Bin noch da…

– Aber, liebe Leser:innen, ich überlege gerade intensiv, ob und wie ich TT modifizieren kann, um diesem virtuellen Atelier und Denkraum mal wieder etwas Schwung zu verpassen. Für mich. Für Sie. Bin noch zu keiner praktikablen Lösung gekommen, aber das wird schon.
(((( Hoffentlich!!!! ))))
Jedenfalls lässt sich mein Vorsatz, wieder häufiger hier zu schreiben (oder gar Ihre Mitwirkung aktiver anzuregen) schlichtweg nicht umsetzen. Ob das wirklich Zeitmangel ist? Nachlassende Synapsentätigkeit meinerseits? Oder noch Schlimmeres?
Ich glaube, TT braucht einfach eine neue, unverbrauchte Idee. Wofür der Frühling ja grundsätzlich nicht ganz ungeeignet ist.

Und damit Sie nicht später behaupten können, Sie seien nicht gefragt worden, geschätzte Besucher:innen, wäre die Kommentarfunktion unter diesem Beitrag eine Möglichkeit, ein paar Anregungen oder auch Kritikpunkte vorzubringen. Nur zu, falls Ihnen der Sinn danach steht.
*lächelt*

Herzlich,
Phyllis

Sonntagmorgen

Foto am 07.10.16 um 13.09 #5

Morgen, allerseits!

Bin jetzt auf Instagram, schau’n Sie doch mal…
Ich war einfach neugierig, wie es sich anfühlt.
Ganz gut eigentlich. Geht schnell. Macht Laune. Und ich kann meine aktuellen Tusche-Arbeiten noch einmal in einem anderen Kontext zeigen als hier.

Es ist leise geworden auf TT. Liegt vermutlich an mir. Andererseits, ich denke immer, es liegt an mir. Was mich an eine kleine Anekdote erinnert, die eine Kabarettistin kürzlich im TV erzählte.

„Wissen Sie“, sagte die Kabarettistin,
„wenn ich an einem Abend eine schlechte Show abliefere oder meine Pointen nicht zünden, gehe ich hinterher zerknirscht in die Garderobe und sag‘ mir oh wei, ich muss nacharbeiten, ich war nicht auf der Höhe, muss da unbedingt noch mal ran. Anders bei den männlichen Kollegen. Wenn von denen einer eine schlechte Performance hinlegt, kommt er hinterher in die Garderobe und ruft einfach nur ‚Scheiß Publikum heute‘.“

(M e i n e männlichen Freunde sind natürlich ganz anders.)
((Und meine weiblichen Freunde sind laaange nicht so selbstkritisch.))
(((*hüstel*)))

Schnauf

Diese Woche bin ich mit einer Gruppe junger Afghanen bei >>> Frankfurt Life, nächste Woche gleich noch einmal, mit einer anderen Gruppe. Dann erst einmal drei Wochen Workshop-Pause. Die brauche ich auch… Meine Haut rebelliert; die Neurodermitis hat sich zurückgemeldet, nach langer Zeit.
Ich kenn‘ das Biest. Wenn die Kontaktgrenze zur Außenwelt zu dünn wird, braucht die Trainerinnen-Figur eine Bühnenpause…
Sport, Kunst, Ruhe und Reflexion.
Bin zuversichtlich, aber müde.

Haben Sie einen guten Tag, liebe Leser:innen. Ich schick‘ Ihnen ein Lächeln!

TT

Vom Sprechen und vom Schweigen

Heute Morgen nahm ich das rote, samtige Schmeichelkleid vom Bügel. Gegen den von der Nacht noch durchweichten Morgen und als Rebellion gegen die Melancholie. Ein Wort, das ich letzte Woche den beiden jungen Somaliern beigebracht habe, die in meiner neuen Schreibgruppe waren. Auch die Afghanen mochten es. Alle Jugendlichen, die erst seit ein, zwei Jahren im Land sind, lassen sich von meinen Synonym-Trainingseinheiten begeistern.
Wörter, sage ich immer, sind eine Art Schmuck für eure Persönlichkeit, der euch nichts kostet. Lernt jeden Tag ein paar besondere und die Leute, denen ihr begegnet, werden mehr Geduld mit euch haben. Man wird auch neugieriger auf euch werden. Ihr könnt noch nicht gut genug Deutsch, um eure Persönlichkeit richtig zeigen zu können. Umso wichtiger sind die Wörter, die ihr verwendet, die Auswahl, die ihr trefft: Überrascht die Menschen, mit denen ihr sprecht.
Es gab, neben der Melancholie, noch ein anderes Wort, das die Gruppe mochte:
Charmant.
Grell mochten sie auch.
Dafür hab’ ich nun endlich kapiert, wie man Vallah verwendet. Es heißt so viel wie: ich schwör’s.
Zumindest haben es mir die Jungs so erklärt. Sie veräppeln mich ja auch manchmal. Ich werd’ das bei meiner nächsten Gruppe noch einmal überprüfen mit dem Vallah…

Die einzige Frau, von der ich in diesem ersten Monat des Jahres etwas hatte lernen wollen, hat auf meinen Brief bereits am darauffolgenden Tag geantwortet. Ich lernte sie vor drei Jahren kennen. Sie war der Ankerpunkt einer Gruppe, die sich an meinem bevorzugten Meditationsort zusammengefunden hatte, um gemeinsam in ein großes Inneres hineinzuhorchen, meist schreibend. Gelegentlich lasen wir einander vor. Reaktionen auf diese Lesungen fanden im Schweigen statt. Blicke, minimale Handbewegungen, fast unmerkliche Veränderungen in der Körperspannung der Zuhörenden. Das war die Absprache: nicht zu sprechen.

“Ich hätte zu gerne weiter geschwiegen, hatte eine besondere Intimität während dieser Tage empfunden. Sie ging verloren, als der Kurs endete und alle anfingen, Erfahrungen und Eindrücke auszutauschen. Zu früh, zu drängend, wie um etwas nachzuholen.
Ich hatte nichts nachzuholen.
Sprechen ist immer Verblendung, selbst wenn man sich viel gute Mühe dabei gibt.
Ich schreibe lieber. Ist natürlich auch Verblendung, aber wenigstens grätscht mir niemand dazwischen.“

Das, unter anderem, hatte ich ihr geschrieben. Und sie um etwas gebeten, das ich in ihr, der älteren, sah und mir aneignen wollte.
Sie lehnte ab.
Ich respektiere das. Sie hat eine Form des Teilens entwickelt, die ihr entspricht, eine Form des Lehrens. Eine andere mag sie mir nicht anbieten.
Vielleicht hätte ich an ihrer Stelle genauso entschieden.

Ich bin gerne mit Menschen zusammen. Ich finde nur, es wird meistens zu viel gesprochen. Während dieser Verbalisierungen geht es fast andauernd um Macht. Um die unsichtbare Hackordung. Darum, die eigene Wahrnehmung im anderen unterzubringen, möglichst schnell, möglichst effektiv.
Das muss gar nicht so brutal sein, wie man es im dialogischen Schnellfeuer der Alphatiere oft beobachten kann. Das Ganze funktioniert subtil genauso – und genauso gut, wenn nicht sogar besser. Sprechen ist, aus meiner Erfahrung, ein andauerndes Kräftemessen.

Von dem ich mich keineswegs ausnehme. Doch es strengt mich – außerhalb meiner pädagogischen Arbeit – immer mehr an. Ich spüre den Wirkungen nach, die von bestimmten Sätzen und verbalen Gesten ausgehen und bin verstimmt wie eine nasse Geige.
Meine private Kommunikationsregel rettet mich vor dem Gröbsten: Nach spätestens drei Stunden ziehe ich mich aus jeglichem Gespräch zurück, sei es persönlich oder beruflich.
Ich klinke mich aus. Lasse erst einmal wirken, was im Austausch geschehen ist.

Das Wirken lassen und Nachspüren könnte auch bereits innerhalb von Gesprächen stattfinden. Tut es aber nicht. Weil die meisten Menschen meiner Erfahrung nach keine Pausen aushalten. Kein Schweigen. Empfinden sie Schweigen wie einen Sog, der ihnen alles unter den Füßen wegzieht, was sie zuvor mühsam mit ihren Worten etabliert haben?
Für mich ist es das Gegenteil. Ich liebe die pure Gegenwart, die Menschen ausströmen können, wenn sie endlich einmal den Mund halten und einfach nur d a sind.

(((Das rote Kleid wirkt bereits. Eben wird der Tag licht.)))