Sittin’ on the dock of the bay

hopin’ that the Felle not wegschwimm.
Lookin’ forward to my burnout
Yours sincerely, Tastaturin!

12:53
Landunter mit Arbeit, geschätzte Leser:innen. Sorry, dass ich hier momentan so einsilbig auftrete, aber wenn der Kiefer allzusehr knackt, muss man auf ein Stöckchen beißen. Das Reden fällt damit eher schwer. Bleiben Sie mir trotzdem gewogen! In drei Wochen ist der Spuk vorbei…

Unverbissen herzlich grüßend, Ihre

Miss TT

“Kaffee?”

(Nieder mit Latte Macchiato!!! ; )

12:12
Die Diskussion zu Melancholia übrigens, die heute hier weitergeführt wird, ist spannend zu lesen. Es juckt mich in den Fingern, mich zu beteiligen, will mich aber weiter diesem widmen. Hab’ eine Spülmaschine laufen, um die Konzentration zu erhöhen: Ihr Brummen macht was angenehmes mit meinem Gehirn.

Adlersprech

Ich sah meine Geliebten auf der Bühne, vollständig bis zu jenem ersten, der tatsächlich Mann war: vor ihm gab es Jünglinge. Er stand hinten in der Ecke, nackt wie alle anderen. Mit der Rechten hatte er seinen Schwanz etwas gehoben, ließ ihn in der Handfläche ruhen. Es ist angerichtet, schien die Geste zu sagen.
Niemand sprach. Ich stand vorne und betrachtete mir das wie ein Bild. Hatten wir Publikum? Falls ja, war es still. Dies ist kein Text, nur ein Erinnerungsfragment.
Vielleicht waren es Melusines Überlegungen zur Scham, die mich die Bühne betreten ließen. Wer Regie führte, keine Ahnung; ich jedenfalls war Statistin. Das passt zum Passivsein – gestern erzählte ich ihr davon an den Gleisen. Jemand anderes schrieb, wissen Sie, dass manche Männer eine Scheu haben, sich aufgerichtet zu zeigen. Merkwürdig, dass ich mir das sofort vorstellen konnte.
Meine Akteure waren nicht befangen. Vielleicht weil sie wussten, dass die Aufstellung eine statische war: es würde nichts weiter passieren.
So weit. Wer liest schon gern von fremden Träumen?

Aber folgen Sie mir doch in den nächsten Raum.
Schöpferisches Handeln bringt Bühnen mit sich, wer die Rampe scheut, hat es schwer. Wer sich schämt, ebenfalls. Schließlich muss bei allem Willen zur Abstraktion zunächst das eigene Herzfleisch ans Licht und betrachtet werden. Die Rohsubstanz: das, woraus sich alles weitere ableitet. In der Kunst geht’s viel um Übersetzungen. Dafür liegt ein Originalskript vor, das aus einem einzigen Wort besteht: „Ich.“
Daraus entsteht alles Weitere. Eigentlich irre, oder?
Ich hab’ immer geglaubt, auf diesem Wort einen Palast gründen zu können. Um neues, auch für andere gültiges Vokabular zu generieren. Vor allem aber wollte ich über das Originalskript hinauswachsen, mich zum abstrahierenden Denken aufschwingen! Ich wollte Adlersprech lernen.
Hat nicht geklappt.
Wegen der Scham. Ich glaube, ich hänge doch sehr an ihr. Was sich an ihr vorbei auf die Bühne drängelt, hat für mich Wert. Der Aufwand hat für mich Wert. Und er kostet so viel Kraft und Zeit, dass ich das mit dem Adlersprech ganz vergessen habe! Manchmal bedaure ich das. Dann aber höre ich sie oben schreien und denke: mein Fleisch kriegt ihr nicht.

Im Originalskript steht allerdings etwas anderes.

Kaan

Sie nennt sich Kaan. Schwarzes Haar, eng am Kopf geschnitten. Aus der Nähe wirkt der Schädel wie mit Fell bedeckt. Ausgeprägter Hinterkopf, der mit Schwung in den Nacken übergeht. Die Nackenlinie ist das einzig elegante Merkmal. Flach anliegende Ohren, runde Läppchen, nicht durchstochen. Nase, Lippen und Kinnlinie im Profil unauffällig. Der Eindruck wandelt sich bei frontaler Gegenüberstellung: Um sie ohne Vorbehalt rekrutieren zu können, ist ihr Gesicht zu speziell. Dominant die sehr hoch anmutende Stirn. Sie hat die Augenbrauen entfernt. (Evtl. dauerhaft)
Die Falte über der Nasenwurzel ist schwarz nachgezogen, etwa zwei Zentimeter lang, nach unten fein auslaufend. Der Strich ist tätowiert. (siehe Anhang)
Tiefbraune Iris, die Bindehaut oft etwas entzündet. Sie scheint wenig zu schlafen. Sehr kurze, dichte Wimpern, immer stark getuscht. Heller, fast weißer Kajal, sowohl auf dem inneren Lid, als auch am unteren Wimpernkranz entlang. Schwere, ungeschminkte Oberlider (Schlupflid): sie sieht unter ihnen hervor. Das ließe auf Trägheit schließen, wäre da nicht der Blick. Unverhohlen empfindsam, ist ihm jede Gefühlsregung anzumerken. Bei direkter Konfrontation trübt und entschleiert er sich in schnellem Wechsel. Sie moderiert das Gespräch nicht, lässt ihre Aufmerksamkeit abschweifen. (evtl. ADHS)
Hübsch ist sie nicht. Der Mund wirkt eigensinnig. Die Lippen dehnen sich beim Lächeln, geben aber die Zähne nur frei, wenn sie lauthals lacht. Oft tritt das offenbar nicht ein; es fehlen die entsprechenden Falten. Die Wangen sind schlank, die Haut wirkt eng an den Schädel modelliert. Ein präziser Kopf. Umso stärker der Kontrast zu ihrem auffällig ungeschützten Blick, dem die Tätowierung und der Lidstrich die kindliche Anmutung nehmen.
Soll die Observation fortgesetzt werden? Bitte um Instruktionen.

MfG,

A.T.

Anhang
– Bildmaterial

Smartes Vokabular, 7

»Verprächtigung« [Nobilisierung]

– Sukzessive Aufwertung
– Gegenentwurf zu Selbstgenügsamkeit von Gegenständen, Situationen [Menschen?]
– Übergang von Holz zu Stein zu Marmor
[Lateritiam invenit marmoream reliquit / Er fand (Rom) aus Ziegelsteinen gebaut, und hinterließ es marmorn.]
– Vivienne Westwood goes Afrika

Quelle: Verschiedene

[tiped by: P.G.]