Heute mit Selbstporträt

Man beachte –
Nein, vergessen Sie’s. Auf das Offensichtliche soll man nicht hinweisen : )

Hier noch ein kleines Zitat aus meiner derzeitigen Lektüre:
„Ich glaube, ich werde verrückt. Wenn ich nicht noch verrückter werde, stecke ich fest.“ (Barry Stevens)

Im letzten Winter hatte ich mir vorgenommen, mehr dem Irrationalen zu frönen. Den Gehalt meiner Ideen und Erfahrungen nicht immer sofort daraufhin zu überprüfen, ob sie verwertbar sind, ob ich sie beispielsweise in meinen Seminaren verwenden kann, ob sie Bestand haben. Irrational wäre auch, mehr Exzentrik zuzulassen: nicht mehr so darauf zu schauen, ob sich bestimmte Verhaltensweisen und Ideen mit dem vereinbaren lassen, was andere als angenehm empfinden.
„Alle Wahrnehmung ist immer Kollage“ schrieb Schneck vorgestern unter den Lektüre-Liveticker Text. Es wäre schön, diese Kollage (sie Stückwerk zu nennen, wäre bereits wieder wertend) vor sich selbst bestehen zu lassen, nicht ständig stringent sein zu wollen, es wäre großartig, den Inneren Wolpertinger auch im Außen häufiger sichtbar werden zu lassen. Sehr vernünftig, gerade im Arbeitsleben, wäre das nicht: Meiner Erfahrung nach lieben die Leute es, wenn man einen Stil hat. Ausgeprägt ist. Klingt aber schwer nach Stanze, finden Sie nicht?

„Ich gedenke, in den nächsten Jahren zunehmend exzentrischer zu werden“ kündigte ich einem meiner langjährigen Auftraggeber vor ein paar Wochen an. Er grinste nur, schien nicht weiter beunruhigt. (Eben fällt mir das Wort „großspurig“ ein. Meine Ankündigung war großspurig, und, what the hell, was ist eigentlich gegen große Spuren einzuwenden, hm?)

Sie sehen also, es geht weiter. Die Vernunft, Verbündete und Sklaventreiberin in einem, ich kann ihr unmöglich weiterhin den Regiestuhl an meiner Seite zugestehen, selbst wenn ihr Name für alle sichtbar in Großbuchstaben auf der Rückenlehne prangt. Ich stelle mir gerade vor, dass es ein Klappstuhl ist, wie an Filmsets üblich. Hui! Wenn ich ihn nicht brauche, klappe ich ihn einfach zusammen. (Und ahne schon, dass er klemmt, und wie)
Gerade fange ich an, mich diebisch auf die nächsten Jahre zu freuen. Auf das Kauzigwerden. Vielleicht zeichne ich mir Schmuckfalten ins Gesicht.
(Für den Rücken muss ich mir noch was überlegen…)

16 Gedanken zu „Heute mit Selbstporträt

  1. Tun Sie das, werden Sie endlich exzentrisch! Und zwar aus Versehen, nicht mit Absicht, denn dann würden Sie nur exotisch, ein bunter Vogel in einer knallbunten Welt. Hier ein Zitat aus meiner aktuellen Lektüre (Halldór Laxness: Kirchspielchronik; 1976): >Die Frau stellte die Gegenfrage: „Kann jemals jemand einem anderen als sich selbst die Treue halten?“<

    • Seitdem sich meine Schwester im fortgeschrittenen Alter von dreizehn Jahren einen neuen Spitznamen wünschte, diesen sehr speziellen Namen auch gleich selbst erfand und uns auftrug, sie ab jetzt nur noch … (…) (Ha! Ich sag’s nicht!) zu nennen, seit diesem Tag also, von dem an wir sie tatsächlich alle so nannten, halte ich Exzentrik für machbar! ; )

    • *Lacht* Es kann nicht angehen, dass jetzt schon die Künstlernaturen freiwilliig (ja, drei l!) Normalität für sich reklamieren! Wer soll denn da noch die Nische besetzt halten, wenn alle so reden wie Sie?

    • Um den Willen in Bewegung zu setzen, schau’n Sie doch mal, klappt ganz großartig:

      Willlllllllllllllllig!

      Und schon hat man geschätzte vier Zentimeter in einer Sekunde zurückgelegt, mit einem einzigen Wort!

      Herzlich, Ihre
      Nische

  2. Wieso, was mach ich denn Absonderliches? Nix, ganz im Gegenteil, denn ich mach was ich will in der Art wie es mir möglich ist. Wer das nicht macht, hat wohl ’ne Macke und muß, so leid mir das tut, als unnormal gelten. DerdiedasArme!

  3. Ach so, ich dachte schon, es ginge um den Willi! Wenn es um den Willen geht empfehle ich immer Schopenhauer oder auch, für extrem Hartgesottene, das Buch „Einfluß der göttlichen Wahrheiten in den Willen/ und in das gantze Leben des Menschen“ eines gewissen Adam Bernd, Leipzig 1728, das ich mit einer großen Anstrengung meines Willis gelesen habe, in Fraktur. Vier Zentimeter pro Sekunde kommt übrigens ziemlich genau hin!
    Herzlich zurück!

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