Zum Weltfrauentag. Dienstag, 8. März 2011

“Der schlimmste Fehler von Frauen ist ihr Mangel an Größenwahn.”

(Irmtraud Morgner)

18:58
Eben, drüben bei Dr. Schein stöbernd, noch jener Kuriosität begegnet…

Falls Ihnen aber nun das Lachen allzu gefällige Larven gebiert, empfehle ich einen Besuch bei der Weberin. Sie ist ganz neu, zumindest als diese. Online seit sechs Tagen. Und wer immer die ist, die dieses Netz spinnt: sie ist speziell. Die seltsamen Einträge dort. Jedenfalls webt sie nicht am Himmel oder im Wald. Irgendwo anders. Kann sogar sein, die Dinger sind nachtaktiv. Und man darf sie nicht zu nah an sich ranlassen, sonst bleibt man drin hängen.

Krass. Montag, 7. März 2011.

Gestern, ich hatte meine Mutter vom Flughafen geholt, auf dem Land abgeliefert, bekocht und bejubelt (sie hatte sich in der algerischen Wüste rumgetrieben, da jubelt man schon mal als Tochter, wenn das Elternteil heil wieder anlandet), gestern also, auf der Fahrt zurück, ereilte mich fast die Zerquetschung. Autobahn, mittlere Spur, hundertdreißig kmh. Vor mir parkte jemand. Ich meine, wirklich. Mitten auf der Autobahn. Keine Bremslichter, keine Warnblinkanlage, der Wagen stand einfach da, während rechts und links die Autos vorbeirauschten. Nein, Leserinnen, da war kein Stau oder stockender Verkehr, nur dieser eine Wahnwitzige, der auf meiner Spur nicht langsam fuhr, sondern schlichtweg stand. Ich bemerkte das spät, aber noch rechtzeitig, konnte aber nicht mehr auf eine andere Spur ausweichen, also bremste ich, schrie, hieb auf Hupe und Warnblinkanlage, kam ein paar Zentimeter vor der Stoßstange des Wahnsinnigen zum Stehen und wartete darauf, dass mir der Wagen, der hinter mir fuhr, den Garaus machen würde. So also entsteht eine Massenkarambolage, dachte ich und fragte mich, ob meine Halswirbel…
Im Ernst. Ich fahre einen Smart. Die Knautschzone ist dürftig, um’s milde auszudrücken.
Der Typ hinter mir fuhr mich nicht zu Brei. Er schlitterte in den Stand, ich konnte fast seinen Atem spüren und hupte nun ebenfalls, als ginge es um sein Leben. Ging’s ja auch. Ich schrie immer noch. Da setzte sich der Stehende vor mir in Bewegung. Ich sah noch ein weißes Gesicht, das sich nach mir umdrehte, dann flitzte er seitlich weg.
So. Ich war so im Schock, als ich die Wohnung betrat, dass ich auf’s Lager sank und eben erst wieder zu Bewusstsein kam.

Ich sollte was philosophisches sagen jetzt.
Stattdessen geh ich Eisen stemmen.

10:32
So viel Gewicht wie eben ging, geht selten. Wütend trainieren: dieser Hunger nach Leben und Selbstbehauptung. Titten, Arsch und Schritt trainieren da mit.
(Das bleibt aber unter uns jetzt)

Swuschig. Samstag, 5. März 2011.

Sie hatte schlappe hundert Gäste eingeladen…
Hilfst Du kochen?
Klar.
Der Club hat eine Küche, in der sich’s cliquenkochen lässt, taten wir auch, sie buk noch ihre berühmten Schwänchen, ich sag’ nur: Sahnesteif, irgendwann nach Mitternacht gab’s Kirschwasser zur Belohnung; TT wie ein Fisch im Wasser, ich trink’ sonst eher wenig, das Ganze erinnerte mich mächtig an früher, als ich meine Penunze noch hinter der Bar verdiente: Reden, Trinken, Wischen und das ewige Geräusch der Hochdruckspülmaschine, das man noch hört, wenn man längst im Bett liegt. Kehraus um vier, da war die Küchencrewkirschwasserflasche leer.
Pardauz ins Tagsi und Pett.
System auf standby heute.

Jane. Donnerstag, 3. März 2011.

Umringelt von Motiven. Die sind unsere Heilsbringer: wissen, woher Verhalten rührt. Sag mir, warum Du das getan hast. Nicht getan hast. Ohne dieses Warum sind wir aufgeschmissen. Nur Kinder, manchmal Jugendliche, sagen: „Weiß ich nicht. Keine Ahnung warum.“ Dann scharren wir, bis wir es doch freigelegt haben. Wir sind angewiesen (welch heikles Wort) auf die Benennung von Gründen, nur über die lässt sich Kontext herstellen, und über Kontext, Verstehen. Ohne unsere Motive offenzulegen bleiben wir isoliert.
Gründe finden heißt auch immer: auf Kontinuität zugreifen. Auf das, was andere bereits getan, gesetzt haben, deren Motive heranziehen, um die eigenen zu benennen. Und es gibt eine Reihenfolge: reflektierte Erwachsene haben Gründe, dann handeln sie. Wird man gefragt, warum man etwas so und nicht anders getan hat, sollte man die Antwort auf der Zunge haben, sonst gerät man schnell an den Rand.
Sie fragen sich bestimmt, was schreibt die heute für Zeug – nun, ich taste mich eben an etwas heran.
Eben bestellte ich „Jane sexes it up“, auf Empfehlung von Melusine.
Doch kaum hatte ich’s getan, befiel mich leichtes Unwohlsein, huh, dachte ich, Feminismus, was, wenn dir das Ding noch mehr Antennen wachsen lässt, als du eh schon hast. Antennen sind zweischneidige Dinger. Sensibilisierung. Meine Haut ist jetzt schon überfordert von mir. Je mehr ich spüre, desto mehr Gründe hat sie, auszurasten. Allergisch. Meine eingefleischteste Reaktion auf Reize ist die Allergie. Manchmal bin ich sogar gegen neues Wissen allergisch…
Ich las auch über Polyamorie in Die Dschungel heute Morgen, beziehungsweise, dem Link dort folgend, auf Wikipedia. Und, einem Blinken in meinem Gedächtnisspeicher nachgehend, sah ich kurz nach, ob Genesis P. Orridge noch lebt, weil mir der Begriff „Transgender“ durch den Kopf schoss. Lauter Reviere. Otto Muehl … ich kenne einen sinnlichen Mann, der da aufwuchs. Simone de Beauvoir kam auch schon zu Besuch heute Morgen. Und June. Die von Henry Miller, aber auch die andere June, die gerade versucht, ihr Überfordertsein in Worte zu fassen.
Ich weiß nicht, wie diese Namen zusammenhängen, muss es auch nicht wissen. Ich möchte meine Antworten nicht auf der Zunge haben. Es gibt da dieses Zwiespältige, das mich immer befällt, wenn ich merke, wie viel schon gedacht und formuliert ist. Wie erdrückend die Verpflichtung werden könnte, zu wissen, in wessen Revieren man sich bewegt, während man handelt. Dieses Nach-Bilden: wie ungemein erleichternd, herauszufinden, dass man nicht alleine ist. Und wie groß dennoch manchmal mein Verlangen, zu sagen: Ich mache das einfach so. Punkt. Keine Begründung.

21:41
feminystisch. sexystisch. phylosophisch. yberfordert. dyskutabel. mysengesteuert. myskiert.
(sich in Worte hineindrängen.)
Phy myde.