Gegendarstellung

Jener, der mir seit je verkündet, die Welt verändern zu wollen: Er meint das. Unnötig zu erwähnen, es wär’ ihm genehm, wenn ich dabei mitmachte.
Warum, frage ich, warum so groß. Verlierst du da nicht den Blick fürs –
Mag sein, raunzt er, aber Kleinklein bringt nichts.
Du meinst, wenn, muss man das ganze Ding ins Auge fassen. Den Planeten.
Yep.

Nun muss erwähnt werden, er bohrt große Bretter; ein Maulheld ist er nicht.
Ich schon. Komplett zufrieden damit, den Rücken der Gesellschaft abzuernten. Wenn mich die Lust packt, beäuge ich, was gerade herumtreibt, Plankton von Handlungen, sauge ein paar Liter davon ein, schwelle auf zu beeindruckender Größe: Mein Talent besteht darin, winzigste Dinge mit Bedeutung zu pimpen, denn, was ist schon eine Tat?
Hm?
Ein Zippeln im Gesellschaftskörper, ein juckender Punkt! Ohne Trara gewinnt sie kaum Fläche.
(Sagt mir, dass ich mich irre.)

Ich mag sie nicht, bemerkt er zu einem anderen Zeitpunkt.
Wen?
Die Ehrgeizigen! stöhnt er. Solang’ sie jung und am Aufsteigen sind, hängen sie dir endlos am Bein. Sind sie älter und glauben, sie könnten es mit dir aufnehmen, versuchen sie, dich mit Flitzegedanken zu blenden, bis du vor lauter Großartigkeit Kopfschmerzen kriegst.
(Mich betreffend hat er sich da nie Hemmungen auferlegt: mit einem mächtigen Hieb soll ich mich durch den Mainstream hauen, den Stahl durchziehen, während rechts und links meiner Schneide die Redundanz wegspritzt)

Wie sollte man denn stattdessen sein, frage ich vorsichtig.
Himmel und Arsch, es gibt schon zu viel Plauderton auf der Welt!, ruft er.
(Weshalb mir immer das Messer in der Hose aufgeht, wenn ich mit ihm zusammen bin? Ratet mal.)

Wettbewerb ist das Benzin der Gesellschaft. Doch wer betreibt die Tanke?

Okay. Ich sag’s Euch.

…Nee.

Hab’s mir anders überlegt.

35 Gedanken zu „Gegendarstellung

  1. irgendwie erinnert mich da manches an den satz, den mir meine mutter ins stammbuch geschrieben hat: “ein bisschen liebe von mensch zu mensch ist besser als alle liebe zur menschheit.”

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