TTag, 14. Juni 2010. Vorsprünge.

Guten Morgen!
Nie hätte ich gedacht, dass die beiden Wildtauben (das sind die schweren mit dem weißen Halstuch), die zuhause immer auf der Birke vor meinem Fenster schnäbeln, mir bis zu meinem hiesigen Quartier folgen würden. Taten sie aber. Eine der beiden schickte sich eben an, auf dem Mauervorsprung vor meinem Fenster zu landen, gelang ihr aber nicht, er ist zu schmal. Tja, so isses manchmal, wenn man zu dick ist, kann man nicht landen. (ups, blöder Witz)
Irgendwie juckts mich ja manchmal in den Fingern, Ihnen zu erzählen, wo ich mich aufhalte. Doch L.’s Geschichte würde sich unweigerlich verändern, vielleicht auch verengen für mich, das will ich nicht riskieren.

So, ich werde mal nachsehen gehen, was sie treibt.
Haben Sie einen schönen Tag! Die Luft hier ist so feucht, dass ich mein Zeichenpapier im Kühlschrank lagern muss, sonst ist es nicht zu gebrauchen.

p.s. Sah eben nach Tagen mal wieder in die Twoday charts: Schach, Kochtopf, das Straßenmädchen, der Schädel des ANH und Nessy natürlich. Bis auf ein paar sporadische WM-Beiträge also alles beim alten. Erstaunlich, wenn man bedenkt, wie viele blogs geführt werden, oder?

22 Gedanken zu „TTag, 14. Juni 2010. Vorsprünge.

  1. Nicht verraten! Liebe Phyllis, ich stimme Ihnen zu: Verraten Sie Ihren Aufenthaltsort nicht, denn zu leicht identifizierte man Sie mit L., was dem Zauber Ihrer Geschichte, die in K**** sich abspielt, Abbruch täte.

    Denn ich hoffe und setze darauf, dass Ihr Briefroman den Blickwechsel der Kulturen aufgreift, die Verschiedenheit der Imagination, die im Westen immer an das Auge gebunden bleibt, in anderen Kulturen (K****???) jedoch “entschiedener und kompromissloser eine eigene Welt” konstitutiert: “Blick und Bild sind in der westlichen Kultur nicht ohne einander denkbar. Hier wird der Blick in der visuellen Wahrnehmung selbst aktiv. Bilder sind deswegen darstellbar, weil auch der Betrachter die Welt in Bilder sieht. Eine Bildtheorie braucht immer das Subjekt, das sich erst in den Sehvorgang einschaltet, wenn es mit dem Blick agiert. In der anderen Kultur herrscht in der Welt das Licht und ist das Auge ein lichtempfindliches Organ. (….) Die Imagination hat als Produzentin innerer Bilder in den beiden Kulturen eine gänzlich verschiedene Rolle gespielt. Die westliche Kultur grenzt die Imagination zur Wahrnehmung ab…In der arabischen Theorie hingegen ist auch die visuelle Wahrnehmung am Tage nicht von den inneren Sinnen zu trennen. Gerade deshalb lässt sich das Sehen auch in keine Bilder fassen, welche die sichtbare Welt abbilden.” (Hans Belting: Florenz und Bagdad)

    Was für Spielräume….

    Ich vermute, wenn Sie auf der östlichen Seite der kleinen Insel über die Brücke gehen, finden Sie am linken Ufer das Institut…

    • Ich schweige, liebe Melusine, meinem und Ihrem Instinkt folgend, denn Sie haben natürlich recht – ich will mit L. nach Belieben umspringen dürfen: schwierig würde das, wenn ich annehmen müsste, man identifizierte sie mit mir.

      Was nun den clash of cultures anbelangt, ja nun, da lass’ ich mich überraschen. L. ist ja nun alles andere als eine Person, die zum analysieren neigt, soweit ich das sehe… vielleicht hat sie aber auch einfach noch nicht richtig aufgedreht. Immerhin ist sie erst vier Tage in der Stadt. (und auch erst vier Tage alt, im Grunde genommen…)
      Was wäre, wenn sie einfach von ihren Eindrücken, Phantasien und Erlebnissen überrollt würde, und sie und ich überließen das Analysieren Dr. Sago? Ich hege ja den Verdacht, dass er zur Einmischung neigt.

      Die Brücke, das Institut… neues Terrain.

    • Ich für meien Teil werde mich heraushalten, da mir soweit vorliegende oder vorschwebende Sachverhalte bzgl. des Dr. Sago vorläufig so gut wie vernachlässigenswert rudimentär vorkommen.
      Ein Patient mit akademischem Titel, gar ein Psychoanaliytiker mit einem gestörten Verhältnis zu seiner kürzlich an Alzheimer erkrankten Mutter, welche in Gelsenkirchen lebt und immer so gerne auf ihrem verstimmten Pianoforte Bachfugen spielte ?
      Bitte seien Sie deshalb weder bestürzt noch überbordend betrübt und betrübt schon gar nicht, werte Damen !

      Freundlichst

      Ihr Dr. S.

    • Werter Dr. S., Sie schreiben in Rätseln. Ich vermute aber (Ihr “vorläufig” hoffentlich richtig deutend), Sie werden Ihren kryptischen Zeilen bei Gelegenheit weitere, erhellendere, hinzufügen.
      (Huch, jetzt schreibe ich schon wie L.!)

      Ich finde es keineswegs überraschend, dass Sie sich beruflich einschalten (wenn auch bisher recht vage) – denn, ganz offensichtlich, ist L.’s Korrespondenz an einen bisher viel zu unsichtbaren Kollegen gerichtet, dem Fleisch und Gestalt zu verleihen sich doch andere seiner Zunft berufen fühlen müssen. (!?)
      Seien Sie also der erste.

      Freundlichst zurück!

    • jaja dr.s. “da mir soweit…vorläufig…” – sachverhalte “rudimentär vorkommen”.
      das grenzt ja regelrecht an hypnotisches anformulieren, herr doktor.
      wollen sie sich womöglich in eine durchaus analysefähige vorgängigkeit einspeisen und simulieren hier nur akademisches interesse wo im grunde schon die imagination über die
      scheinimaginationen des realen sich voller guter gnade erhob ?

    • Mach mal halblang Bommi, oder ich breche meine Schweigepflicht und mache Deine Akte öffentlich, Bursche.
      Wir befinden uns hier im Netz und bei aller Komfortabilität – ich habe wirklich keine Lust mehr auf deine geschmacklosen, nein fantasielosen Sexgeschichtchen, in denen es doch nur um Sportlichkeit geht und welche jedweder Sensibilität bislang haltlosest entbehrten.

      Werte Frau Phyllis, bitte fallen Sie nicht auf diesen Simulanten B. herein. Nun, ich jage ihn ja nicht durchs Netz – das schiere Gegenteil ist der Fall : dieser junge Mann sucht mich gelegentlich auf, um mich mit seinen Bettgeschichten meist überaus nötigend zu langweilen und mir seine absurden, zur Realität so gut wie komplett verdrehten Ängste mitzuteilen.
      Selbstverständlich werde ich vorerst nicht die Krankheitsbögen des Bommi B. entpacken
      aber eine Androhung dessen gegenüber diesem bemitleidenswerten Geschöpfe werde ich ebenfalls nicht zurücknehmen.
      Die Anonymität des www wird mir dies konzedieren, nicht nur verzeihen.

      Was die bezaubernde L. anbetrifft, so halte ich mich vorerst im Hintergrund, bis so etwa die unterste Grenze meiner beruflichen Kompetenzbreite antangiert wäre.

      Freundlichst

      Ihr Dr. S.

    • frau phyllis – sie haben es gehört und ich möchte es mit dr. s. auch nicht verscherzen.
      allzu vertraut sind mir schon seine überaus gelangweilten feuchten augen und triefend-tropfenden mundwinkelchen geworden, welche zu dauerhaften begleiterscheinungen unserer sporadischen sitzungen fast schon von anfang an wurden.
      gut doktor, übernehmen sie!

      *lacht kurz & trocken auf*

    • Wenn ich mal einwerfen dürfte, Ich finde das seidig-verlockend gesponnene Gedankengewebe zwischen Phyllis und MelusineB gerade ein wenig verletzt…

    • In der Tat , genau das erwarte ich von einem guten Blog, Herr Hans, dass kompetent anmutende Leser und Kommentatoren ihren persönlichen Erwartungshorizont zu bedenken geben, ist ein Geschichte am entstehen.
      Nun, da Bommi die Sgel strich und ich selbst mich so gut wie im Ruhestand befinde, kann
      ich Ihren Einwand nur begrüssen!

    • Sie können – und sollen durchaus – Ihren Erwartungshorizont zum Besten geben, Dr. S.
      Allerdings werden L. und ich (auch Melusine und andere sanft hinzu berührende) von unseren eigenen Erwartungen getrogen werden.
      Wobei wir sehr vorsichtig sind, nicht eben dieses zu erwarten, damit auch das nicht ebenfalls wieder getrogen werde.
      Wie Hans1962 schon anmerkte, ein Spiel der Gedanken muss leicht bleiben. (Wobei auch das schon wieder erwartet – ich nehme das also zurück)

      Im Ruhestand, will mir scheinen, lässt man los. Wird ein kleines bißchen weise. Und weiß, dass Prozesse, gar schöpferische, komplexe Bedingungen brauchen, um zu gedeihen. Ich bin sicher, nichts anderes als zu jenen beizutragen ist Ihre Absicht.

    • Eine für manche wohl unerträgliche Leichtigkeit behagt mir mehr als eine ( für manche dann ebenfalls wohl ) erträgliche Beschwertheit, da mir Flügelchen oder gar Flügel bishin zu Schwingen mitunter zu Fliegereien verhelfen, welche durchwegs alles dann aus der Perspektive von Insekten oder gar Vögeln bishin zu mächtigen Adlern ( genau denen, die desöfteren auf alten Wappen prangen ) zu betrachten verhelfen.
      Nun, dünn ist die Luft hier fast schon und die Verbindung wird gerade schwächer und schwächer – womöglich löst sie sich noch in einem rosa Rauschen auf oder ich bin vielleicht sogar dort angekommen, wo L. sich gerade von den Düften nähren muss, die
      ärmste, und wohl nur die Reminiszenz an ihren Gespielen dies trägt, leidlich, vermute ich.

      Ein wenig vorsichtig geworden dennoch

      Dr. S.

    • Nun, sie werden wohl den Überseeadler nicht kennen, – ein bislang seltenst wahrgenommenes Tier.
      Er/es markiert das Ende eines Seiles, unsichtbar gespannt zwischen sämtlichen Kontinenten.
      ich versetze mich gelegentlich in Rauschzustände, um dieses bislang wissenschaftlich kaum erfasste Wesen näher erkunden zu können.
      Man muss bei solchen Vorgängen die Augen schliessen, befindet man sich in geschlossenen Räumen und sich auf Wesentlichkeiten konzentrieren.
      Eine Art target wie es die bezaubernde L. darstellen könnte, scheint gerade hilfreich zu sein sich nicht völlig vom Planeten dabei loszulösen.
      Startosphärenmanöver sind anstrengend.

    • Ich erwarte… …keinen “clashofcultures”, ach, ich erwarte: nichts. Ich hoffe auf eine sanfte Berührung wie durch das Bauschen eines Vorhangs, der das Innen vom Außen trennt, durch den Licht dringt und auch gebrochen wird; die Rahmung der Bilder aufgelöst im Reigen der Schattenspiele…

      – Bewegte Bilder zwar, doch kein herkömmlicher Film, sondern eine “tanzende Kamera”. Nun – das klingt schon wieder wie Erwartung, doch soll es nur wiedergeben, wie Ihr Text wirkt und weiter wirken kann…. oder aber: Sie schlagen auf – harte Schnitte. Das überraschte mich. Doch warum nicht?

    • Tanzende Kamera Wunderbar, Ihr Bild mit dem Vorhang; genau so wünsche ich es mir. Lange her, dass ich so frei fabulierend geschrieben habe; ich hab’ wirklich nicht die leiseste Ahnung, was weiter passieren wird.
      Auf meinen Streifzügen durch die Stadt kommt mir ein Bild in den Sinn, ein einzelnes Wort, eine Empfindung des Körpers: tatsächlich, als ob sich ein innerer Vorhang bewegte. Nur diese Bewegung nehme ich mit zurück zur Tastatur, als Anschwingen dessen, was mich dann schreibend überraschen soll.

      Harte Schnitte: so beiläufig, wie Sie auf mögliches an-spielen!

    • @Dr. S. Nicht doch lieber Stratosphäre, Dr. S.? (Aber das nur nebenbei)
      Ich werde der bezaubernden L. ausrichten, dass sie Ihnen dazu verhilft, die Planetenhaftung während Ihrer Rauschzustände nicht ganz zu verlieren, es wird sie freuen. Grüßen Sie den Überseeadler von mir! Ich beneide ihn ein wenig.

    • Er führte mich gerade zu den Tummelplätzen der Unterwassereulen und ich muss gehörig umdenken.
      Tagsüber eine Nachtaktivität mitzuzeichnen erfordert höchste Aufmerksamkeit.
      Unterwassereulen sind träge, meist schläfrige Geschöpfe, was wohl der Konsistenz ihres natürlichen Lebensraumes und der Filigranität ihres Federkleides geschuldet ist.
      Sie neigen dazu derbe Scherze zu machen, sagt der Adler, aber in zoosemantische Bereiche drang ich bislang noch nicht vor.
      Diese wird mir dann die pommersche Stubenschnepfe näherbringen, eine holde und dennoch robuste Gattung im Bereich moderner, aufgeschlossener Ornithologie.
      Später wird mich der Adler weitertragen und dann mal kucken, wie es um L. bestellt ist.

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