6 Gedanken zu „Die Sprache der Anderen, 42

  1. Für den Menschengeruch in mir

    In den getöteten Bäumen
    heulen die Höllen.
    Schlaf findet der Sommer im frischen Honig,
    die Eidechse in der Kindheit des Ungetüms.

    Aus meinem Menschengeruch
    ein Dank an die Lüfte der Engel.
    ans Wasser von meinem himmlischen Herzen
    im fruchtbaren Dunkel der Zelle.

    Del mio odore di uomo

    Negli alberi uccisi
    ululano gli inferni.
    Dorme l’estate nel vergine miele,
    il ramarro nell’infanzia di mostro.

    Del mio odore di uomo
    grazia all’aria degli angeli,
    all’acqua mio cuore celeste
    nel fertile buio di cellula.

    Salvatore Quasimodo

    (Übersetzung der zweiten Strophe von mir selbst, der ersten von Christoph Ferber,
    mit dessen Übersetzung und vor allem den Umstellungen in der zweiten ich unglücklich war.
    Sie lautet bei ihm:
    Für den Menschengeruch in mir
    fleht um Gnade die Engelslüfte,
    das Wasser im fruchtbaren Zellendunkel
    mein himmlisches Herz.
    )

    • Meine Italienischkenntnisse sind leider zu schwach, um der Quelle wirklich nachspüren zu können. Aber Ihre Übersetzung/Übertragung scheint näher am Original zu liegen.

      Das Gedicht erinnert mich seltsamerweise an Jean Giono.
      „Bleibe, meine Freude“

      Ein unglaublich intensives Buch.

    • @Parallalie Ich danke Ihnen. Ginge es jetzt nicht um Übersetzungs- beziehungsweise Übertragungsfragen, die ich wie gesagt nicht beurteilen kann, würde ich anmerken, dass mir das „Stehen“ auf dem Herzen recht brutal vorkam, auch als selbstverantwortet fühlbar, während das „Weilen“ ein Gegebensein in sich trägt. Die beiden Varianten führen zu jeweils sehr unterschiedlichen Assoziationen.

      Bei Ihrer Übersetzung findet sich das Brutale dann in der folgenden Zeile im „durchbohrt“ anstelle von „durchdrungen“.

    • ich finde das gedicht auch nicht wirklich geeignet für den anlaß, aus dem es hierher gestellt wurde. ich sehe darin eher eine art lebensparabel. das „durchbohren“ hat etwas plötzliches, entspricht jedoch dem „trafiggere“ des originals. pfeile tun so etwas (und im bedeutungsumfeld durchaus ein herz). wäre schön, wenn’s ein durchdringen wär‘, allerdings zweifle ich, daß dies dem arbiträren des lebens so ohne weiteres abzugewinnen sei. wahrscheinlich ist der jedermann Quasimodo (genderisches aus- und eingrenzen) identisch mit dem herzen der erde, denn das „durchbohrt“ kann sich auf beides beziehen. läge nicht eher in den worten „schon“ bzw. „plötzlich“ das brutale? (meine langsamen kommentare aus der „slow city“ Amelia…)

    • @Parallalie Ich hatte für das ursprüngliche Zitat gar keinen Anlass, wollte einfach diese Worte teilen, die mir über den Weg gelaufen waren. Sie wirkten auf mich wie eine Essenz, die nur ein älterer, erfahrener Mensch auf diese Weise – rückblickend – formulieren kann. Im Laufe des Tages stieß ich dann in Die Dschungel auf den Text zu den Vorgängen in Syrien. Ich dachte, wie vielen so ein Blick zurück gar nicht möglich sein wird, weil ihnen vorher der Faden gekappt wird. Deswegen stellte ich ANH’s Satz unter die Gedichtzeile: um mir diese Gleichzeitigkeit vor Augen zu halten.

      Das Wort „schon“ gefällt mir inzwischen besser als „plötzlich“, weil das Brutale beiläufiger in ihm wirkt.

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