Jane. Donnerstag, 3. März 2011.

Umringelt von Motiven. Die sind unsere Heilsbringer: wissen, woher Verhalten rührt. Sag mir, warum Du das getan hast. Nicht getan hast. Ohne dieses Warum sind wir aufgeschmissen. Nur Kinder, manchmal Jugendliche, sagen: „Weiß ich nicht. Keine Ahnung warum.“ Dann scharren wir, bis wir es doch freigelegt haben. Wir sind angewiesen (welch heikles Wort) auf die Benennung von Gründen, nur über die lässt sich Kontext herstellen, und über Kontext, Verstehen. Ohne unsere Motive offenzulegen bleiben wir isoliert.
Gründe finden heißt auch immer: auf Kontinuität zugreifen. Auf das, was andere bereits getan, gesetzt haben, deren Motive heranziehen, um die eigenen zu benennen. Und es gibt eine Reihenfolge: reflektierte Erwachsene haben Gründe, dann handeln sie. Wird man gefragt, warum man etwas so und nicht anders getan hat, sollte man die Antwort auf der Zunge haben, sonst gerät man schnell an den Rand.
Sie fragen sich bestimmt, was schreibt die heute für Zeug – nun, ich taste mich eben an etwas heran.
Eben bestellte ich „Jane sexes it up“, auf Empfehlung von Melusine.
Doch kaum hatte ich’s getan, befiel mich leichtes Unwohlsein, huh, dachte ich, Feminismus, was, wenn dir das Ding noch mehr Antennen wachsen lässt, als du eh schon hast. Antennen sind zweischneidige Dinger. Sensibilisierung. Meine Haut ist jetzt schon überfordert von mir. Je mehr ich spüre, desto mehr Gründe hat sie, auszurasten. Allergisch. Meine eingefleischteste Reaktion auf Reize ist die Allergie. Manchmal bin ich sogar gegen neues Wissen allergisch…
Ich las auch über Polyamorie in Die Dschungel heute Morgen, beziehungsweise, dem Link dort folgend, auf Wikipedia. Und, einem Blinken in meinem Gedächtnisspeicher nachgehend, sah ich kurz nach, ob Genesis P. Orridge noch lebt, weil mir der Begriff „Transgender“ durch den Kopf schoss. Lauter Reviere. Otto Muehl … ich kenne einen sinnlichen Mann, der da aufwuchs. Simone de Beauvoir kam auch schon zu Besuch heute Morgen. Und June. Die von Henry Miller, aber auch die andere June, die gerade versucht, ihr Überfordertsein in Worte zu fassen.
Ich weiß nicht, wie diese Namen zusammenhängen, muss es auch nicht wissen. Ich möchte meine Antworten nicht auf der Zunge haben. Es gibt da dieses Zwiespältige, das mich immer befällt, wenn ich merke, wie viel schon gedacht und formuliert ist. Wie erdrückend die Verpflichtung werden könnte, zu wissen, in wessen Revieren man sich bewegt, während man handelt. Dieses Nach-Bilden: wie ungemein erleichternd, herauszufinden, dass man nicht alleine ist. Und wie groß dennoch manchmal mein Verlangen, zu sagen: Ich mache das einfach so. Punkt. Keine Begründung.

21:41
feminystisch. sexystisch. phylosophisch. yberfordert. dyskutabel. mysengesteuert. myskiert.
(sich in Worte hineindrängen.)
Phy myde.

48 Gedanken zu „Jane. Donnerstag, 3. März 2011.

  1. “Ich mache das einfach so. Punkt. Keine Begründung.” Nur so geht es. Alles andere macht klein, zögerlich, heikel. Und wenn etwas mehrfach gesagt, geschrieben, gedichtet ist – nun denn, das nimmt nichts dem Fakt und gibt ihm nichts hinzu. Außerdem ändert sich manches durch Einschliff.

    • @albannikolaiherbst Sie wissen, wie schwer das ist: Handeln, ohne Begründungen und Rechtfertigungen heranzuziehen. Etwas setzen. Dabei wissen, es ist subjektiv, nicht ultimativ. Aushalten, nicht nur Zustimmung, sondern auch Widerstand zu ernten. Man wird gerichtet: Urteile werden gefällt. Allein diese Bezeichnungen –

  2. Reviere Gerade darum geht´s doch: Reviere n i c h t anzuerkennen. Auch keine abzustecken. Flow.

    Komisch (und auch nicht), wie das Wort “Feminismus” Unbehagen auslösen kann. Für mich bedeutet es nichts weiter als: ein kritischer Umgang mit dem Patriarchat, dessen Erbinnen wir schlicht sind. Was macht das mit mir? Will ich das, was davon will ich, brauche ich, mag ich loswerden, umformen? Und in “Jane sexes it up” geht´s auch drum, dass nicht alles durch Reflektieren “gelöst” werden kann.

    Trans-Gender – das hat mich in den späten 80er und frühen 90ern furchtbar beunruhigt. Auch fasziniert. Aber ist mir immer fremd geblieben. Dass ich eine Frau bin, definiert mich mehr als alles andere, fühle ich. Ob das gut so ist? Keine Ahnung. Es gehört jedenfalls zu den wenigen Identitätszuschreibungen, über die ich mich nicht mal gedanklich hinwegsetzen kann. Jahrelang habe ich mich – gedrängt und bedrängt durch Queer-theory etc. – dafür geschämt, dass ich so “unbeweglich” bin. Es geht also für mich drum, das, was es heißt “Frau zu sein”, in Bewegung zu bringen.

    • @MelusineB Ja, ich fand’s auch komisch an mir, und deshalb eine öffentliche Überlegung wert. Ich stimme auch bedenkenlos zu: dass ich eine Frau bin, definiert mich mehr als alles andere. Nur fand ich meine Assoziationen und Schlussfolgerungen im Laufe der Jahre oft un-passend zu dem, was im Feld des Feminismus inzwischen als “gesetzt” gilt – vielleicht daher mein leises Unbehagen. Wirklich eingestiegen bin ich da allerdings noch nie – ich weiß nicht, welche interessanten Stimmen neu hinzugekommen sind. Umso dankbarer bin ich für Ihre Empfehlung.

    • der ergriffen-sein-wollende ist der geblendet-sein-wollende, geblendet von angedichteter grösse, die er selbst nicht besitzt.
      der uninspirierte hockt sich leer vors leere blatt und macht dann halt was, meist aus technischer oder gedanklicher routine.
      der aber, der seine gründe ( zwecke ) kennt ist der inspirierte.
      wie kühl, überlegt aber auch überaus mutig sind die politiker:innen der sozialen kälte, wie klein, prekär und feige hingegen die künstler:innen, die dem nichts entgegensetzen.

    • @Polizeireivier Nord aka Nordbulle Mir persönlich ist das zu diffus und auch zu bemusternd … innerhalb solcher Definitionen finde ich mich nie wieder, weder im Guten noch im Schlechten.

    • @phyllis ausgerechnet sie, die sie es anscheinend nicht schaffen, mal eine zeichnung ohne eingebettete & erklärende worte anzufertigen, ergo zeichnungen zu kreieren, welche für sich selbst sprechen ohne vorgestanztes interpretationskeulchen.
      seltsam irgendwie, aber damit will ich nicht ihre methode schlechtmachen, nönö.
      die frage wäre doch, wie politische kunst aussehen könnte ohne dogmatisch oder
      doof zu sein.

    • In irgendeiner Sendung im Fernsehen gestern, die so nebenbei lief, daher kann ich sie leider nicht verlinken, sagt eine Frau sinngemäß: Komisch ist doch: Niemand würde es erwähnen, wenn ein Schwarzer sich gegen Rassismus ausspricht. Warum jedoch diese laufende Verurteilung von Frauen, die sich gegen Sexismus aussprechen?
      (Das als Assoziation zum Thema, warum das Wort “Feminismus” Unbehagen auslöst.)

    • @June, Feminismusunbehagen Werden Frauen, die sich für Sexismus aussprechen, nicht genauso verurteilt? Wer sich eindeutig äußert, erntet Urteile, deswegen wird ja so oft das Schlängeln zur Kunstform Strategie erhoben.

    • Kann man sich für Sexismus aussprechen, liebe Phyllis? Sexismus ist Diskriminierung aufgrund des Geschlechts. Lehne ich klar ab. Ohne Einschränkung. Alle Zuschreibungen, die ausgrenzen: Weiblich ist…/Männlich ist… Geht mir am Arsch vorbei, würde ich gerne sagen. Stimmt aber nicht. Weil´s mich einschränkt und zu Kämpfen zwingt, die anstrengend, langweilig und verdummend sind. Ich lass mir von keinem und keiner sagen, was es bedeutet, dass ich eine Frau bin. Und ich sag´s auch keiner anderen vor. Ich bin vielmehr gespannt drauf, was sie daraus macht.
      “Frauen wollen immer…” Scheiß drauf! “Männer sind schwanzgesteuert…”, sagt die dumme “Feministin”, die das blöde Spiel nur umdreht. Nee, Männer sind auch Menschen. Und Idiot zu sein ist kein männliches Privileg. (Auch wenn manchmal der Eindruck entsteht, weil die größten Deppen oft auch die lautesten sind.)

    • das ist so, als würde man sich für rassismus aussprechen, ich gratuliere…das treibt mich gleich wieder zu einem schlechten gedicht, es wird lauten…

      friedlich sind die sexisten den sie sprechen ja niemanden an

    • @Melusine Moment, schlage eben mal die Definitionen von “Sexismus” nach…

      Okay. Ich hatte den Begriff mehr in Richtung eines Bestehens auf Normen/Klischees in der Genderdiskussion ausgelegt – doch auch da ist er eindeutig negativ besetzt. Also war’s Kappes, was ich vorhin schrieb. Tja… erst denken, dann tippen.

    • *lachtschallend* @ MelusineB – 03. Mrz 2011, 19:31
      Perfekt auf den Punkt gebracht. Das war das Highlight meines heutigen Tages.
      Merci vielmals! 🙂

      @ phyllis: Doch doch, Frauen z.B., die gröhlend und schenkelklopfend zustimmen bei der Verurteilung von feministischen Forderungen oder frauenfeindlichen Witzen, die werden durchaus beklatscht. Das sind dann halt “richtige Frauen”, nicht so zickige, frustrierte, humorlose, frigide, verklemmte, … Weiber.
      Passen Sie mal auf, ist so. Eventuell nicht in dem Kreis, in dem Sie sich bewegen, aber Sie brauchen gar nicht in irgendeine Stammkneipe gehen, es genügt Foren zu entsprechenden Themen aufzusuchen, auch in sogenannten “Qualitätsmedien”.

    • muss mich das erste mal in meinem leben fragen, was eine mösengesteuerte frau wäre.
      zuvörderst aber mal zum schwanzgesteuerten mann.
      das müsste ein mann sein, dem es ausschliesslich auf die möse der frau ankommt, unabhängig vom alter ( vom eintritt der geschlechtsreife bis in die puppen ) oder dem aussehen oder dem sozialen status oder dem bildungszuschnitt der frau.
      so einen ( meines erachtens ) wahrlich vorbildlichen, geradezu exzellenten typen gibt es kaum, ich selbst darf mich jedenfalls nicht dazuzählen ( ich wähle fast schon ultraradikal ästhetisch aus ).
      was bedeutet dann schwanzgesteuert ?
      dass ein mann frank und frei einer frau sagt, dass er gerade geil ist ?
      oder dass er in der tat über den transzendentalen signifikanten verfügt, der ihn als mann gegenüber der frau in die rolle des forschenden grenzüberschreiters und erfinders ppp zwingt ?
      schwer zu verifizieren, da es sicherlich weibliche wissenschaftlerinnen gibt.
      was wäre die mösengesteuerte frau ?
      die, wenn sie feucht ist zu dir an den tresen kommt, dir einen havanna club ausgibt ( auf eis, por favor ) und dich dann abschleppt ?
      vielleicht so in diese richtung.
      nichts dagegen einzuwenden.

    • @ polizeirevier nord Ich würde sagen, dass dazu auch das “ultraradikal ästhetisch” gehört – zum “Schwanzgestuertsein”. Ich will Sie nicht missverstehen, aber das klingt extrem nach: “Dumm wie Stroh, politische Ansichten völlig egal, mal ein Buch gelesen oder nicht – auch unwichtig – Hauptsache guter Arsch, lange Beine und die richtigen Titten.
      Dazu gehört aber auch das das Gegenüber mit seinen Bedürfnissen gar nicht mehr wirklich ernst und wahr nehmen und noch einiges mehr.

    • ich sage eben, dass das schwanzgesteuert sein höchstwahrscheinlich meint, dass der mann den ersten schritt aufgrund einer vorhandenen geilheit zu machen hat, zu welchem der mann der patriarchalen gesellschaft konditioniert ist, sowie die frau in der regel in so einer patriarchal strukturierten gesellschaft darauf konditioniert ist, von dem mann diesen ersten schritt zu erwarten und dazu anregende signale zu verströmen ( in selektiver manier ).
      sicherlich gibt es vor allem in grossstädten weibliche ausnahmen, welche diese “klassische” rollenzugewiesenheit durchaus aufs schönste & trefflichste zu konterkarieren wissen.

    • Dazu kann ich nichts sagen, da ich das nie als “schwanzgesteuert” bezeichnen würde.
      Sollte eine Dame anwesend sein, die dafür diese Bezeichnung für angemessen hält, wird sie sich hoffentlich zu Wort melden.

    • ich bring mal den kopfgesteuerten mann in’s spiel.
      dieser mann wird auf ästhetik und der damit ja zwangsläufig einherschwebenden politischen, anarchokommunistischen grundiertheit einer dahinmoussierend auszuwählenden frau setzen und seine geilheit vorübergehend zur erhaltung seines geistig-emotionalen haushaltes sich aufzusparen geneigt sein, ist im mäandern seiner geilheit eine diesem entsprechende frau nicht in der nähe, was allerdings doch ziemlich oft der fall sein dürfte aufgrund der dünngesätheit solch weiblicher ikonen.
      ( es sei denn, da sind nischen, in denen sich ästhetisch gleichgesonnene bequem treffen )

    • Dieser Satz verdient Applaus und dann gleich an den Landungsbrücken in die Elbe gekippt, farewell kleiner Theweleit mit den frisch geflaggten Männerphantasien und gute Reise.

    • @sowieso fantasien ?
      minibar am spreewaldplatz, cafe anfall ( genau, das montags immer frauentag hatte,
      an dem also keine männer rein durften ) und das ehemalige ex’n pop in der mansteinstrasse waren solche locations in berlin, in denen des öfteren frauen zuwege waren, die diesen “ersten schritt” machten ( keine prostituierten, nix gegen prostituierte und keine swingerclubs, nix gegen swingerclubs ).
      solche coolen läden textet man nicht rum, deshalb der schmale nischenhistorienreport.

    • Warum nur befällt mich dabei wieder hinterrücks Rucker:

      Until you have walked, run, fought a mile in her shoes
      Don’t you dare stand in front of me and tell me

      What a woman must do
      What a woman must do

      Da kann mir Ihr Nischenreport doch gestohlen bleiben, was kann ich dafür, wenn Sie es müde geworden sind, sich ein wenig ins Zeug zu legen. Wer sich keine Mühe machen will, zeigt mir mal wieder, wo es lang geht und wies zu laufen hat, soll ich jetzt auch noch die Buchhaltung machen, oder was. Ach, hört mir doch alle auf mit dem Krampf, werdet mal fassbar ihr “Totalumschleicher”, mit Dank an Nicolai Kobus.

    • versuchen sie doch nicht, mir ihre anscheinend eindimensional verlaufende ideologie unterzujubeln, sowieso.
      sie können es doch halten wie sie wollen.
      aber reine positionsbehaupter langweilen mich in einer “diskussion”.
      ich diskutiere eigentlich nur dort, wo ich meine anschauungen oder meine praxis erweitern kann und erwarte von anderen gleiches.
      frage mich gerade, wo oder inwiefern ich meine standpunkte hierbezüglich noch ausbauen kann.
      klar kann ich auch den “ersten schritt” machen, aber dieses rollenmuster lässt mich irgendwie gähnen und ich finde das persönlich auch rückschrittlich hinsichtlich der frauen, die den “ersten schritt” gerne machten, aber sich nicht – aufgrund womöglich noch gesellschaftlicher diskreditiertheit ( werd ich jetzt langsam paranoisch oder was ) – trauen.

    • Sie stecken doch in einem total vernagelten Hüttchen und zücken den Schrittmesser, der erste Kuss, die erste Watschen, Sie müssen deutlich älter sein als ich?
      Bei uns zu Lande auf dem Lande bestanden Schritte, die zu was führten, auf beidseitigem Entgegenkommen, und soll ich Ihnen was sagen, alles andere gehört eh in den Knigge oder zum Opernball, aber hat mit der Welt, in der ich lebe, wenig zu tun.

    • Pfründe und Latifundien können schon sehr trennen, aber die Hunde der Dorfschulzen hatten meist schon Nachwuchs miteinander, das stimmt.

  3. Otto Muehl? Polyamorie? Der Mann hat Gott gespielt, wenn man die Mütter und Kinder vom Friedrichshof heute zu Wort kommen lässt, klingt das nicht nach einer glücklichen Zeit der Liebe. Es wurden Standgerichte abgehalten, wenn sich wer den Regeln widersetzte, ein Stückchen Schokolade aß, Mütter von ihren Kindern getrennt, weil ja das Kollektiv schon alles ersetzt, bloß keine Symbiosen aufkommen lassen, denn die machen ja bekanntlich krank. Dogmatisten haben aber die Welt noch nie verbessert, wer sich nicht um Individuen kümmern mag, sondern jedem seine allein seligmachende Theorie übertülpen will, der hat von Liebe zu den Menschen noch wenig verstanden.

    http://www.youtube.com/watch?v=KGmBPqc-POA&playnext=1&list=PL2A13E70B6EFDEAB7

    Heute von gesunden Kindern umgeben, ein wahre Freude, wirklich, Verblendung ohne Ende.

    • @sowieso Auch das ein Feld, über das ich noch nicht gegangen bin. Was ich allerdings weiß, stammt aus erster Hand – der Mann, den ich anfangs erwähnte, hat einiges erzählt. Doch sind diese Erinnerungen privat. Es gibt ja auch genug andere Wege, da mal reinzuschauen – danke für den Link…

    • Erfahrung aus erster Hand eines Gaddafis sehen auch anders aus als die der Presse, klar. Ich ziehe aber – auch bei Autoren – oft die Fassung letzter Hand vor und setze lieber auf polyperspektivsche Erzählungen statt auf auktoriale.
      Natürlich wachsen Kinder in bürgerlichen Haushalten meist auch nicht weniger gebeutelt auf, ich habe nur zu viele meiner Zunft mit ihren Ideologien fuchteln sehen, ich bin es leid, ich vertraue deren Worten nicht, ich vertraue den Handlungen, wenn, und deren Verben, I m afraid, sind nicht alle performativ, auch wenn es manch Autor gerne so hätte.

  4. Auch künstlerisch hat mich Schwarzkogler immer eher überzeugt. Er hat Fragilität nie mit Strotzerei überdeckt, er hat sie offen gelegt und, finally, das sind wir wohl alle, fragil und zerbrechlich und die Kontrolle über uns, die haben nicht allein wir. Wer davon was versteht, der mag vielleicht auch niemand anderen beherrschen.

    • Die Kongruenz lässt sich leicht herstellen, man bleibe einmal unglücklich in Klickpedalen hängen, schon sorgen die Gesetze der Physik und die Hebelwirkung beim Drehen um die eigene Achse für den Rest. Und ihre Allergie zeigt es Ihnen doch, oder nicht?

  5. Der schwarze Block in meiner Seele. Wie lange lerne ich nun schon daran, an der Vorsicht vor diesem Nach-Bilden das zum Nach-Äffen wird schneller als man dessen gewahr wird. Wenn ich nicht meine eigene Angst täglich fühlte bei meinem Tun-was-zu-tun-ist, wenn ich also diese Angst nicht fühlte, würde ich leicht über “die Anderen” schmunzeln. All diese Anderen mit ihren -ismen und Dogmen und Glaubenssätzen und erklärten Pseudofreiheiten. Aber ich schmunzle nicht, ich tue was zu tun ist ohne zu wissen, wo dieses Tun hineinpasst, auf welchem Marktplatz ich handeln könnte damit. Ich werfe das hinaus, den Andern zu manchmal, noch öfter den Andern nach. All das was hinausmuss. damit ich vordringe zu diesem schwarzen Block in meiner Seele von dem ich glaube, dass ich dort das Unverrückbare finden werde nach dem ich suche. Dieses SO IST ES ist alles Hinauswerfen und sich Ängstigen wert. Warum erzähle ich das hier? Ihr Text wieder mal Frau Phyllis …

    • @Schreiben wie Atmen Das ist eine schöne Replik, weil Sie (eigentlich immer, aber hier besonders) so unverstellt reagieren. Mir vergeht das Schmunzeln auch manchmal. Nicht im Blick auf die “Andern”, sondern in dem auf mein eigenes Tun. Weil dieses Unverrückbare umso weiter entfernt scheint, je mehr ich wühle. Und dann soll man ja auch noch jeden Moment davon genießen, nicht wahr, der Weg ist das Ziel…
      Geht mir manchmal schwer auf den Keks, das Zen.

    • Von diesem “genießen” sagt Zen eigentlich nix, wenn ich richtig informiert bin. Wahrscheinlich verwechselt man hier leicht das “bewusst erleben oder wahrnehmen” mit “genießen”, weil es im Sinne der Event-Kultur oft im gleichen Atemzug für “ach wie schön” verwendet wird. Wobei auf den Keks gehen schon in Ordnung ist, dann geschieht etwas. Sie wissen schon, der Weg …
      ;o)

    • Brav, brav. so ist es recht, immer schön Wellenmuster machen *grinz*.
      Ich sah mal einen Fernsehfilm in welchem zwei Herren mittleren Alters (der eine gespielt von dem unsäglichen Ochsenknecht, der andere von einem genialen, dicklichen ein wenig hässlichen Schauspieler, dessen Name mir leider immer wieder entfällt, obwohl ein “Maria” drin vorkammt, glaube ich) in ein Zen – Kloster gehen um zu sich zu finden. Der film hatte wiewohl keine nennenswerte Handlung, so doch etliche Szenen die ihn unvergesslich machten. In einer dieser Szenen harkt eben jener dicklich Schauspieler in einem Tisch-Zengärtchen herum (vermutlich ein Angebot jenes schwedischen Möbelhauses). Hört sich jetzt vielleicht gar nicht außergewöhnlich an, aber diese Szene war derartig SCHRÄG und BRÜLLKOMISCH, dass sie mir noch nach all den Jahren (bestimmt sechs oder gar acht) erinnerlich ist.
      Genau DAS ist Zen für mich: diese wahnsinnig EINZELNEN Momente, die sich aus der Ebene der Zeit herausheben.

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