23 Gedanken zu „Tiger und Modigliani

    • @Norbert W. Schlinkert Deine wahre Aufgabe besteht darin, Deinen Traum zu retten – so hab’ ich’s für mich übersetzt. Und der Tiger, verdammmtnochmal, ist n i c h t besoffen!

    • Ach so, das heißt das also! Naja, mmh, ob das meine Aufgabe ist, muß der Kerl, dieser Modigliani, schon mir überlassen – grad eben schrieb ich bei mir drüben etwas über zwangsweises Sich(ver)messenlassenmüssen nach anderer Leuts Maßgabe.

    • @Frau Phyllis. Inakzeptabel vielleicht für Sie. Es gibt aber Menschen, die jegliches Lachen als Diskriminierung ihres Leidens empfinden. War und ist das Leiden groß, läßt sich das verstehen. Oft aber sind die Leiden klein, und um so stärker wird die Diskriminierung empfunden. (Ich meine damit gewiß nicht Schlinkert, der sogar sein Fenster öffnet, damit das Lachen nicht draußen bleibt.)

    • @Frau Phyllis (2). Es gibt keinen Grund, auch nicht das viele Elend, auch unsere Träume elend zu machen. Elend hebt Elend nicht auf, sondern es vermehrfacht es. Nur Hoffnung gibt die nötige Kraft. Und für die stehn die Träume. Genau deshalb hat Modigliani recht – und zwar die Forderung hat recht. Sie ist zutiefst moralisch.

    • @Phyllis (2) Was mir nicht gefällt, ist diese brechtsche Anmaßung, die ich ihm nur durchgehen lasse (und dem Brecht nicht), weil er, der Modigliani, sehr gute Bilder malte und auch sonst ein Mensch war und ist. Ich versuche übrigens nicht, meine Träume zu retten, denn sind sie denn in Not? Nö, höchstens in Nöten, und das ist ja halb so wild (wie Ihr besoffener Tiger).

    • @Phyllis (3) Tja: Anmaßung hat immer etwas Anzügliches – altes Schneidersprichwort, heute nur noch als Kalauer zu verwenden. (Hab auch einen Termin, mit meinem Roman nämlich, für eine weitere Maßregelbehandlung!)

  1. @Phyllis: Erstmal natürlich ein herzliches Chapeau! für das Wörtchen “Grummelgrund” – was allerdings an der Aufforderung des Herrn Modigliani freundlich sein soll, ist mir schleierhaft, denn ist das, was der Kerl einem aufträgt, nicht doch eher der Versuch, Wasser mit einem Sieb zu schöpfen! Übrigens überarbeite ich grad eben einen Essay, bei dem es um das Dienen geht, allerdings weniger um das an sich als eher um das Dienen in sich. (Man hat ja sonst nichts zu tun!)

    @ANH: Ja, tatsächlich, so ist es! Und hören Sie endlich auf zu lachen!

  2. @Norbert Was mir an Modiglianis Satz so gut gefällt, ist die Unbescheidenheit darin. Immer noch, auch wenn er schon lange an meiner Wand hängt, ist mein erster Impuls beim Lesen ein zurückschreckender: Darf man es als Verpflichtung ansehen, ihn retten zu wollen? Angesichts aller Menschen, die Rettung viel nötiger hätten als der eigene Traum?
    Sorry, klingt naiv, doch genau das denke ich immer zuerst, wenn mein Blick auf diesen Satz fällt. Mein zweiter Gedanke ist dann immer: JA.

  3. @ANH Sollten Sie tatsächlich der Tiger Ihres eigenen Dschungels sein, so gehe ich natürlich nur von einer spätabendlichen Trunkenheit aus, denn fallen die überreifen Früchte nicht immer erst zur Dämmerstunde in die offenen Mäuler!? So will es mir, ebenfalls am hellichten Tag nie betrunken, sage ich, jedenfalls erscheinen! (Das Fenster ist immer noch auf, wiewohl die rechte Wade zwickt, als wüßte sie bescheid!)

  4. Ouwhhh, bin grad hochgeschreckt, ich muß am Schreibtisch eingenickt sein. Wir wollten ja noch zum Thema Anmaßung Anzügliches austauschen, aber jetzt ist es zu spät. (Allerdings haben Sie zwischendurch aus dem kleinen t noch ein großes T gemacht, da hätten Sie mich ruhig wecken können, finde ich.) Spazierengehen will ich bei der Kälte nun natürlich auch nicht, die Feierlichkeiten zu 150 Jahre SPD haben ja einen tiefen Schatten über das Land gelegt und für Sozenwetter gesorgt. Ich glaub, mich treibt’s zu Bett, vielleicht träume ich ja Auszügliches, wer weiß!

  5. Ich würde für sauver lieber bergen als Übersetzung vorschlagen: etwa, wie man einen Schatz aus der Tiefe des Sees birgt. Die Not, aus der errettet würde, wollte ich zwar nicht völlig von der Hand weisen. Doch meine ich, dass der Errettung des [Wunsch]Traumes ein Erkennen vorangestellt sein müsste. Mit der Bergung eines, vielleicht etwas zugespitzt formuliert, Lebenstraumes bliebe dessen Gestalt vorerst noch ungewiss; bis er sich, allmählich an die Oberfläche gehoben und geborgen, nach und nach zeigte. Ich würde also mit meiner Übersetzungsanregung die Unruhe und Ungewissheit des Vermutens und Entdeckens in den Vordergrund rücken wollen.

    Ihr ‘Tigergekritzel’ ist unglaublich berührend, Phyllis. Meine Assoziationen brachten mich zu einer in Trance versunkenen Frau, die ihre eigene schöpferische Mächtigkeit an- und zu sich ruft. Die Tigerin fühlt prüfend der Absicht nach und sendet versichernd die Botschaft: “Ich bin da.” Ein geschlossenes System sehe ich: die Frau, die Tigerin: sie sind eins. In dieser Szene könnte eine Bergung warten – die, nämlich, der in fragloser Selbstverständlichkeit empfundenen Gewissheit eigener Mächtigkeit. Diese Gewissheit wäre solch ein Schatz, in welchem die oben erwähnte Unruhe sich ohne Aussicht auf Wiederkehr schließlich endgültig verlöre.

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