Neuer Freund

Hallo lieb,
Mein Name ist Engr. William aus Großbritannien, stieß ich auf Ihr schönes Profil auf Facebook.com und ich fühlte mich interessiert Sie kennen zu lernen. Mit Verlaub, ich bin traurig, dass ich Ihnen auf diese Weise zu nähern haben wegen meiner Privatsphäre. Schreib mir wieder für die richtige und angemessene Einführung, so dass wir private Gespräche haben kann und eine gute und dauerhafte Beziehung aufzubauen. Vielen Dank,
dein neuer Freund.

Engr. Wilhelm

Ein Foto hat er seiner Mail ebenfalls beigefügt, der Herr Engr. William aus Großbritannien: das Ganzkörperporträt eines schlanken, freundlich wirkenden Mannes mitteren Alters vor einem holzgetäfelten Damenausstattungs-Geschäft. Mit Hand an der Hüfte. Weißer Blazer, hellblaues Hemd. Ich war, zugegeben, kurz versucht, ihm zurück zu schreiben – allein, weil er den Aufwand nicht scheute, seinen Kontaktversuch in eine (zugegeben komplett inkompetente) Übersetzungssoftware einzugeben. Hab’s mir dann aber anders überlegt. Da es mir derzeit nicht einmal gelingt, mit meinen tatsächlichen Freund:innen zu korrespondieren, kann ich mir den Briefwechsel mit behaupteten einfach nicht leisten. Wie viele hundert Mails dieser Art er wohl rausgehauen hat, der Engr. William? Und warum hat es in seiner Anrede nicht zumindest für „Hallo liebe Unbekannte“ gereicht; hat der Mann denn n o c h weniger Zeit zur Verfügung als ich?
Anyway.
I delete you, my new friend. Improve your software and good luck with the others.

Der Morgen gibt sich trüb; von der Frühlingserwachenaufbruchstimmung der vergangenen Tage ist heute nichts zu spüren. Gut, dass ich gestern schnell noch zwei Stiefmütterchen gepflanzt habe: mit leuchtenden, lappigen Blüten bereits dran.
Jetzt an die übrigen Mails. Alle geschäftlich. (grrrr)

14 Gedanken zu „Neuer Freund

  1. Google-Übersetzer ist gar nicht mal sooo schlecht … … übersetzte er doch tatsächlich zurück ins Englische mit respektablem Ergebnis. Hatte (Der Ire aus dem Automaten) eigene, ganz andere Erfahrungen gemacht und verwurstet.

    „…
    Hi dear,
    My name is Engr. William from the UK, I came across your lovely profile on Facebook.com and I felt interested to meet you. With all due respect, I’m sad that I have to approach you in this way because of my privacy. Write me again for the right and proper introduction so that we can have private conversations and build a good and lasting relationship. Thank you very much,
    your new friend.

    Engr. Wilhelm
    …“

    Jetzt schaute ich mir Ihr Profil auf FB an und möchte anmerken, dass das Profilfoto auf Twitter wesentlich lovelier (loveliar? :D) ist und das auf FB einen Hintergrund mit möglicherweise in die Irre führenden Signalen sein dürfte. So dezent, dass nur ein Gentleman falsch verstehen könnte, wo/was wir grobschlächtigen Teutonen gar nicht/s erkennen.

    Bitte nicht ändern, da ich eh nicht auf FB turne.

    Auf Wiederlesen, lieb, Ihr

    Gruß Herzlicher

    • Dear Ludwig, witziger Versuch! Aber unter „respektablem“ Englisch versteh‘ ich nun doch etwas anderes…
      … andererseits —-
      Aufgrund meiner Arroganz entgeht mir ein wahrscheinlich ausgesucht höflicher, wenn nicht sogar liebenswürdiger britischer Ingenieur.
      Mist.

      Hab mir das Twitter-Bild noch einmal angesehen und dabei konstatiert, dass ich dort, also auf Twitter, seit 2008 nicht mehr war.
      Das Loveliar-Porträt ist also inzwischen (Moment, schnell an den Fingern nachzählen) 7 (in Zahlen: sieben) Jahre alt. Vor allem aber ist es kosmetisch typisiert. (So nennt mein Coach jene Frauen, die ihr Gesicht mit Make-up einzukleiden wissen.)
      Ob ich’s auch für FB verwenden sollte, um noch mehr Ingenieure zu ködern?

      Auf Wiederherzlicher,
      Ihr
      Gruß!

    • hm, ich weiß nicht … 😀 Womöglich steht er tatsächlich auf mexikanische Catcher und war vom Hintergrundbild angetan. Kosmetisch typisiert beeindruckt mich, das merke ich mir jetzt. Ich bin sicher, das sich mir bald eine günstige Gelegenheit ergeben wird, es, völlig fehl am Platze, zu meinem Fehl vor Seifenblase machen zu können.

      Bislang fragte ich meine Kolleginnen, ob sie sich geschmunkt hätten. Nie kam auch nur eine auf dessen phonetische Nähe zu Spunk.
      Ach, die [Pipi] ist ja auch schon 70 Jahre alt. *seufz*

      Hast du dich kosmetisch typisiert – wow – sie werden abbrennen wie eine Wunderkerze … Zündschnur? Zündschnur. 🙂

    • Wir wissen doch, lieber Herr Nömix, dass unsere Freunde von der zugigen Insel grundsätzlich per Du miteinander sind. Also muss es die Übersetzungssoftware gewesen sein, die diesen Schritt vom Höflichen ins Vertrauliche vollzogen hat, auf wundersame Weise ; )

    • Das ist ein Irrtum, habe ich neulich gelesen! Vielmehr sei es so, dass sich die Briten alle mit SIE ansprechen – die Hochachtung, die dem Direktor gilt, mache auch vor der Schwelle des Privaten nicht Halt.

    • Hoppla! 🙂 Da versuchte ich doch gleich die Rückübersetzung via Google und – tadaaa: Hallo lieb,
      Mein Name ist Engr. William aus dem Vereinigten Königreich, stieß ich auf Ihre schöne Profil auf Facebook.com und ich fühlte mich interessiert, Sie zu treffen. Bei allem Respekt, ich bin traurig, dass ich Ihnen auf diese Weise zu nähern, haben wegen meiner Privatsphäre. Schreib mir wieder für die richtige und angemessene Einführung, so dass wir private Gespräche haben kann und eine gute und dauerhafte Beziehung aufzubauen. Vielen Dank,
      dein neuer Freund.

      🙂

  2. my dear! Über das „vor einem holzgetäfelten Damenausstattungs-Geschäft“ komme ich so schnell nicht hinweg und finde das doch sehr charmant, zumindest in praktischer Hinsicht reizvoll. Haben Sie in Ihrer Bekanntschaft (jetzt mal von der anderen Seite) nicht evtl. eine (gern engelische) Dame vor einem, noch besser natürlich mit einem Herrenausstattungsgeschäft, gern auch Uhren, mit der zu korrespondieren Ihnen selbst derzeit (s.o.) die Muße fehlt, in fürsorglichem Blick auf welche Sie vielleicht aber doch die Zeit finden könnten für eine angemessene wie angenehme Einführung meinerseits? Ohne berechnend wirken zu wollen, fehlt dahier noch das eine oder andere an Seminargarderobe & Accessoires für den Sommer, und wie sage ich immer zu meinen Teilnehmerinnen, eine gütige Hand sanft anleitend auf der Schulter: Prozente sind Prozente und nicht per se verwerflich!

    Yours most honorably
    Speed

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