Verstetigungstendenzen

Soeben ein Konzept für ein Schreibseminar eines neuen Auftraggebers entwickelt. Obwohl das mit den Konzepten immer so eine Sache ist – ich muss einer Gruppe immer erst einmal eine Weile gegenüber gesessen haben. Diese ersten Stunden, während derer viel gesprochen, vorgestellt, vor allem aber beobachtet wird, können durchaus dazu führen, dass ich abends meinen Ablaufplan für den kommenden Tag handfest modifiziere.

Ich hab‘ das Jahr im Kasten. Meine Aufträge haben sich in den vergangenen Jahren zunehmend „verstetigt“, um mal ein beliebtes Wort aus dem Stiftungssprech zu verwenden. Ich muss nicht neu akquirieren, meine Seminar-Termine stehen lang schon im Kalender, bevor sie aktuell werden. Ich könnte sogar Aufträge ablehnen. Yeij! Da wollte ich hin. Nachdem mich kürzlich auch der letzte meiner langjährigen Arbeitgeber offiziell unter Vertrag genommen hat, kann ich mich, jauchz, locker machen. Und mir überlegen, wo ich als nächstes hin will. Neuer Roman? Ausstellung? Kooperationen? Stipendienbewerbungen? Oder einfach endlich mal regelmäßige Atelierzeiten?
Yep! Regelmäßige Atelierzeiten!
Und Yoga. Hanteln stemmen bekommt mir weiterhin bestens, aber ich brauch‘ ein neues Ritual, das lange Weile einziehen lässt. Bloß keine Power-Version! Und keine Musik. Um dafür einen guten Anfang zu finden, geh‘ ich im August für eine Woche zum Yogakurs in ein Kloster. Mit Schweigepflicht. Wehe, jemand lacht jetzt!

So. Und nu‘ ab ins Atelier. Im Zuge der Verstetigung ; )

24 Gedanken zu „Verstetigungstendenzen

  1. Anleitungen zur Achtsamkeit (ein Modewort, was ich kaum noch hören kann): http://www.west-oestliche-weisheit.de/benediktushof.html
    Aaaaber, es gibt einige Leute, keine blöden, die schwören auf die behutsamen Lehren des Herrn Jäger und die wunderbare Atmosphäre des Benediktushofes. Darum leite ich die Info einfach mal weiter. Mir fehlen sie längst, diese Rituale, aber oft ist es so gewesen, dass mein Weg eben ein ganz anderer war, vielleicht ist die Haltlosigkeit inzwischen mein Ritual, was ein Widerspruch in sich ist, aber bei mir toben sich leider die Paradoxa immer aus.

    „Im Zuge der Verstetigung“ klingt natürlich nach dem größten Blech, Im ICE des ewigen Jetzt, vielleicht ist wirklich letzter Halt in der Sprache und ein bisschen sollte man dafür Heidegger doch mögen, denk ich manchmal. Alles Gute fürs Kloster, Klöster sind wunderbare Orte, ich stand mal in einem, das heute ein Frauenstift ist, im ausgetretenen Chorgestühl, unter dem man in Deutschland die erste Brille fand. „Die große Stille“, kennen Sie den Dokumentarfilm über die Kartäuser? Unbedingt schauen!

    • Chere Diadoré eben dieser Benediktushof ist tatsächlich der Ort meiner Wahl. Wenn das ma‘ kein Schicksal ist! : )

      Auf’m Sprung gerade.
      Nee, nich‘ ins Kloster, erstmal ins Atelier…

    • Sie werden eine gute Zeit haben bei ausgezeichneter Verköstigung dazu, habsch mir sagen lassen! Vielleicht gibts ja auch Klosterbier:). Tja, ich glaub, ich kann ein bisschen hellsehen und warte immer noch auf lukrative Angebote für diese Fähigkeit, aber Scotland Yard verwählt sich scheinbar immer. Gute Zeiten!

    • @Diadorim Klosterbier wäre an mich glatt verschwendet, ich habe in meinem ganzen Leben noch nie ein Bier getrunken.
      Was nu‘ das Hellsehen anbelangt, vielleicht ist das ja einfach ausgleichende Gerechtigkeit, denn Dunkelsehen können Sie ja schließlich auch ziemlich gut, oder? ; )

      Mmh, die Haltlosigkeit als Ritual. Zutiefst verwirrend, die Vorstellung. Und mutig. Ich selbst brauch‘ zumindest die Illusion von Struktur, sonst erfolgt der Einrollreflex.

      (Klar hab‘ ich „Die große Stille“ gesehen!)

    • Der. >>>> Da. Aber indem er sie — u m g i n g.

      (Eigentlich ist das kein Revolverlauf, sondern das sag ich jetzt nicht – der mir eigenen inneren Züchtigkeitsgründe halber. Es war nicht leicht heute früh, per Photoshop das eine weg- und’s andre da hineinzukriegen. Immerhin, es verzuckersüßte mir die Wartezeit nach dem Check-in.
      Werden auch Sie morgen >>> dort sein? Das fänd ich ottrigst schön. Wennsch – :schriebe Diadorim – schon mal in Fränkfört bin.)

    • Kein Klosterbier? Oha. Ich bin nicht mutig, au contraire, mir nur bewusst, dass Kontrolle eine Illusion ist, deshalb vielleicht.

  2. Da zeigt es sich mal wieder: Frauen sind vernünftig und rational, Männer sind Romantiker. Und da wundern Sie sich, daß „das Privileg, ein Adjektiv zu werden, den männlichen Kollegen vorbehalten“ scheint! Obwohl, Kafka war beides, vernünftig u n d romantisch. Da müssen wir hin! Die Welt muß romantisiert werden, sagte Novalis ganz novalisch, und da hat er recht. „Novalis“ bedeutet übrigens so etwas wie Brachfeld, Neubruch, im übertragenen Sinne also Neuanfang, irgendwie auch Lust auf Neues.

    PS: Ich freu mich natürlich über Ihre vernünftigen Erfolge und auch schon darauf, was Ihr Atelier so ausspuckt!
    PPS: Pst! Ich arbeite dran, der Vernunft ihren Platz einzuräumen!

    • Lieber Norbert, ich gestehe hiermit öffentlich, dass „vernünftig“ in meinen Ohren allzusehr mit „tüchtig“ verwandt zu sein scheint. Ein Kompliment, mit dem schon mein Vater meine Mutter zur Raserei trieb! Wenn er sie ärgern wollte, musste er nur: „Mein tüchtiges Weib“ sagen. Diese Anrede ließ ihr auch nach dem tausendsten Mal noch den Kamm schwellen.
      Eine weitere Steigerung, gerne auf Frauen angewandt, ist glücklicherweise aus der Mode gekommen: „Patent“.
      Autsch!
      Patent ist übel.
      So. Jetzt hab‘ ich mich wirklich weit von Novalis entfernt, und sicherlich auch von dem, was Sie sagen wollten, lieber Norbert ; )
      Eigentlich wollte ich nur zu bedenken geben, dass die Vernunft kein besonders begehrenswertes Attribut ist. Einmal eingepflanzt, vermehrt sie sich wie Unkraut. Man kriegt sie nicht mehr los! Die ist fast so schlimm wie Hirtentäschelkraut.

    • Ob tüchtig oder fleißig, liebe Phyllis, Hauptsache vernünftig gewirtschaftet! Ich gelte in Teilen meiner Familie übrigens als sehr oder gar als zu fleißig und arbeitsam, die Welt allerdings als böse, weil sie mich nicht mit ausreichend Geld bedenkt (oder beschenkt?). Dabei bin ich selbst schuld, weil ich so viele vernünftige Angebote einfach ausgeschlagen habe, eben weil ich weiß, wie sehr langweilige Arbeit meiner Motivation und damit meinem Fleiß schadet. Ich hätte mich wie jeder andere durchmogeln und von Urlaub zu Urlaub hangeln müssen. Dann hätte ich zwar die Pyramiden gesehen und die Malediven betauchen können, wäre aber trotzdem wieder nur da gelandet, wo man mich hingesteckt hat.
      So, nun aber an meine Glossenarbeit, bevor ich dann auch noch etwas Vernünftiges zu tun mir fest vornehme. Vielleicht sollte ich mal wieder Novalis, dieses fleißige Lieschen, lesen!

    • Hmm…. Ich finde diesen Gedanken – lieber die Vermutung – weder beruhigend noch unberuhigend. Wir leben in einer höchst durchlässigen Gesellschaft (Sie wissen schon, Popper und so) und wer sich an seinem Platz nicht wohlfühlt, dem steht es frei, sein Schicksal als eine Folge von Wahlentscheidungen zu erkennen und nicht etwa als das Resultat einer Vorsehung – mit allen daraus folgenden Konsequenzen.

  3. it is all about connecting the dots For a really good beginning of the summer season you should try Vinyasa Flow Yoga with Seane Corn before your monastery experience! She is an inspiration!
    http://www.youtube.com/watch?v=V9b9XzLIUUA&feature=related

    I’d recommend the DVDs which include interviews, instructional sessions and breath sessions, rather than video downloads from her website. For more info email me.

    Our bodies remember everything.

    • @Phyllis Ich vermute, dass das woran wir uns nicht (mehr) aktiv erinnern können, besonders ins Gewicht fällt. Dem Körper/den Körperenergien durch Trigger dazu zu verhelfen, die beschädigten Stellen zu heilen (k ü s s e n), macht für mich Sinn. Yoga/Breathing ist ein möglicher Ansatz, dem ich sehr zugetan bin. Feeding the beauty and not the beast*

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