Transit. Donnerstag, 7. April 2011.

Morgen noch, dann ist die Frühlings-Seminarsaison erstmal abgeschlossen; zur Jahresmitte gibt’s die so genannten Sommerakademien, ab Herbst dann wieder volles Rohr. Heißt: Zeit zum Schreiben und Zeichnen die nächsten zwei Monate – einer davon in K****.
Kann’s noch nicht richtig fassen. Zudem schwirrt mir ein Vorhaben im Schädel, ein großes, ehrgeiziges, das eine Menge Vorarbeit benötigt; seit Wochen versuch‘ ich’s zu verdrängen, weil damit eine Menge mehr Verantwortung einherginge, als ich zu tragen gewohnt bin, doch das Ding lässt mir keine Ruhe. Andererseits wäre ich im perfekten Alter für so ein Setting. (Neiiin, ich kann noch nicht darüber sprechen!)
Mit der Aussicht auf ungestörtere künstlerische Arbeit, immerhin, weicht die Anspannung. Man hält die ja meistens so lange durch, bis sie sich normal anfühlt. Bewährter Trick: ich schreib‘ mir selbst Zettel (sehr dicker Edding) und hänge sie an Stellen, die mir täglich ins Auge fallen. (Meine momentane Lieblingsbotschaft: „NICHT EINKNICKEN, NICHT RECHTFERTIGEN!“) Ob Sie das, werte Leser:innen, glauben oder nicht, es hilft. Mir jedenfalls.
Morgen Abend reiße ich jedenfalls erstmal alle Zettel von den Wänden. Denn ab dann gibt’s für zwei Monate neben der künstlerischen nur noch die redaktionelle Arbeit für die Stiftung, die kann ich von überall machen.

Man muss aufpassen, dass man nicht trivial wird als Selbstständige. Ist so eine Nebenwirkung des Pragmatismus. Der Effizienz. Des ständigen aus allem das Beste rausholen, vor allem aber aus sich selbst: das schlaucht. Man möchte meckern, aber Meckern schwächt. Also weiter, und drüber, und drunter, und immer aus einem erfolgreich abgeschlossenen Projekt schon das nächste generieren. Man fängt an, Menschen nach ihrer Nützlichkeit zu beurteilen, obwohl man das früher an anderen immer verachtet hat – diesen Blick. Nein, so weit ist’s mit mir noch nicht gekommen, aber die Ratio hat mich phasenweise schon ganz schön fest an der Kandare, fester, als mir lieb ist. Ohne TT würde ich durchdrehen, im Ernst ; )
Mein momentanes Lohnarbeitsmodell hat, denke ich gerade, ein bißchen was von der guten alten Glühbirne: schönes Licht, aber viel in Abwärme fließende Energie. Ich bin erfahren, beliebt bei meinen Arbeitgebern, liefere zuverlässig auf sehr hohem Niveau, doch der Aufwand, den ich für mein Patchworkmodell betreibe, ist unverhältnismäßig hoch. Finde ich. Auch darüber werde ich in nächster Zeit nachdenken.

2 Gedanken zu „Transit. Donnerstag, 7. April 2011.

    • @Wiegenleid Ein elegantes Wort. Das einen Zustand bezeichnet, in den zu gelangen es durchaus uneleganter Mittel bedarf. Nicht unbedingt, zugegeben, doch die Wahrscheinlichkeit erhöht sich…

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