Blinder Fleck

So, folks. Genug ausgetobt fürs erste. Und die Schreibtischoberfläche meines Laptop voller Kästchen, zentimetergroße Datei-Icons, unsortiert, fragmentarisch, hinter manchem Icon verbirgt sich nur ein einzelnes Lichtblatt mit zweidrei Lichtsätzen drauf, hinter anderen seitenweise Ausgeschriebenes. (Fast hätte ich „Ausgespieenes“ geschrieben, aber Ausspeien ist old school, man speit nicht heutzutage, man kotzt wohl eher. Das, wiederum, tät ich nicht mit Wörtern machen wollen. Wobei mir einfällt, dass mir eine Freundin eine grandiose Liste veralteter Wörter geschickt hat, gestern, die sie während einer der Lektüre eines sehr betagten Romans für mich aufschrieb, Notizblock neben dem Buch. „Betagt“. Wenn das mal kein schönes Wort ist, kommt gleich in die Schatzkiste)
Jedenfalls dachte ich, die Oberfläche meines virtuellen Schreibtischs betrachtend, ha, das ist mein Adventskalender dieses Jahr, jeden Tag öffne ich eines dieser IconTürchen und bis Jahresende mache ich aus jedem Rohtext hinter jedem der Türchen eine Erzählung. Hübsch, oder?
Weiter.
Heute ist Buchhaltung dran, ausgerechnet. Mit dickem Kopf, denn das Nachtgespräch gestern geriet lang und silbrig, nachdem ich übers Wochenende ganz ohne Alkohol geblieben war. Sehr bewusst: In schwierigen Phasen sind körpereigene Drogen einfach die bessere Wahl.
Buchhaltung also. Und eine Brille muss ich mir machen lassen, ich seh‘ seit Tagen nur noch verschwommen. Könnte zwar psychosomatisch sein, doch der Effekt ist der gleiche. (Hab‘ ich einen blinden Fleck? Unheimliche Vorstellung.)
Eigentlich wollte ich diese Woche gar nicht hiersein. Doch da, wohin ich wollte, tobt ein Sturm, sodass nun hinter eines der Türchen kommt, als Imagination, was hätte gelebt werden sollen. Müssen, eigentlich. Verdammt. (Ist Ihnen schon mal aufgefallen zufällig, dass „Imagination“ im Deutschen, Französischen und Englischen identisch ist?)
Himmel hilf, mein Kopf ist noch so diffus, dass ich eben dachte, ich hätte diesen Text verloren, er war plötzlich weg. Irgendeine Taste gedrückt anscheinend. Ich stell‘ das jetzt schnell ein, bevor es wieder passiert. Und gelobe Besserunk. Ab morgen. Frühestens.

7 Gedanken zu „Blinder Fleck

  1. *versucht, gleichzeitig zu schreiben und dem schmusebedürftigen schnurrenden Kater gerecht zu werden* Hübsche Idee, mit dem Adventskalender! Würde ich glatt übernehmen, wäre der Schreibtisch-Bildschirm nicht schon voll (als Hintergrundbild ein Foto des Ortes, an dem sich vor ein zwei Wochen die Zukunfts[seminar]vision auftat; Straßencafészene in sonnigem Alpenstädchen). Auch, die letzten Tage, so viel [hand]geschrieben wie lang nicht, gestern ist sogar das Notizbuch voll geworden; geh ich nachher gleich ein neues kaufen. Mit Sachen, die im Blog nicht auftauchen; das GROSSE LEBENSBILD, Werte, Mission… und noch gar nicht fertig damit; in der anleitenden Lektüre erst auf Seite 100, komm‘ ich gerade ein zwei Seiten weiter pro Tag, weil ich so viel Eigenes schreibe. Gut so. Nicht für den Blog (oder sollte ich? frage ich manchmal) – zu persönlich, und wenn ich mir’s vorgelesen vorstelle, klingt es so unglaublich pathetisch. Aber genau das Wort- und Gedankenmaterial, das den Kern der Texte für’s neue Seminarprojekt ausmachen wird, yes.

    Oh, Akku leer. Weg damit!

    • Ah, einmal tät ich gerne mit Ihnen über Zukunftsseminarvisionen plaudern, Speed – da hab‘ ich nämlich auch einige in der Hinterhand, die allzugerne in die vordere wandern würden. Beim Wandern? Das hab‘ ich zwar nie trainiert, aber einmal Üben reicht ja erfahrungsgemäß bei mir ; )
      Weitermachen!

      (Und, ja, Angst vor PrivatPathos kenne ich. Aber immer nur Deckel auf alles Lodern und Übersetzung/Verkunstung statt brachialprivat, das liegt mir nicht. Ab und an müssen die erworbenen Fähigkeiten versagen dürfen, damit drunter das Jetzt aufscheinen kann. Hilft. Hilft auch anderen, Fremden, gelegentlich, so etwas zu lesen. Während wieder andere peinlich berührt sind. Aber wer will denn schon andauernd Gefallenwollen?)

    • @Zukunftsplaudern Unbedingt mal mit Ihnen!

      Bemerkenswert, dass Sie vom ‚aufscheinenden Jetzt‘ schreiben, das in meinen Notizen die Tage eine zentrale Stelle hat. Als ‚Augenblick der Begegnung in Sprache‘ zum Beispiel. Das Wort ‚Augenblick‘ ist dabei der Fokus, und ‚the sleeper must awaken‘ [Dune] gehört hierher.

      Bin noch ein zwei Wochen quasi mit meinem Notizbuch in Klausur, dann lassen Sie uns doch mal über einen Termin plaudern.

      Mit pathetischen Grüßen
      Ihr S.

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