Die Geschenke der Frauen, 1

[…] Oben hingegen ist alles licht, ist Training und Verlass, oben wirken die Frauen mit ihren Beobachtungen.
„Du warst“, sagte gestern Abend eine nach der Veranstaltung, „einfach großartig. Du bist so gesammelt in deiner Präsenz.“
„Ich versuche beim Lesen, die Texte aus den Gräbern ihrer Formulierungen zu ziehen: Sie sollen wieder pure Gegenwart werden. Unmittelbar. Besonders, wenn ich wie heute aus den Memoiren anderer vortrage.“
„Weisst du, was mir besonders auffiel? Wie du dir in aller Ruhe ein Glas Wasser eingegossen und einen Schluck davon genommen hast, während dir fünfzig Leute zusahen.“
„Was ist daran ungewöhnlich?“
„Dass du nicht mit irgendeiner Geste entschuldigt hast, dass du die Leute warten ließest; du hast vor aller Augen Wasser getrunken und sonst nichts: keine Moderation des Augenblicks. Es war toll, dir dabei zuzusehen. Und dann der Moment, nachdem du das Glas abgestellt und mit deiner Stimme in den Text eingedrungen bist.“
„Es war eine Kriegserinnerung.“
„Die haben wir gespürt.“
[…]

8 Gedanken zu „Die Geschenke der Frauen, 1

  1. Seltsam, in der Tat, wie lobhudelnd Frauen gegenüber Frauen auftreten können, das würden Männer gegenüber Männern nicht tun, wohingegen Frauen sich ja ansonsten nicht selten auf das Übelste beschimpfen und bekämpfen, wenn es etwa um einen Kerl geht, wobei in einem solchen Falle, wenn es nämlich den Männern um eine Frau geht, unter Männern eher mehr grundsätzliche Solidarität herrscht, weswegen es auch völliger Quatsch ist, daß die Welt eine bessere wäre, hätten die Frauen mehr Macht und Einfluß, mitnichten wäre das so, wenngleich eben dies trotzdem zu wünschen ist, damit endlich alle alle belobigen und alle alle beschimpfen, denn erst dann ist Friede auf Erden. Hugh!

    • Seltsam ist eigentlich nur, wie Sie, lieber Norbert, auf diese kleine Episode reagieren: „lobhudelnd“ wäre mir dazu nie eingefallen. Und die Frauen, in deren Umfeld ich mich bewege, sind ungemein (schönes Wort, wolle ich unbedingt mal wieder verwenden) sind also ungemein verschwenderisch in ihren – ach, was soll’s – Lobhudeleien. (Ich würde es ja eher Bestätigungsimpulse nennen, doch das ist Ihnen sicher zu pädagogisch formuliert.) Männer indes, da haben Sie schon recht. Im Männlichen regiert dieses Wettbewerbsding, aus dem dann zu allem Überfluss auch noch ein Fetisch gemacht wird, damit’s innen nicht ständig wehtut, sich andauernd messen zu müssen. Oder messern.
      Gell.
      Eigentlich ist mir das ein zu wichtiges Thema, um es auf dem Altar der Ironie zu verbrennen, die eh nicht meine Stärke ist, doch ich hab‘ meine Laufschuhe an und die zucken und wollen hinaus. Auf Wirkungsgrade von Belobigungen und Beschimpfungen sollten wir aber unbedingt noch einmal zurückkommen!

    • Lobhudelei hat ja, als Begriff und in Echt, liebe Phyllis, immer einen ernsten, völlig unironischen Kern, so daß hier von mir zwar ein paar Kräuter auf dem besagten Altar verbrannt worden sind, die Sache selbst, nämlich Ihre Bühnenpräsentation und die Reaktion darauf, davon aber unberührt bleibt. Bestätigungsimpulse ist ein tolles Wort, wirklich.

  2. Liebe Phyllis, ich kenne sie auch, diese Geschenke der Frauen. Sie sind nährend und wärmend und kräftigend, erfrischend wie ein Schluck quellklares Wasser, in aller Seelenruhe getrunken …

    Ein schönes Beispiel liefert Ihr Text, ich freue mich auf weitere, denn anscheinend soll daraus eine Serie werden?

    Herzliche Grüße,
    Iris

    • Wie Frauen das untereinander empfinden, kann ich natürlich nicht beurteilen, aber daß Männer das untereinander so nicht machen, liegt meines Erachtens daran, daß sie andere, nonverbale Wege wissen und anwenden, zu loben und zu bestätigen, weit jenseits sowohl vom Konkurrenzdenken als auch vom Beschenken, was wiederum Frauen wohl nicht verstehen und, ich seh es schon voraus, auch nicht glauben werden. Also alles gut eigentlich, oder? Schlimm wird es nur, wenn Männlein und Weiblein sich mal belobigen wollen, das ist dann oft wie bei Hund und Katz, scheint mir.

    • Liebe Iris, es wäre schön, wenn daraus eine Serie würde – vor allem, weil mir dafür eigentlich immer wieder Stoff zufliegt, ganz unabhängig von der Tagesverfassung…. was für einige meiner anderen Serien leider nicht zutrifft.

      Herzliche Grüße zurück,
      Phyllis

    • Lieber Norbert, auch Frauen verwenden nonverbale Kommunikationsmittel untereinander: zusätzlich zu den ausgesprochenen, wohlgemerkt…
      Was die intergeschlechtlichen Belobigungsversuche angeht, will ich Ihnen allerdings Recht geben. Die gehen öfter mal in die Hose. Und das war jetzt gar nicht als Kalauer gemeint, obwohl’s dann doch einer geworden ist. Asche auf mein Haupt.

    • Liebe Phyllis, ich bestreite ja nicht, daß Frauen mehrere Kommunikationsmittel zur Verfügung haben, sondern sage, Männer haben untereinander eben nur das eine, das nonverbale Mittelchen. (Schulterklopfen, Biertrinken, Nichtverkloppen …)

      Und das mit dem Kalauer haben Sie doch extra gemacht! Zum Glück tragen ja auch Frauen Hosen.

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