Bullet Point

TT heute mit akuter Standpunktallergie, wahrscheinlich Kollateralschaden in Folge des Wahlkampfes.

20:51
Falls Ihnen übrigens nach Standpunkten zumute sein sollte heute Abend, geschätzte Leser:innen: Drüben >>> in den Dschungeln wurde heute heftig über Clemens Meyers neuen Roman und einen gewissen Macho-Hype diskutiert, mit dem dieser Autor assoziiert wird, teilweise in recht vielversprechenden Temperamentslagen seitens der Kommentator:innen. Auch >>> beim werten Herrn Nömix war’s spannend heute: Ob Kunst wohl von Können kommt? Und falls nicht, von was dann?
Ich stelle ja immer wieder fest, wie langsam ich dabei bin, meine immerwährend fliegenden Gedanken zu ordentlichen Sätzen zu formen, sonst würde ich mich häufiger mal mit in den Ring begeben. Klappt aber nicht. Ich denke schlichtweg viel zu lange nach. Bis ich mal mit einem fertigen Kommentar ankomme in einer Diskussion, sind die anderen längst beim Abendessen. Tja. Gut, dass ich mein eigenes Revier habe, in dem ich in meiner eigenen Zeit umherstreifenkriechen kann …

Schönen Abend noch, allerseits! : )

24 Gedanken zu „Bullet Point

  1. Eigentlich wird drüben in den Dschungeln über literarische Qualität diskutiert – nur eine Teilnehmerin hält allein den Inhalt des Romans und die Werbung dafür für sexistisch. Warum ist nicht genau herauszubekommen. Wahrscheinlich so eine Art Reflex.

    Und was die ordentlichen Sätze angeht: Sie können das ziemlich gut und auch ausreichend schnell, allein, sie wollen nicht. (Das kenne ich von Menschen weiblichen Geschlechts aus Erfahrung sehr gut – was glauben Sie, wie oft ich diesen Satz von Frauen gehört habe, scharf ausgesprochen: “Halt Dich doch da raus. Das gibt nur Ärger!!!”)

    • Da ich weder Meyers Roman gelesen, noch den Autor persönlich kenne, noch der Lesung beigewohnt habe, von der ANH berichtet, könnte ich mich in dieses Gespräch nur einschalten, indem ich nach gewissen Ködern schnappte, die da ausgestreut wurden. Reflexhaftes, uninformiertes Schnappen ist allerdings nicht mein Ding, jedenfalls nicht heute.

      Und: Nein, Norbert, ich bin in bestimmten Zusammenhängen n i c h t ausreichend schnell. Das zu beurteilen, sollten Sie schon mir überlassen, ebenso wie meine Schlussfolgerung. Ich gehöre eigentlich nicht zu den Menschen, die “ich kann nicht” sagen, wenn sie “ich will nicht” meinen.

    • Ja, aber über Grundsätzliches, das sich aus all dem ergibt, könnten Sie schon mitdiskutieren! Wenn Sie wollen.

      Und was das Schnelle betrifft: vielleicht haben Sie da zu sehr den Anspruch, das Geäußerte müsse in jeder Hinsicht gut sein – ich zum Beispiel schreibe immer direkt, was ich grade denke, ohne tiefer darüber nachzudenken, so wie in einem mündlichen Gespräch (nur daß in einem mündlichen Gespräch mich kaum jemand ausreden ließe).

    • Ich hab’s nochmal nachgelesen. Dass im Diskussionsverlauf über den Inhalt des Buchs gesprochen worden sei, ist mir nicht sonderlich aufgefallen. Wohl aber das Aufbrausen männlicher Emotionen.

      Jene Teilnehmerin, MelusineB, hat nach meinem Verständnis dargelegt, dass Buchempfehlungen vermittels sexistisch durchwobener Sprache für sie nicht einladend, sondern eher im Gegenteil: abstoßend wirken. Über den Inhalt des Buchs hat sie sich ausdrücklich und völlig korrekt nicht geäußert.

      Dass solches nicht wahrnehmbar sei, bestreite ich.

      Was sich dort im Diskussionsverlauf sprachlich abspielt, hat mit dem Buch überhaupt nichts zu tun. Damit meine ich nicht die Sprachqualität, sondern den erkennbaren Sprachzweck. “Literaturbetrieb” vom Feinsten.

    • @Norbert, “gut sein” Darum geht es nicht. Meine spezifische Lust am öffentlichen Diskutieren wird selten geweckt. Ich argumentiere nicht gern. Argumentieren ist mühsam und man muss sich verdammt konzentrieren, um alle Aspekte aufzusammeln und mitzubeachten, die während des Gesprächs von anderen miteinfließen. Ohne Achtsamkeit und einen gewissen Moderationswillen von einem oder mehreren der Beteiligten geht eine Diskussion schnell vor die Hunde. Haben wir ja schon häufig beobachten können im Netz. Auch hier. Ich beobachte auch selten, dass Leute während einer Diskussion im Netz ihren Standpunkt modifizieren oder verlassen, weil jemand “bessere” Argumente hat, informierter ist, klarere Aussagen trifft. Meistens, so mein Eindruck, rauft man sich, geht dann mit dem eigenen Standpunkt nach Hause und erzählt den Freunden im Offline, wie bescheuert, starrköpfig, naiv, usw, usw. …

      So. Dies gesagt noch ein Wort zu dem, was mich an Ihrem Kommentar, dem vorletzten, fuchsig gemacht hat: Welche Nichteinmischungs-Warnungen Sie aus eigener Erfahrung vom weiblichen Geschlecht kennen, ist eine Sache. Dass sich ganz gewiss ebensoviele Männer finden ließen, die sich lieber “raushalten”, anstatt in einer hitzigen Diskussion Schaden zu nehmen, ist eine andere. Ich reagiere aber pikiert, wenn mir jemand sagt: Du könntest doch, Du willst nur nicht. Fand ich gönnerhaft.

    • @Phyllis “Du könntest doch, Du willst nur nicht”
      formuliert die Hypothek meines Lebens, die ich bereits in Kindheitstagen verinnerlichen durfte.

      Gibt dafür zwei fundamental unterschiedliche Hintergründe der Sprecherin, welche sich mit der unausgesprochenen Fortsetzung entlarven lassen.
      “… meinen Erwartungen entsprechen.” (ich bin die Größte)
      “… – mir kannst Du nichts vormachen.” (ich spür’ dich überall auf)

      Die Prämisse “du könntest doch” ist schon falsch, damit natürlich die gesamte Aussage. Dies ist, nebenbei bemerkt, exakt die Mechanik – nämlich eine falsche Prämisse unterzuschieben – mit der in Netzdiskussionen um Gesichtswahrung gekämpft wird. Gekämpft, ja. Man entblödet sich dabei nicht, zu diesem einzigen Zweck vollkommen unlogisches Zeug zu produzieren. Von Vernunft rede ich erst gar nicht.

      Ich beteilige mich nicht an solchen Auseinandersetzungen, weil ich keine Lust darauf verspüre, mich an Brüchen der Grundregeln vernünftiger Kommunikation unnütz abzuarbeiten. Denn Hitzköpfen in Aktion ist’s nicht mal unangenehm, wenn sie am Nasenring der formalen Logik in der Mitte der Arena festgebunden werden. Die spüren nichts mehr.

    • Sehen Sie, liebe Phyllis, ich wollte Sie ja aus der Reserve locken, und ja, das war in dieser Form nicht sehr freundlich von mir. Ich bitte um Entschuldigung!

      Was Sie zum öffentlichen Diskutieren schreiben ist (leider) ganz und gar richtig, Ihre Argumente sind die meinigen. Allein, ich will es immer noch nicht wahrhaben, daß die Diskussionskultur tot ist und sich alle immer nur selbst retten, indem sie ihre Ansicht weiter vertreten und sich selbst einlullen. Das ist eine große Gefahr für unsere Kultur – die richtige Kanzlerin haben wir dafür ja schon! Aber soll man sich deshalb nicht mehr zu Wort melden? Die Anstrengung meiden, die Folgen verhindern? Ich kann’s ja mal versuchen.

    • @Kombina Ich unterstelle den wenigsten Leuten eine strategische Absicht, wenn etwas schief, manipulativ oder gar repressiv bei mir ankommt, was sie sagen. Ich spreche von privaten Meinungsäußerungen, wohlgemerkt, nicht von öffentlichen Personen.
      Meistens, so mein Eindruck, werden der Worte einfach nicht genug gewechselt, um den anderen/die andere wirklich in seinen/ihren hintergründigen Motiven zu verstehen. Wenn ich aber nicht verstehe, welcher Anteil Subjektivität in einem Argument mitschwingt, wie kann ich dann wissen, worum es tatsächlich geht?

      Wovon Sie schreiben, solche Kindheitsprägungen – das ist ein anderes Feld, und tatsächlich ein Schlachtfeld oft. Wie tief das sitzt. So, wie Sie es formulieren, sind das Muttersätze. Und Mütter, Eltern überhaupt – die sprangen doch früher mit ihren Erziehungsansätzen dermassen ins kalte Wasser, dass man sich’s heutzutage kaum mehr vorstellen mag. Ohne Prämissen auszukommen, dazu gehört verdammt viel Weisheit, und wer hat die schon?

    • it’s no good Die Wallungen des Blutes sind wohl übertragbar. Doch wozu meinen asthenischen Körper in die Arena werfen, da sind andere besser gerüstet.

    • Oh wei, “asthenisch” musste ich erst einmal nachschlagen! Aber keine Bange, spätestens ab November werf’ auch ich meine Hanteln hin und verziehe mich drei Monate ins Dampfbad.

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