Tagaus
Solang’ kein Licht brennt, steht der Tag nur am Himmel. Flieg, mein Drachen, aber zerr’ nicht, sonst lass’ ich die Schnur los. Frühmorgens sind wir für uns, Liebster, traumvergoren, sind Fläche und Hügel, Damm und Graben. Was, wenn wir nichts lernten, sind wir dann mehr oder weniger? Wie viel Welt bist Du mir, mein Lieb, wenn mir die Augen verbunden, mit was greifst Du nach mir, wenn ich Schatten bin.
Morgens holt mich die Erde, die Schwester, die Luft. Morgens für einen Moment ist es, als wären wir nie getrennt und die Ahnen gurren auf dem First, unter dem ich hause. Auf, auf! Die Treppe hinunter weiß ich noch kaum, wie das funktioniert mit Lunge und Luft.
Wie es wohl wäre, drinnen zu bleiben, mein Bettchen, mein Faden, mein Drachen.
Wenn niemand meine Straße schrubbte mit rotierenden Bürsten und kein Bäcker seine Fladen auf’s Band klatschte, jetzt, gerade. Noch nicht! Bleib mir doch unbegreiflich, ich bitt’ Dich. Ah, warum bin ich Fleisch geworden, so schwer. War doch Licht. War doch überall, bevor mich ein Körper in Knoten band und bindet, als wär’ das Wahrheit, so ein Körper, so ein paar Rehaugen. (Mein Äuglein, so nennst Du mich.)
Wie schön Du bist, Leben, Alabasterdöschen, Hefeteig, Du gigantische Habseligkeit. We can be heroes, just for one day. Eine Buchseite, ein Kind, eine Verzweiflungstat. Binde mich, Welt. Lass mich nicht ziehen. Ruf’ nach mir, verlange, dass ich Weib sei, meine Hülle verlasse, verlang’ nach mir, lass’ mich nicht klein sein wie das, was Instrumente können: bin doch mehr als ein Punkt auf einer Karte, der Strich, den ich ziehe, das Wort, das ich wähle.
Ah, Papa, was flüsterst Du so.
Tagein.
Wenn ich zeichne…
denke ich nie daran, ob diese Zeichnung gefallen oder missfallen wird. Ich überlege mir nicht, ob jemand anderes vielleicht ähnlich oder besser zeichnet. Ich berücksichtige keine Kontexte und ich frage mich nie, wirklich nie, ob ich so zeichnen darf, wie ich zeichne. Ob meine Themen relevant, meine Linien einzigartig sind. Schon gar nicht käme ich auf die Idee, es gäbe doch bereits so viele Zeichnungen auf der Welt, dass es auf meine nicht ankommen würde. Wenn mir ein Blatt misslingt, lache ich, schimpfe ich, lasse es unter den Tisch fallen und versuche es erneut. Kein Drama. Kein inneres Parlament, das mich abzuwählen versucht, weil ich “versagt” habe. Ich zeichne, weil ich es kann. Die Jahre des Trainings addieren sich zu einer Selbstverständlichkeit.
Ich tu’s einfach. Ich bin beim Zeichnen ganz frei, ganz im Jetzt.
Schreiben fühlt sich für mich immer so an, als würde ich auf einem knatternden Moped dem goldenen Gral hinterherhetzen. Ich wiege jedes Wort. Ein schlechter Satz verfolgt mich bis in die Träume, ein nicht zuende gedachter Gedanke zerrt an meinen Nerven, bis mir die Hände schlackern. Der goldene Gral ist immer woanders, in einem Paralleluniversum, ich müsste mindestens ein Einhorn reiten, um ihm näher zu kommen! Ich habe für meine Suche definitiv das falsche Gefährt, es ist zu laut, zu billig und im Paralleluniversum gibt es keine Tankstellen.
Das Schreiben katapultiert mich in einen Modus, in dem ich nicht diejenige bin, die ich bin, sondern derjenigen hinterherjage, die ich sprachlich sein könnte. Nur Die Andere zählt. Die Zukunft. Die Fähige, die aus der Suchenden geboren werden könnte. Ich denke oft darüber nach, wie viele gute und grandiose Bücher es bereits gibt und messe mich daran. Und verliere. Ich verliere immer – mein jahrelanges Training hat kaum Gewicht. Aber ich gebe nicht auf. Ich werde hundewütend ob meiner sprachlichen Unzulänglichkeiten, doch ich weiß, dass ich bis zu meinem letzten Atemzug versuchen werde, mal eine (eine!!) Seite zu schreiben, die vor meinem eigenen Blick grandios ist.
Ich tu’s, obwohl es nicht einfach ist. Ich bin, beim Schreiben, ganz im Möglichen.
Deswegen brauche ich beides so sehr. Um die Gegenwart ebenso wie das Mutmaßliche bespielen zu können.
Miss TT auf Ölsuche.
Der
Tag
knarzt.
Eitelkeit, Meisterklasse
Und ansonsten fröne ich der meinigen: wenn sie mich denn überkommt. Und applaudiere auch gerne jenen, die Lust und Freude an sich und ihren Manifestationen haben. Klappern gehört, Himmelnochmal, zum Handwerk!
Lächelnd grüßend,
Ihre
Maulheldin
Berühmt
Schlow motion
Es dauert, bis eine sich eingezeichnet hat. Erst, wenn die Balance zwischen Wollen und Nichtwollen stimmt, wird die Hand zur Verbündeten des Gehirns, wird der Strich lebendig.
Ich bleib’ noch ein Weilchen hier. Hab’ dieses Zwiegespräch mit meiner Hand sehr vermisst.
Nach reiflicher Überlegung:
würd’s machen!
23:11 Uhr:
Dann eben nicht, Sie Ei.





