ich war sehr stolz auf sie (auf die Anderen auch, falls einer von euch mitliest!!! : ) und finde es nur fair, wenn F.’s Text jetzt hier ein Plätzchen bekommt, zumindest ein Teil davon.
Und nun lese ich die Geschichte von I. Er hat an diesem Wochenende, unter anderem, eine Ode an die Weiblichkeit geschrieben.
“Vielleicht habe ich mich damit ein bißchen übernommen” sagte er gestern lächelnd.
“Zieh’s mir auf den USB-Stick, dann lese und kommentiere ich’s per Email am Montag” versprach ich.
Und das tu ich jetzt. Oden werden ja nicht mehr so oft verfasst. Und die Weiblichkeit, sie sollte besungen werden! Unbedingt!
Sie sehen, ich hab’ zu tun ; )
17:58
… und eben fand ich bei Aléa Torik noch >>> diese Zeilen zum Thema Schreiben und musste lachen. Recht hat sie.
Ach, und da wir schon dabei sind: Haben Sie MelusineB’s >>> Beitrag zum literarischen Schreiben im Web 2.0 gelesen?
(Musik: Fatoumata Diawara – thanx to Lobster)
„Rings um das mannigfaltig gegliederte Binnenmeer, das tief einschneidend in die Erdfeste den größten Busen des Ozeans bildet und, bald durch Inseln oder vorspringende Landfesten verengt, bald wieder sich in beträchtlicher Breite ausdehnend, die drei Teile der Alten Welt scheidet und verbindet, siedelten in alten Zeiten Völkerstämme sich an, welche ethnographisch und sprachgeschichtlich betrachtet verschiedenen Rassen angehörig, historisch ein Ganzes ausmachen.“
“Römische Geschichte”, dtv 2001
Zugetragen von Dr. NO via MelusineB
(Jaaa, ich weiß, eigentlich sollte diese Rubrik nur Romananfänge beinhalten. Aber keine Regel ohne Ausnahme. Allein schon des Wortes “mannigfaltig” wegen – mit einem Augenzwinkern rüber zu ANH, der sich kürzlich der vokabularischen Genderproblematik widmete ; )