Karambolage

Was ich längst weiß, bestätigt sich erneut: Man muss seinen Krisen vertrauen. In den vergangenen Wochen hat ein Herzbeben so vieles von mir abgerissen, die Schweißnähte meines Selbst brachen, ganze Brocken wurden außer Reichweite geschleudert. Das ist, als ob man in einer Metallverarbeitungsanlage stünde, in die gerade der Blitz einschlägt. Alle um einen herum tragen Schutzkleidung, nur man selbst ist nackt. Alle komplexen Prozesse kommen kreischend zum Stillstand.
Dann brechen die Feuer aus.
Krisen sind einsame Zustände. Man kann sie besprechen, teilen, sich trösten lassen, doch Brände, das wissen wir alle, machen fürchterlichen Lärm. Stimmen dringen kaum durch, Briefe, die man sich schützend auf die blosse Haut legen will, zerstieben in Sekunden.
Also brennst Du aus.

Und in eben diesem Brennen setzt das Vertrauen ein. Angst muss man tragen, Auflösung nicht: sie hat kein Gewicht und sie geht nie durch bis zum Kern. Das weiß ich, weil ich es erlebt habe. Nicht nur einmal. Es gibt einen Punkt, an dem keine Rolle mehr spielt, wie viel man verloren hat. Oder verloren zu haben glaubt. Gewinn, Verlust, Reue, Rache, Untröstlichkeit, Schock: Alles wird Schaffenskraft.
Noch während die Asche sich legt, seh‘ ich meine Savanne. Sie ist unversehrt.

9 Gedanken zu „Karambolage

  1. „Es gibt einen Punkt, an dem keine Rolle mehr spielt, wie viel man verloren hat.“
    Schlicht: Ja. Weil sich die Frage nach einem „Zurück“ nicht mehr stellt.

  2. Liebe Phyllis, ich sehe das nicht anders, auch wenn ich nicht ausscließen mag, dies resultiert vielleicht aus der empfundenen – und dann gelebten – Erfahrung. Da ich mich davon aber nicht trennen kann, unterschreibe ich : alles andere ist eine Illusion als Hilfskonstruktion. Dennoch : fühlen Sie sich wertschätzend und mögend herzlichst gedrückt. LG tinius

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