Als ich das Bild vorhin machte, nannte ich es “Besinnlichkeitstraining3”. Stellte aber fest, der Titel passt nicht.
Was soll dieses ewige Ironisieren? Hab’ ihn deshalb weggenommen.
(Vielleicht fällt ja Ihnen ein besserer ein.)
Archiv für den Monat: Dezember 2011
Die Sprache der Anderen, 34
[…] “Ich glaube, alle guten Geschichten von Mythen über Märchen und Legenden bis hin zum Buch-, Film- oder Theater-Klassiker sind mitreißende Geschichten, das Mitreißen ist das Allerwichtigste. Beim Schreiben stelle ich die Geschichte ganz in den Vordergrund. Sie muss bestimmte Kriterien aufweisen: Sie muss glaubhaft, emotional und interessant sein, sie muss aus einem neuen Blickwinkel dargestellt werden. Das sind scheinbar simple Ankerpunkte, an denen man entlanggeht. Diese Kriterien sitzen ganz fest in mir, ich halte sie für das Wichtigste und ordne ihnen vieles unter. Als nächstes überlege ich, wie würde die Figur mit diesen und jenen Eigenschaften in einer bestimmten Situation handeln.
Die Dramaturgie ist manchmal einfach eine Frage der Kürzung und der genauen Dosierung, hierfür muss man auch bereit sein, auf Dinge zu verzichten, die man sehr mag. „Kill your darlings“ heißt die Maxime, manchmal findet man einen Satz total schön und muss doch akzeptieren, dass er in diesem Moment nicht passt.” […]
Aus einem >>> Gespräch der Journalistin Andrea Pollmeier mit der Autorin Nino Haratischwili, erschienen auf >>> Faust Kultur.
(Kill your darlings… ! Das erinnert mich an einen Freund. Als ich damals anfing, Kunst zu studieren, sagte der mir: “Such’ Dir keine neuen Freunde. Such’ Dir neue Feinde!”)
Ich möchte Ihnen Faust Kultur empfehlen. Nicht, weil Sie dort Feinde finden werden (obwohl – wer weiß?), sondern weil die Site lebendig ist und auf sehr einnehmende Weise voreingenommen: was Sie dort an Kunst und Kultur vorfinden, entspricht dem Gusto und der Haltung der Herausgeber:innen. Basta. Keine Anlehnungen. Die haben ihr eigenes Revier aufgemacht. Sie finden dort >>> “gemachte” und noch unbekannte Künstler:innen in Bild, Wort und Ton ganz freundlich versammelt. Und ständig kommen neue hinzu – die Herausgeber:innen sind gefräßig! : )
Viele Gespräche. Nie zuviel Information auf einmal. Und das Kluge ist irgendwie lässig präsentiert: man kann auch mal ohne Verkontextualisierungszwang dort lesen und kapiert’s trotzdem. Kann ich gut leiden sowas. Deswegen wird auch eine Serie meiner Texte und Zeichnungen demnächst dort beginnen : )
Blingblingtraining I
T-Zelle
Ich erwähnte es schon in meinem heutigen Kommentar zur Lob-Diskussion: Miss TT ist momentan nicht gut drauf. Während der Druck an der Job-Front langsam abnimmt, hat sich an anderer Stelle eine phyllinische Terrorzelle gebildet, die mich ganz schön beutelt.
Vieles in diesem Beutel ist zu roh oder zu intim, um es einfach so in die Welt zu patzen, für anderes finde ich wahrscheinlich interessante “Formate”. Mit der Zeit. Unterdessen begegne ich meinem Schwächeanfall mit Hanteln und Hintergrundgesprächen. Ich schreibe ganz bewusst: “begegne”: Mir liegt gar nichts daran, ihn zu beschönigen. Ich fühle mich einfach völlig entkräftet. Hab’ dieses Jahr viel geleistet, auch für das kommende neue Projekte angeschubst, brauche dringend Regeneration. Bessere Nerven auch. Momentan erscheint mir jede kleine Aufgabe wie ein Berg. Ich merke das sogar an meiner Sprache: wie sie schlichter wird in solchen Phasen. Raffinesse fliegt mir nur zu, wenn die innere Batterie gut aufgeladen ist.
Sie sehen, geschätzte Leser:innen, es gibt eine Menge n i c h t zu tun in nächster Zeit, bevor ich wieder leichtfüßig werde. Ich packe meine hehren Ansprüche mal für eine Weile weg. Ich will spielen. Albernsein. Im Wald nach Faunen und Wildschweinen Ausschau halten. Vielleicht suche ich mir auch einen Baum. Nee, nicht als “Christbaum”, sondern um ihn zu umarmen. Ihm eine Spinnerei zuzuflüstern.
Einbruchsdelikte
Flaschen soll man ziehen lassen. Vor allem sowelche, die sich als Menschen ausgeben. Bin dusselig heute Morgen, möchte aber partout ins Kraut schießen. Meinetwegen auch auf Tonflaschen. Oder auf Sittliche. (Nein, das l ist kein Verschreiber – Sittichen würde ich kein Federchen krümmen, niemals)
Ich sitze hier einfach. Das ist schon viel dieser Tage. Flattere mit den Ohrläppchen: ein letzter Ausläufer meines Flugtraums von heut’ Nacht. Nein, ein Katapulttraum. Aus den Kniekehlen, sozusagen, schnalzte ich mich nächtlings senkrecht nach oben, ein Riesensprung bis weit über die Baumwipfel des größten Baumes, den Sie sich vorstellen können. Dann, die Arme ausbreitend, sanft wieder abwärts, langsamer als ‘ne Schneeflocke. Hallo, Hirn. Werd’ doch endlich mal warm, du alter Saurier. Tau’ auf, oder muss ich dir Beine machen, obwohl du Flügel hast? Du altes schuppiges Trödeltier. Dumpfbacke. Glotz’ mich bloß nicht so blöd an von innen, burnout kommt nicht in die Tüte. Tüte. Haste ‘ne Beißhemmung, oder was? Wenn schon, dann bitte gleich ganz verrücktgehen, so mit Ruhigstellung und allem pipapo. (Wo auch immer d e r Ausdruck schon wieder herkommt)
Ich bin eine chronische Einbrecherin. Vielleicht weniger Pirouetten tanzen? Die machen immer so schnell Löcher in die Eisdecke. Und schwupps, isse weg. Nur das Tütü schwimmt oben. Hey, Saurier! Röckchen stehen dir nicht. Komm’ wieder zu dir. Ist gar nicht so weit, wie du denkst.
Wer hat gestern …
Train the trainer
ist heute angesagt, geschätzte Leser:innen. Und da eine riesenlange Agenda abzuarbeiten ist (inklusive eines Impulsreferats, das ich, von der Bezeichnung inspiriert, ü b e r h a u p t nicht vorbereitet habe) komme ich tagsüber wahrscheinlich nur sporadisch mal hier im Atelier vorbei.
Aber Sie kennen sich ja aus: Schlüssel ist unter der Matte, der Kühlschrank ist voll (Finger weg von meinem Johannisbeersaft!!!) und der Kaffee für die Espressomaschine steht oben auf dem Regal. (Nicht wundern, es ist die Weihnachtsmischung vom Café Wacker, schmeckt nach Lebkuchen und Kardamom : )
Ich wünsche einen schönen Tag!
Herzliche Grüße, Ihre
Miss Tainted Trainer
“Loben?!”
Die Annahme wäre, >>> “der Lobende wüsste, wie’s gelingend gehört und klopfte dem zu Lobenden belohnend auf die Schultern. Jedes Kunstschaffen würde dadurch degradiert.“
Stattdessen lieber: fundierte Rückmeldungen auf Augenhöhe, mittels derer der Rezipient die Wirkmächtigkeit einer künstlerischen Arbeit auf sein oder ihr Innenleben in Worte fasst.
Der Idealfall.
Und einer der vielen Gründe, weshalb mir TT ans Herz gewachsen ist. Weil das hier ab und an passiert. Reflektierte Reaktionen aufs eigene Schaffen, Mitteilungen aus den Parallelwelten. Saugeil. Und fair obendrein: erst arbeitet die Künstlerin, dann der Rezipient. (Hatten wir ja >>> schon mal ; )
Sowas will in der Tat geübt sein, oft ist da als Reaktion ja zunächst nur ein Begeisterungsquietschen. Oder Herzflattern. Das muss dann in wertschätzenden Text umgewandelt werden. Am besten mit Fragen. Möglichst klugen. Und einem Kontingent konstruktiver Kritik. Sonst outet man sich als Fan. Blödes Etikett, wenn einem auch die eigene Birne etwas wert ist, nicht nur die fremde.
Ok.
Soweit korrekt, aber … wissen Sie was? Vergessen Sie’s. Ich will Ihnen sagen, wie es m i r geht bei Texten, Gedichten, Geschichten, auch Bildern, die mich im Netz beeindrucken: ich kommentiere selten darunter. Mein Anspruch, mit meiner eigenen Reaktion dem Niveau des Urhebers, der Urheberin gerecht zu werden, hebelt mich aus, ehrlicher noch: ich bin oft zu faul, zu uninspiriert oder vom Offline zu geschlaucht, um die Energie aufzubringen, etwas Adäquates zu schreiben.
Wenn ich trotzdem reagieren will, schreib’ ich ein Lob hin. Schlicht. Immerhin steht dann was da. Klar will ich damit auch Präsenz zeigen. Und meinetwegen den Adressaten für mich einnehmen. Was aber eigentlich nie nötig ist, denn ich schütte meine Lobe nur über Menschen aus, von denen ich annehme, dass es ihnen nie in den Sinn käme, das als Hudelei misszuverstehen. Wo man sich zugeneigt ist, genügt manchmal auch ein Quietschen. Und wo man sich nicht riechen kann, kommt selbst die eloquenteste Formulierung schräg rüber. Ich plädiere für die ganze Palette. Kieksen und Quietschen einbegriffen.