Wahrlich

Wem es ein Wort nie verschlagen hat,
und ich sage es euch,
wer bloß sich zu helfen weiß
und mit den Worten –
dem ist nicht zu helfen
Über den kurzen Weg nicht
und nicht über den langen.
Einen einzigen Satz haltbar zu machen,
auszuhalten in dem Bimbam von Worten.
Es schreibt diesen Satz keiner,
der nicht unterschreibt.

(Ingeborg Bachmann)

Manche Aussagen sind einfach …

… oder?

Ich fand das Gedicht heute Morgen drüben bei >>> Teresa HZW, mitsamt ihrer Ankündigung, den diesjährigen Bachmann-Bewerb in Klagenfurt kommentierend zu begleiten, dessen öffentliche Lesungen heute beginnen.

17 Gedanken zu „Wahrlich

  1. Ich denke ja, daß sich Kunst und Literatur nicht eignet für Wettbewerbe. Dafür gibt es den Sport, da hat man üblicherweise wenigstens nachvollziehbare Regeln. Der Bachmann-Wettbewerb sollte ohnehin mit Warnhinweisen gesendet werden, kann Ihrer Gesundheit schaden usw., denn wer sich das ohne Kotzreiz ansehen kann, der hat es eh schon hinter sich. Umso höher ist die Bereitschaft von Teresa HZW zu veranschlagen, sich das anzutun und auch noch zu kommentieren, dem Reiz also nachzugeben. Chapeau!

    • Ich denke, Wettbewerbe – offizielle und inoffizielle – sind inzwischen überall; sie sind d a s “Format” schlechthin geworden und waren es vielleicht schon immer. Ich selbst allerdings hab’ noch nie an einem teilgenommen. Doch – ich glaub’, bei den Bundesjugendspielen früher ; )

      (Ich überlege gerade, wofür sich Kunst und Literatur sonst noch nicht eignen und komme zu ziemlich seltsamen Schlüssen.)

    • Format und Formatierung! Daß man im Wettbewerb steht, ist ja unbestreitbar, aber daß diese 3SAT-Bagage, die sich immer nur gegenseitig interviewt und beweihräuchert und … (lassen wir das), den Wettbewerb in ihrem Sinne und im Sinne der großen Verlage lenkt (die ausschließlich nach gut verkaufbaren Produkten suchen), finde ich ekelerregend. Ich habe mit einigen Teilnehmern der letzten Jahre gesprochen, diejenigen, die nix gewonnen haben, sagten mir, das Nixgewinnen schade mehr als daß das Gewinnen nutzt. Ich kenne aber auch solche, die den Bachmann-Wettbewerb sportlich nehmen und genießen. Tja, der Literaturbetrieb ist eben nichts für Warmduscher, Deserteure, Andersschreiber und Verweigerer – wo kämen wir da hin! (Das ist die Frage!) Ich kuck’s also nicht und reg mich nicht weiter auf, denn wenn ich mir das ansehe, dann frage ich mich immer, wann endlich mal ein Autor oder eine Autorin aufsteht und einem Kritiker oder einer Kritikerin die Fresse poliert. Das wäre sicher ein Gewinn! Oder daß mal so ein Kritikermensch auf einen Autormenschen losgeht! Das Format ist also noch gar nicht ausgereift! http://www.3sat.de/mediathek/?display=1&mode=live
      Es ist übrigens sehr erheiternd, fällt mir grad auf, wo ich doch mal reinschaue, sich das Ganze ohne Ton anzusehen – d a s kann ich empfehlen! Der Bachmann-Wettbewerb ist übrigens die einzige Fernsehsendung, in der das Publikum ausschließlich aus Zombies besteht!

    • Einem Juror die Fresse polieren – das könnte man ja wörtlich machen. Mit einem entsprechenden Tuch. Und jeder der Anwesenden, der’s nicht kapiert und nach spätestens zehn Sekunden loslacht, wird vom Wettbewerb ausgeschlossen.

      *Grinst*

    • Immerhin… der Leopold Federmair hatte den Mut die Juroren bei ihrer Kritik an ihm zu fotografieren. Da gehört auch schon was dazu. Eine symbolische Geste, lieber Herr Schlinkert, die wahrscheinlich mehr als Tausend Worte sagt 😉

    • @Norbert W. Schlinkert Indes, lieber Herr Schlinkert, ich kann Ihnen verraten, diesen Wettlauf der Texte um die Gunst der Juroren zu verfolgen… zu schauen, wohin der Disku[r]s gerade fliegt, kostete mich fast beinahe auch den Arm [wie den armen Berti in Nawrats` Unternehmer-Text]. Er schmerzt. Vom vielen Mitschreiben oder seitlich sich im Sessel verbiegen beim Schauen und Beine hochziehen, wenn wieder eine Echse [oder war es doch eine Maus?] unter den Stuhlbeinen entlang zischte. Auf alle Fälle: “Danke” fürs Hut lupfen 😉

    • Jetzt haben Sie es, liebe Teresa HZW, ja geschafft. Ich habe den Bachmann-Festspielen wie angekündigt das Zusehen weitestgehend verweigert und eigentlich nur einmal für ein paar Minuten reingeschaut, das las so eine junge Frau aus dem Österreichischen mit buntem Kopftuch, die hatte schon die Angst in den Augen vor den Urteilen der Jury. Ich schwankte zwischen Fremdschämen und Mitleid. Auch bei einigen Juroren, so lese ich heute in der SZ, haben sich hier und da “die Poren der Empathie” geschlossen, so jedenfalls steht es da. Erholen Sie sich gut und pflegen Sie ihren Arm!

  2. Ich habe erst eben entdeckt, liebe Phyllis, dass Sie auf meine “sportlich [ambitionierten] Aktivitäten” in diesem [jedes Jahr] aufs neue sich austragenden literarischen Wettkampf verwiesen… Ohweia… wenn ich das mal eher gelesen hätte… vielleicht hätte ich dann “vorsichtiger” geschrieben…. 😉

    P.S.:
    Ihr illustrierender Literaten-Vogel [ähem.. ist doch ein paradiesischer Literatenvogel?] – wie passend zu diesem… beinahe hätte ich hierhin geschrieben [Vogel]-Wettbewerb in Klagenfurt, denn es war schon eine arge Viecherei dort dieses Jahr
    😉

    • Ich hab’ wirklich keine Ahnung, liebe Teresa, wie Sie darauf kommen, meine literarischen Ansprüche als besonders hehr und streng einzustufen! Wie viele >>>Schafgedichte muss ich denn noch schreiben, um Sie von meiner vergnügten Kläglichkeit zu überzeugen, hm?

      (Olga Martynova übrigens, finde ich, ist eine würdige Preisträgerin.)

    • Na, nun stapeln Sie aber tiiiieeefff, Ver-Ehrt-este 🙂

      [@Martynova – ja, sehr würdig!
      Die Bachmann wird da oben auf den Wolken herumfahren… und den anderen der Gruppe 47, die sich auf den Couchwolken um sie herum niedergelassen… mit einem himmlischen Schampuströpfchen fröhlich zuprosten]

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