Frankfurt Life Juli 2016

Liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Gäste,

ich werde immer wieder gefragt – von Fremden, die nicht dabei waren … – wie das eigentlich geht mit dem Schreiben bei uns im Frankfurt Life-Projekt. Wie sollen denn junge Leute, von denen viele im Deutschen noch sehr unsicher sind, kreative Texte schreiben? Oder Geschichten, die von ihrem Leben erzählen? Müssten diese jungen Leute nicht erst einmal Vokabeln, Grammatik und Rechtschreibung büffeln, bevor sie Freude am Schreiben entwickeln können? Bevor sie gute Sätze schreiben können?
(…)
Tja.
Müssen sie nicht.

Wer nämlich sofort alles richtig machen will beim Schreiben, ist auch von Anfang an gestresst. Deswegen gibt es viele Leute, die gar nicht erst loslegen damit – vor lauter Angst, Fehler zu machen.
Dabei sind Fehler ganz toll.
Jedenfalls, wenn später jemand kommt und einem freundlich erklärt, wie es richtig geht. Wenn jemand da ist, der Zeit hat zum Reden. Wenn man das Gefühl hat, dass man ernst genommen wird, obwohl man noch gar nicht so viel in der deutschen Sprache sagen kann, wie man möchte.
Oder schreiben…
Schreiben ist ja noch schwieriger als Sprechen.
Aber für eine gute Sprache bekommt man immer Respekt von anderen. Auch, wenn diese anderen merken, dass man sich Mühe gibt, obwohl man noch nicht so gut ist.
Jemand, der zeigt, dass er gerne lernt, wird immer Hilfe von anderen bekommen.

Wir alle vom Projekt hatten viel Spaß mit Euch! Es ist toll, mit jungen Menschen zu arbeiten, die Fragen stellen.
Es macht Spaß, wenn man als Schreibtrainerin merkt, dass eine Gruppe zusammenhält. Dass eine Gruppe sich konzentrieren kann. Auch wenn es schrecklich mühsam ist, so viele Wörter im Handy suchen und übersetzen zu müssen, bevor man ein paar vollständige deutsche Sätze schreiben kann.
Aber in den Momenten, wenn wir uns im Museum unsere Sätze und Texte vorlesen, sind die anderen immer ganz still.

(((Na ja, f a s t immer… ; )))

Es ist still, weil jeder weiß, was das für ein Gefühl ist, vor einem leeren Blatt zu sitzen und nach deutschen Wörtern zu suchen.
Was das für ein Gefühl ist, Dinge aus dem eigenen Leben zu erzählen.
Was das für ein Gefühl ist, die eigene Persönlichkeit zeigen zu wollen, obwohl einem noch so viele deutsche Wörter dafür fehlen.
Aber so wird es nicht bleiben!
Ihr seid alle jung. Und neugierig. Vor allem aber seid Ihr mutig. Und von diesem Mut können wir Älteren alle noch etwas lernen.

—– Aber jetzt wollen wir endlich anfangen zu lesen!

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